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Frankfurt/Aachen: Commerzbank dreht an der Gebührenschraube

Frankfurt/Aachen : Commerzbank dreht an der Gebührenschraube

Trotz eines Gewinneinbruchs im ersten Halbjahr will die Commerzbank am kostenlosen Girokonto sowie am Filialnetz mit aktuell bundesweit 1050 Standorten festhalten und Strafzinsen für Privatkunden vermeiden: „Aktuell planen wir nicht, bei Privatkunden einen Preis auf deren Einlagen zu schreiben und Negativzinsen zu erheben“, sagte der seit Mai amtierende Privatkundenchef Michael Mandel am Dienstag.

An anderer Stelle ziehen die Gebühren an, etwa bei Kreditkarten, Wertpapierdepots und für Überweisungen, die am Schalter abgegeben werden. Auch Geschäftskunden müssen sich auf höhere Preise einstellen. Von ihrem Milliardenziel für 2016 verabschiedete sich die Commerzbank endgültig.

„Das Niedrigzinsumfeld und die anhaltende Kundenzurückhaltung ... werden die Erträge trotz Wachstum weiter belasten“, heißt es im Zwischenbericht, den der teilverstaatlichte Frankfurter Dax-Konzern am Dienstag veröffentlichte. „Wir erwarten daher für das Gesamtjahr 2016, dass das operative Ergebnis und das Konzernergebnis unter dem Vorjahr liegen werden.“

Zuletzt hatte die Commerzbank noch gehofft, die gut eine Milliarde Euro Überschuss aus dem Vorjahr wiederholen zu können, dies aber schon als „ambitioniert“ bezeichnet. Ursprünglich hatte der Vorstand — noch unter dem damaligen Chef Martin Blessing — sogar Zuwächse in Aussicht gestellt. In den ersten sechs Monaten 2016 brach der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein.

Der operative Gewinn sackte in der gleichen Größenordnung auf 615 Millionen Euro ab. In der zweiten Jahreshälfte will der neue Vorstandschef Martin Zielke seine Strategie vorlegen, mit der er das Ruder herumreißen möchte.

In der Region Aachen-Düren-Heinsberg legte die Bank im ersten Halbjahr im Privat- und Firmenkundengeschäft zu. Die Nachfrage nach Ratenkrediten stieg um 63 Prozent auf 11,4 Millionen Euro. „Immer mehr Kunden nutzen die Mini-Zinsen für Anschaffungen“, erläuterte Jürgen Bauten, Niederlassungsleiter Privatkunden. Immobilien im Wert von knapp 74,6 Millionen wurden finanziert, ein Plus von 4,7 Prozent im Vorjahresvergleich.

Im Wertpapiergeschäft verzeichnet die Niederlassung Aachen einen Zuwachs von 222,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, mehr als 30 Millionen Euro wurden neu angelegt. Die Mittelstandsbank verzeichnete eine stabile Kreditnachfrage — auch wenn diese stärker sein könnte, wie Jürgen Heyne, der in Aachen das Firmenkundengeschäft leitet, sagte.