1. Wirtschaft

Aachen: Datenbank statt dicker Bücher

Aachen : Datenbank statt dicker Bücher

Kinder verdienen so viel Aufmerksamkeit wie eine Flasche Shampoo.

Das mag hartherzig klingen, würde aber eine Qualitätsoffensive bedeuten - zum Beispiel in puncto Sicherheit. Meint Wirtschaftsingenieur Oliver Jentschke. „Jede Flasche Shampoo wird hundert Mal auf Kratzer kontrolliert, aber so eine intensive Kontrolle gibt es für Kindergärten nicht”, sagt der 34-Jährige und gibt damit ein Beispiel für den Einsatz seines „EQM-Managers”.

Bessere Übersicht

Ob Normen für Qualität, Hygiene, Umweltschutz oder Kundenzufriedenheit: Mit dieser neu entwickelten Software können Firmen ihre Daten speichern, analysieren und bewerten - ohne „Papierschubserei” und dicke Handbücher in den Regalen aller Abteilungen. Die elektronische Qualitätsmanagement-Datenbank soll interne Abläufe transparent machen - und schließlich durch gezielte Kontrolle optimieren.

Um beim Beispiel des Kindergartens zu bleiben: Einen genauen Überblick geben, ob Mahlzeiten und Reinigung regelmäßig erfolgen, alle Feuerlöscher an der richtigen Stelle hängen oder die Spielgeräte im Garten gewartet sind, erklärt Jentschke, selbst Vater von zwei kleinen Mädchen. Alle Auswertungen - inklusive der eventuell notwendigen Maßnahmen - seien dann jederzeit auf Knopfdruck verfügbar.

Mehrjährige Erfahrung

Der Diplom-Ingenieur hat bereits mehrjährige Erfahrungen als Qualitätsberater gesammelt. Nun hat er sich mit seinem ehemaligen Studienkollegen Achim Dahmen zusammengeschlossen. Anfang des Jahres gründeten beide in Aachen ihre Beratungsfirma Aixplora GmbH, über die sie ihren „EQM-Manager” vertreiben. „Wir installieren aber nicht nur die Software und sind dann weg”, sagt Jentschke. „Wir kommen in die Unternehmen und beraten über einen längeren Zeitraum.”

Innerhalb von ein bis zwei Monaten wird mit dem Kunden ein elektronisches Qualitätsmanagement-Handbuch entwickelt. So wollen die externen Berater Probleme ausräumen, die oft durch „Betriebsblindheit” entstehen. Dabei passen sie die Module des Programms als Komplett-Paket individuell den Bedürfnissen der Firmen an. „Durch die Server-Verwaltung können 70 bis 80 Prozent des Verwaltungsaufwandes und bis zu 50 Prozent der Kosten eingespart werden”, verspricht Jentschke.

Bisher ist das Berater-Duo im Großraum Aachen, Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach in kleinen und mittelständischen Unternehmen vor allem in der Pharma- und Automobil-Zulieferindustrie aktiv.

Doch schon bald soll ihr Produkt weltweit zum Einsatz kommen. Stolz erzählt Jentschke, dass ein Partnerschaftsvertrag mit dem IT-Konzern Hewlett-Packard über ein elektronisches Wartungsprogramm für digitale Druckmaschinen bereits unterschriftsreif vorliege.

Ebenfalls angestrebt werden Kooperationen mit den Hochschulen. „Wir können studentische Hilfskräfte für die Datenerfassung sehr gut gebrauchen”, sagt der Wirtschaftsingenieur. Auch Themen für Diplomarbeiten böten sich an. Doch derzeit quält den Qualitätsberater ein Luxus-Problem: „Wir können den vielen Anfragen nicht gerecht werden. Wir haben zu wenig Manpower.” Daher sollen bis Ende des Jahres noch ein bis zwei Mitarbeiter eingestellt werden. Schließlich wird als Umsatzziel eine halbe Million Euro angepeilt.