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Aachen: Das Tal der Verluste ist vergessen

Aachen : Das Tal der Verluste ist vergessen

Mit solchen Zahlen lässt sich eine Hauptversammlung gut durchstehen: Nachdem der Aachener Versicherungskonzern AMB Generali 2002 einen Verlust von 235 Millionen Euro ausweisen musste, schrieb er im vergangenen Jahr mit einem Plus von sieben Millionen Euro wieder schwarze Zahlen.

Dafür konnte der Vorstand am Mittwoch in Aachen von den Aktionären viel Lob einheimsen. Das Kürzel „AMB” wurde von einem Anteilseigner sogar euphorisch mit „Aktionär mit Begeisterung” übersetzt. „Wir haben die Börsenkrise gut verkraftet und unsere Hausaufgaben gemacht, ohne extern Geld gebraucht zu haben,” stellte Vorstandsvorsitzender Dr. Walter Thießen fest.

Nachdem selbst in Krisenzeiten die Dividende stabil blieb und auch für 2003 1,35 Prozent je Aktie gezahlt wird, zeigte sich Thießen für die Zukunft optimistisch: „Wir müssen über eine Dividendenanpassung nachdenken,” meinte er kryptisch, ohne sich auf eine Größenordnung festzulegen.

Nach einem hervorragenden Start im Frühjahr mit überdurchschnittlichem Wachstum im Bereich Lebens- und Krankenversicherung und Verbesserungen beim versicherungstechnischen Ergebnis geht er von einem Konzernergebnis nach Steuern von 200 Millionen Euro aus.

Die gesteigerte Ertragskraft geht nicht zuletzt auf das im Vorjahr eingeleitete Kosteneinsparungsprogramm zurück, das bis Ende 2005 einen Abbau von rund 1250 Stellen vorsieht. Per Saldo dürften in diesem Jahr in Aachen 20 Stellen gestrichen werden. Damit sind die Arbeitsplätze verrechnet, die durch die Verlagerung von Teilen des zentralen Generali-Rechenzentrums nach Aachen neu entstehen. Der italienische Versicherungsriese Assicurazioni Generali in Triest hält 69 Prozent des AMB-Grundkapitals.

Gelassen sieht Thießen die Gespräche um eine Erweiterung des AMB-Geländes auf der Fläche des ehemaligen Klinikums in Aachen, die bei den Anwohnern auf Protest stößt. „Während in der Industrie massenweise Stellen gestrichen werden, schaffen wir hier hoch qualifizierte Arbeitsplätze”, versicherte er. Ein Standort am Stadtrand oder in Würselen komme nicht in Frage. „Dann können wir gleich nach Köln gehen. Dort sind wir auch näher am Flughafen.”

Ärger bescheren der AMB Generali die Proteste gegen ihre Bausparkassentochter Badenia in Karlsruhe. Bundesweit beschäftigen sich inzwischen die Medien mit deren umstrittenen Geschäftspraktiken. Unsere Zeitung hat mehrfach darüber berichtet. Verschiedene Aktionäre forderten Thießen auf, die AMB solle ihren Kontrollpflichten in Karlsruhe nachkommen und mit den Betroffenen eine Lösung finden.

Nach Thießens Ansicht ist in den strittigen Fällen bisher die Rechtsauffassung der Badenia von den Gerichten bestätigt worden. Im Augenblick seien noch 319 Verfahren gegen die Badenia anhängig. Auch von einem anstehenden Spruch des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg befürchtet er keine zusätzliche Prozesslawine.

Grundsätzlich zeigte sich Thießen aber gesprächsbereit, um individuelle Lösungen zu finden. „Wir sind auch zu Einzelvergleichen bereit, wo es sich um Fälle handelt, bei denen eine Verbraucher-Insolvenz unmittelbar bevorsteht.”