Berlin: Bundesverkehrsminister blickt positiv auf den Ausbau des automatisierten Fahrens

Berlin : Bundesverkehrsminister blickt positiv auf den Ausbau des automatisierten Fahrens

Die FH-Studierenden haben zum Autonomen Fahren schriftlich Fragen an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gestellt und erhielten aus dem Ministerium dann ausführliche Antworten.

Welche Risiken ergeben sich durch das autonome Fahren für Berufsgruppen wie Fahrlehrer oder Busfahrer? Werden diese Berufe überflüssig?

Andreas Scheuer: Ob sich mit Einführung des autonomen Fahrens Berufe ändern werden, lässt sich derzeit noch nicht vollumfänglich absehen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass mit Einführung neuer Technologien oder bei komplexeren industriepolitischen Entwicklungen sich immer neue Möglichkeiten und Chancen auftun. Die Einführung des autonomen Fahrens im Regelbetrieb wird sich hierbei als längerfristiger und sich schrittweise vollziehender Prozess gestalten. Aufgrund des Mischverkehrs, das heißt einem Nebeneinander von herkömmlichen und automatisierten bis hin zu autonomen Kraftfahrzeugen, wird die Fahrausbildung anspruchsvoller werden.

Und wie reagiert die Regierung auf diese Entwicklung?

Scheuer: Die Bundesregierung wird hierbei sicherstellen, den besonderen Anforderungen, die das automatisierte Fahren mit sich bringt, gerecht zu werden, um die Sicherheit der Bürger im Straßenverkehr zu gewährleisten.

Das autonome Fahren soll den Straßenverkehr vor allem sicherer machen. Wie realistisch ist dieses Sicherheitsversprechen? Wird es nachweislich weniger Unfälle geben?

Scheuer: Bedenkt man, dass rund 90 Prozent der Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind, so ist davon auszugehen, dass sich mit zunehmender Automatisierung die Unfallzahlen reduzieren werden.

Wie soll ein autonomes Fahrzeug in folgender Situation reagieren: Ein autonom fahrendes Auto mit einem Passagier fährt über eine kurvige Bergstraße und nähert sich einem Tunnel. Kurz bevor es in diesen einfährt, springt ein kleines Mädchen auf die Straße. Nun steht die Maschine vor der Wahl: Soll sie das Kind überfahren und so den Passagier retten? Oder weicht es dem Mädchen aus und stürzt mit seinem Insassen in die Tiefe?

Scheuer: Ethische Fragestellungen und wie wir mit diesen umgehen, sind Fragen an die Gesellschaft. Zu ethischen Fragen im Zusammenhang mit dem automatisierten und vernetzen Fahren wurde im September 2016 eine Kommission eingesetzt, um die „notwendigen ethischen Leitlinien für das automatisierte und vernetzte Fahren zu erarbeiten“. Auch wenn sich diese Kommission aus Experten zusammensetzte, so handelte es sich um eine interdisziplinär ausgerichtete und plural besetzte Kommission, so dass unterschiedliche gesellschaftliche Aspekte bei der Entwicklung ethischer Regeln für den automatisierten und vernetzten Fahrzeugverkehr in die Betrachtung einbezogen werden konnten.

Auf Grundlage der von der Ethikkommission entwickelten ethischen Regeln, die den Rahmen für eine Zulassung automatisierter Fahrsysteme zum Straßenverkehr unter Berücksichtigung von Sicherheit, menschlicher Würde, persönlicher Entscheidungsfreiheit und Datenautonomie setzen, hat die Bundesregierung einen Maßnahmenplan beschlossen, der umgesetzt wird.

Wer ist zuständig für die Lösung der ethischen Probleme? Wie sollen die ethischen Probleme gelöst werden?

Scheuer: Ethische Fragestellungen machen nicht vor der Grenze halt. Auf Ebene der Verkehrsminister der EU-Mitgliedstaaten wurde im September 2017 vereinbart, eine Task Force zum Thema ethische Aspekte des automatisierten und vernetzten Fahrens einzurichten. Die Gruppe wird einen Diskussions- und Entscheidungsvorschlag vorlegen, welche ethischen Fragenstellungen weiter gemeinschaftlich auf EU-Ebene bzw. welche eher auf nationaler Ebene weiter bearbeitet werden sollten. Z

u Ihrer in der Frage dargestellten so genannten dilemmatischen Situation hat die Ethikkommission in ihrer Regel 8 dargelegt, dass die Entscheidung Leben gegen Leben neben der konkreten tatsächlichen Situation auch abhängig ist von „unberechenbaren“ Verhaltensweisen Betroffener: „Sie sind deshalb nicht eindeutig normierbar und auch nicht ethisch zweifelsfrei programmierbar. Technische Systeme müssen auf Unfallvermeidung ausgelegt werden.“