Frankfurt/Hannover: Conti schaltet einen Gang hoch

Frankfurt/Hannover: Conti schaltet einen Gang hoch

Das Tempo nimmt zu, einzig die Schulden bremsen weiter: Mit einem satten Jahresgewinn scheint Continental die Folgen der Wirtschaftskrise abgeschüttelt zu haben.

„Es macht uns insgesamt wieder viel mehr Spaß”, sagt Vorstandschef Elmar Degenhart mit entwaffnender Ehrlichkeit zur vollzogenen Wende. Für Unsicherheit bei Europas größtem Reifenhersteller sorgen aber nach wie vor die hohen Belastungen aus dem Kauf der Siemens-Autotechniksparte VDO - und die undurchsichtigen Pläne des Großaktionärs Schaeffler.

Neue Spekulationen um den ungeliebten Anteilseigner machen pünktlich zur gestrigen Bilanzvorlage die Runde. Die „Financial Times Deutschland” berichtet aus Verhandlungskreisen, Schaeffler wolle noch im März ein Aktienpaket verkaufen, zugleich jedoch eine Mehrheitsbeteiligung von über 50 Prozent behalten.

Derzeit hält das Herzogenauracher Familienunternehmen gut 42 Prozent direkt an Conti, weitere 33 Prozent sind bei zwei Banken geparkt. „Derartige Planungen bei Schaeffler halten wir für durchaus realistisch”, schreibt Nord/LB-Analyst Frank Schwope in einer Studie.

Die Franken geben sich derweil bedeckt. Sollte sich der Anteil der frei handelbaren Aktien erhöhen, gilt Conti auch wieder als Kandidat für den Leitindex Dax.

Die einmal ins Auge gefasste Fusion mit Schaeffler ist nach Angaben der Hannoveraner derzeit allerdings nicht in Sicht. „Es wäre schwierig, den Vorbereitungsprozess für einen Zusammenschluss noch in diesem Jahr abzuschließen”, sagt Degenhart.

Vorerst lautet die Devise: mehr gemeinsamer Einkauf, mehr gemeinsame Entwicklungen - etwa bei elektrischen Parkbremsen, Kupplungen und Turboladern. „Es findet eine intensive, konstruktive Zusammenarbeit statt.”

Degenhart spürt den Rückenwind der Erholung in der Branche. „Wir haben an Schlagkraft gewonnen.” Das Selbstbewusstsein der Conti-Führungsriege basiert auf soliden Zahlen. Nach dem konjunkturell bedingten Einbruch 2009 verdiente der Konzern im vorigen Jahr unterm Strich 576 Millionen Euro.

Die Rückkehr in die Gewinnzone sieht der Zulieferer als Beleg für erfolgreiche Produkte, aber auch für die nötige Kostendisziplin und ein verbessertes Schulden-Management. Eine Dividende wird der Reifenhersteller seinen Aktionären aber auch für 2010 nicht zahlen.

2009 hatte Continental wegen der Turbulenzen in der Autoindustrie einen Verlust von 1,65 Milliarden Euro eingefahren. Vor Steuern und Zinsen landete das Unternehmen 2010 sogar bei einem Rekordergebnis von mehr als 1,93 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um fast ein Drittel auf gut 26 Milliarden Euro zu.

Bei der zweiten Großbaustelle, dem Abbau des Schuldenbergs, ist Conti aus eigener Sicht in Vorleistung gegangen. 2010 sank die Last um über 1,5 Milliarden Euro - die übrigen 7,3 Milliarden Euro sind für die Banken indes kein Pappenstiel.

Finanzchef Wolfgang Schäfer glaubt, in den Gesprächen über Kredite bessere Konditionen und längere Laufzeiten aushandeln zu können: „Die weitere Reduzierung der Verschuldung bleibt ein starkes Ziel.”

Neue Reibungsverluste könnte unterdessen der immer teurere Einkauf von Rohstoffen bringen. Die Kostenexplosion beim Naturkautschuk ist ein Risikofaktor - ausgerechnet für die besonders erfolgreiche Reifensparte.

Allein in diesem Jahr rollen auf Conti zusätzliche Belastungen von 700 Millionen Euro zu. Vorsichtshalber schwört Degenhart die Kunden auf weitere Preiserhöhungen ein: „Die Anstiege zu Beginn dieses Jahres werden bei weitem nicht ausreichen, um den Anstieg der Kautschukpreise auch nur annähernd auszugleichen.”

An 200 Standorten in 46 Ländern beschäftigt Continental insgesamt 148.000 Mitarbeiter. 1450 von ihnen arbeiten im Aachener Reifenwerk.