Aachen: Campus bietet Platz für innovative Ideen

Aachen: Campus bietet Platz für innovative Ideen

Es ist eines der Aushängeschilder des Campus-Großprojekts an der Aachener RWTH - und zählt vor allen Dingen zu den allerersten Investitionen, die bereits vor der Campus-Vollendung stehen: das Zentrum für Biomedizin-Technik (ZBMT).

Die Pionierrolle beim Bezug der neuen Räumlichkeiten im direkten Umfeld des Universitätsklinikums nimmt der junge Diplom-Ingenieur Alexander Kopp ein. Vor Jahresfrist hatte der damalige Maschinenbaustudent sein Examen mit Auszeichnung bestanden. Seitdem bereitet er sich vor auf eine berufliche Karriere - als Unternehmer. Ein mutiger Sprung von der Hochschule direkt in die Selbstständigkeit - nicht zuletzt dank starker Partner, die dem 26-Jährigen auf diesem Weg tatkräftig unter die Arme greifen und ihn unterstützen.

Kopp hat die Firma Meotec GmbH gegründet. Und die hat es dank hohen Innovationspotenzials vom Start weg gleich geschafft, zum offiziellen „industriellen Partner” des Campus-Clusters Bio-Medizintechnik unter der Leitung von Professor Thomas Schmitz-Rode vom Institut für angewandte Medizintechnik zu avancieren.

Das ZBMT soll das gleichfalls von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) betriebene benachbarte Medizintechnik-Zentrum (MTZ) ersetzen, das vom Klinikum übernommen wird, allerdings zur Hälfte bis Anfang 2015 noch für den bisherigen Nutzerkreis zur Verfügung stehen wird.

In den Neubau investiert die Gegra, die Gewerbegrundstücksgesellschaft der Stadt Aachen, als Bauherrin einen Betrag von rund zehn Millionen Euro, erläutert deren kaufmännischer ZBMT-Projektleiter Norbert vom Dorp. Insgesamt 4100 Quadratmeter Labor- und Büroflächen stehen zur Verfügung. Bis auf wenige Restflächen ist das vom Aachener Architekturbüro Carpus und Partner entworfene Gebäude bereits komplett ausgelastet. Eine Etage steht jungen Start-ups wie Meotec zur Verfügung. Insgesamt werden in dem Zentrum mehr als 200 neue Arbeitsplätze erwartet, so vom Dorp.

Es geht auch schonender

Meotec-Gründer Kopp lobt die Unterstützung als überaus wertvoll, die ihm die Gegra in der Startphase gewährt habe. Die Firma ist tätig im Bereich der medizinischen Oberflächentechnik. Erforscht und entwickelt werden Verfahren basierend auf der so genannten „anodischen Oxidation”, einem elektrolytischen Verfahren zur Herstellung von Schutzschichten. Sie war Kopps Thema der Diplomarbeit, hier sieht er eine profitable Marktlücke. Die Technik sorgt für eine Reduzierung der Korrosionsanfälligkeit von Metallen und eine größere Verschleißbestätigkeit. Diese Faktoren sind wichtig, gerade wenn es um Implantate für den menschlichen Körper geht. Etwa bei Knochenbrüchen: Da werden die Teile bislang oft noch mit Nägeln und Metallplatten zusammengefügt, die nach dem Heilungsprozess wieder per Operation herausgeholt werden müssen - belastend für die Patienten und teuer für das Gesundheitssystem.

Doch es geht neuerdings auch viel schonender. Meotec befasst sich mit „Ersatzteilen”, die etwa aus dem Leichtmetall Magnesium gefertigt werden, einem körperkompatiblen Stoff, der sich mit der Zeit gezielt - wie eine Brausetablette - von selbst auflöst. Dieser Prozess wird durch die Oxidation passgenau gesteuert. In den Meotec-Verfahren geht es auch um die Schaffung von „biokompatiblem Oberflächen”, die körperverträglich sind. Zudem könnten in die „intelligenten Implantate” Wirkstoffe eingelagert werden - Medikamente, die herausgelöst werden („Drug Eluting”). Ferner hat Kopp strukturierte Oberflächen im Blick, die das Anwachsen von Gewebe beschleunigen.

Die Hersteller von Implantaten sind die Partner von Meotec. Für sie übernimmt Kopp gezielt Forschungsaufträge, oder er erschließt ihnen sein spezielles Know-how. Dazu richtet er in seinen 160 Quadratmeter großen Räumen die notwendigen Anlagen ein. Die beiden ersten Mitarbeiter sind eingestellt, weitere sollen schon nächstes Jahr folgen. „Nebenbei” nimmt sich der junge Ingenieur auch noch die Zeit, um am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH, mit dem er intensiv zusammenarbeitet, bei Professor Fritz Klocke zu promovieren.

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