Elektromobil-Innovation aus Aachen: Das nächste E-Mobil heißt Sven

Elektromobil-Innovation aus Aachen : Das nächste E-Mobil heißt Sven

Klein, kompakt, vernetzt: Das ist Sven, die neueste Elektromobil-Innovation aus Aachen. Experten nennen die Stadt ja gerne eine „Hochburg“ auf diesem Gebiet. Bislang ist da vom Streetscooter und vom e.GO die Rede. Jetzt steht Sven in den Startlöchern. Der Name steht für „Shared Vehicle Electric Native“.

Die Begriffe weisen den Weg, den Sven einschlagen soll: Ein rein elektrisches Fahrzeug für den innerstädtischen Verkehr, wo es vor allem im Carsharing genutzt werden soll. Wenn alles läuft wie geplant, soll Sven Ende 2020, Anfang 2021 marktreif sein. Ein erster fahrbereiter Prototyp soll bis Ende 2019 fertiggestellt sein. Ab wann, wo und von wem das Modell dann gebaut wird, steht noch nicht fest.

Exterieur und Interieur sind sehr funktional. Share2Drive ist ein Tochter der Aachener FEV Gruppe. Foto: Andreas Herrmann

Sven hat mit dem Streetscooter und dem e.GO einiges gemein: den Elektroantrieb natürlich, aber auch die auf eine Nische abzielende Konzeption (Streetscooter als Auslieferungsfahrzeug, e.GO als reines Stadtauto, Sven für Carsharing) und den Ursprung in einer Aachener Hochschule. Im Fall von Sven die Fachhochschule.

Dort startete 2011 ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Aachener Imperia GmbH, einem Unternehmen, dass sich vor allem mit der Entwicklung von Karosseriesystemen befasst. 2013 stand ein Prototyp auf dem Hof. Zwei Jahre später wurde die Share2Drive GmbH als Spin-off gegründet wurde. Das bis heute gültige Ziel: ein serienreifes Elektrofahrzeug für Carsharing. 2016 übernahm die FEV Gruppe die Imperia GmbH. Ein Jahr später kam auch Share2Drive als Tochter unter das Dach des Aachener Fahrzeugentwicklers. Eine Minderheitsbeteiligung hält der Mönchengladbacher Energieversorger NEW.

2,50 Meter lang, 1,75 Meter hoch

Seitdem hat das Projekt kräftig an Fahrt aufgenommen. An dem Fahrzeug arbeiten derzeit rund 50 Leute, in erster Linie aus Töchterfirmen der FEV. Die Grunddaten: Sven ist 2,50 Meter lang, 1,75 Meter hoch und bietet drei flexible Sitzplätze. Dank dieser Maße und Schiebetüren passt der Stromer in nahezu jede Parklücke. Der Kofferraum fasst zwei Bierkästen; klappt man zwei Sitze um, reicht der Raum für ein Regal. Das Design ist dynamisch und funktional. Das Interieur auch. Acht Knöpfe reichen für die Bedienung, ein „normales“ Auto braucht ein Vielfaches.

Entwicklung aus Aachen: Elektrofahrzeug speziell für Carsharing

„Einfach und intuitiv“ soll alles sein, sagen Share2Drive-Geschäftsführer Markus Volm und der Technische Direktor Michael Pielen. Der Innenraum ist leicht zu reinigen; Chassis und Karosserie sind so gestaltet, dass mögliche Reparaturkosten überschaubar bleiben. Das alles zielt auf die potenziellen Kunden ab: Carsharing-Anbieter vor allem, ob mit stationsbasierter oder Free-Floating-Flotte, aber auch Unternehmen, die ihren Fuhrpark umstellen wollen.

Der Elektromotor ermöglicht Sven eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und eine Beschleunigung von null auf 50 km/h in fünf Sekunden. Die 16 Kilowattstunden starke Batterie erlaubt eine durchschnittliche Reichweite von 100 Kilometern, 80 sind garantiert — ein Fahrzeug für den urbanen Raum. Die Ladezeit über einen Schukostecker (drei kW) beträgt 5,3 Stunden.

Vollständig mit dem Internet vernetzt

Sven ist außerdem vollständig mit dem Internet vernetzt. Per Smartphone können die Nutzer so ihr persönliches Profil hinterlegen — von der Sitzhöhe über die Raumtemperatur und die Lieblingsplaylist bis hin zum Fahrziel. Denn Carsharing-Kunden wollen direkt losfahren und sich nicht lange mit den Einstellungen beschäftigen. „Wir führen existierende technische Möglichkeiten zusammen und schneidern sie perfekt auf die konkreten Bedürfnisse der Carsharing-Anbieter und -Nutzer zu“, sagt Pielen.

Zum Preis für das Fahrzeug wollen die Share2Drive-Macher noch nichts sagen, als Referenzprodukt nennen sie den kleinsten Elektro-Smart. Dass sie mit Sven auf Märkten reüssieren wollen, die sehr in Bewegung sind, ist ihnen bewusst. Die großen Konzerne rüsten ihre E-Mobil-Flotten gerade auf, Daimler und BMW werden ihre Carsharing-Angebote car2go und DriveNow zusammenlegen, VW will ein rein elektrisches Carsharing-Angebot an den Start bringen will. Das zeigt aber auch: Sven ist für einen Zukunftsmarkt konzipiert, gerade in Großstädten. Warum also soll da nicht auch Platz sein für ein Modell, das darauf angelegt ist, die Kosten zu minimieren, per Smartphone buch- und „programmierbar“ ist und individuelle Einstellungen ermöglicht?

Share2Drive wird sich nun auf die Suche nach Investoren machen, da die FEV sich absehbar auf eine Minderheitsbeteiligung zurückziehen will — auch, um den eigenen Kunden keine Konkurrenz zu machen. „Wir können mit Sven aber perfekt unsere Ingenieurskompetenz als Gesamtfahrzeugentwickler demonstrieren“, sagt FEV-Marketingchef Andreas Albers.

Übrigens: Das günstige E-Smart-Modell kostet derzeit knapp 22.000 Euro, abzüglich E-Auto-Kaufprämie von 4000 Euro.

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