Clevere Ideen von RWTH-Studierenden

Start-up-Projekt in Aachen : Den Schulbus per App ordern?

Wie mache ich aus einer Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell? Im Rahmen des Praktikums „Unternehmensgründung und neue Medien“ am Lehrstuhl für Informatik 5 (Informationssysteme und Datenbanken) haben elf RWTH-Studierende mit Start-ups aus der Region zusammengearbeitet.

Entstanden sind dabei zwei innovative Softwareprojekte mit der e.GO Digital GmbH und der formitas AG, die am Montagabend in einer Abschlusspräsentation im e.GO-Showroom vorgestellt wurden.

Praxisrelevante Fragen

Ein Semester lang haben sich die Studierenden aus den Masterstudiengängen „Informatik“, „Media Informatics“ sowie „Software Systems Engineering“ an der RWTH Aachen mit praxisrelevanten Fragestellungen auseinandergesetzt: Für die bestehende Software „Gamma AR“ der Aachener formitas AG, mit der sich Bauprojekte komfortabel managen lassen, wurde ein Feature entwickelt, das es erlaubt, auch im Web-Browser ein 3D-Gebäudemodell interaktiv darzustellen – und zwar inklusive der Mängelbeschreibung, die auf einer Baustelle mit der „Mobile App“ gemacht wird. Auf diese Weise könnten Mängel leichter lokalisiert werden und die Kommunikation der an einem Bauprojekt Beteiligten werde insgesamt verbessert.

Im Projekt „e.GO Schubo – Schoolbus on demand“ galt es hingegen, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, einen Schulbus per App zu bestellen, um Kinder bequem und sicher zur Schule zu befördern. Als Schulbus der Zukunft würde dann der vollelektrische Kleinbus „e.GO Mover“ dienen, als Fahrkarte ein QR-Code, mit dem die Kinder in den Bus „einchecken“.

„Wenn ich morgens zum Beispiel an einem innerstädtischen Gymnasium vorbeifahre, halten dort mehrere hundert Fahrzeuge vor der Tür, weil viele Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden“, erzählt Michael Riesener, Geschäftsführer und Mitgründer der e.GO Digital GmbH und Forschungsleiter bei der e.GO Mobile AG.

„Dieses Problem wollen wir lösen und Mobilität wieder angenehm machen.“ Die Projektergebnisse würden nun als Basis für einen Forschungsantrag seitens der e.GO-Gruppe dienen – sechs Schulen hätten schon ihr Interesse bekundet. „Die Gespräche mit der Aseag laufen, vielleicht rollt nächstes Jahr schon der erste e.GO Mover als Schulbus durch die Aachener Innenstadt“, schmunzelt Riesener.

„Für uns ist das vor allem eine Chance, Zugang zu jungen Studierenden im Bereich Digitalisierung zu erhalten und darüber richtig gute Entwickler zu finden“, berichtet Maike Schrickel, von der e.GO Mobile AG, die das Projekt eng begleitet hat. Sie ist begeistert: „Wir können uns zwar nicht über fehlende Bewerbungen beklagen. Aber wenn man über Wochen so intensiv zusammenarbeitet – das ist besser als jedes CV.“ So startete Bhavana Bhat bereits Anfang Dezember neben dem Entrepreneurship-Praktikum auch als „Hiwine“ bei e.GO: „Uns hat nicht nur ihr Können beeindruckt, sondern auch ihre große Motivation“, erzählt Schrickel. Dabei sei die 25-Jährige erst vor vier Monaten für ihr Masterstudium nach Aachen gekommen, davor habe sie drei Jahre in Indien gearbeitet.

Solche Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die über das Praktikum hinausgehen – ein Hiwi-Job, eine Masterarbeit oder auch der erste richtige Job nach dem Studium –, würden im Rahmen des Praktikums regelmäßig entstehen, berichtet Privatdozent Ralf Klamma, der die „Hightech Entrepreneurship“-Reihe seit ihrem Start im Jahr 2001 betreut. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut die Bindung zwischen den Unternehmen und den Studierenden auch schon nach wenigen Wochen ist.“

Ideale Bedingungen

Seine Mission: die Studierenden mit der Gründungspraxis vertraut zu machen und zu zeigen, dass man eine Karriere auch als Unternehmensgründer starten kann. „Es ist ideal, dass es in Aachen so viele junge, informatikintensive Unternehmen gibt“, sagt Klamma: „Jetzt müssen sich die jungen Informatiker nur noch trauen, selbst eine Unternehmung zu starten oder als gleichberechtigte Mitgründer aufzutreten. Dazu wollen wir als Lehrstuhl für Informatik beitragen.“

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