1. Wirtschaft

Aachen: Bei Grünenthal hängt der Haussegen schief

Aachen : Bei Grünenthal hängt der Haussegen schief

Die Stimmung war gedrückt am Montag bei den Beschäftigten des Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal, auch wenn es nicht zu so vielen Entlassungen kommen wird, wie ursprünglich geplant. Betriebsrat und Geschäftsführung gaben am Montag bei einer Betriebsversammlung die Details zu dem am Freitag beschlossenen Kompromiss bekannt.

Danach werden an den deutschen Standorten in Stolberg und Aachen insgesamt 180 Stellen abgebaut. Ursprünglich geplant waren 270 Entlassungen. 141 Mitarbeitern werden entlassen und sollen bis 2013 in eine Transfergesellschaft wechseln, um dort „durch individuelle Beratungsangebote und Berufsqualifizierungsmaßnahmen auf zukünftige Tätigkeiten außerhalb des Unternehmens vorbereitet” zu werden, wie Personalchef Heinz-Gerd Suelmann in einer Pressemitteilung erläuterte. Die Betroffenen werden in den nächsten Tagen informiert.

Weitere knapp 40 Stellen sollen durch Altersteilzeitvereinbarungen und das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge abgebaut werden. Der Sozialplan und der Interessenausgleich für die Betroffenen wurden nachgebessert - das Unternehmen nimmt hier durchaus große Summen in die Hand. Das Outsourcing einzelner Abteilungen (Reinigungskräfte, Catering) ist vom Tisch, die Zahl der Auszubildenden wird nicht auf 23 pro Jahr reduziert, sondern auf 30 festgesetzt. Und: Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen vor dem 1. Januar 2015 geben.

Suelmann und Vorstandschef Harald F. Stock erläuterten noch einmal die Notwendigkeiten der Maßnahmen - und handelten sich nach Angaben von Anwesenden Pfiffe ein. Betriebsratschef Karl-Josef Matthias verstärkte den Angaben zufolge noch einmal seine Kritik an der Konzentration der Konzernleitung auf die Sparte Schmerzmittel. Diese Kritik werden gestützt von einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Das Unternehmen habe bis heute nicht erklären können, wie die zukünftige Arbeit mit weniger Beschäftigen funktionieren solle. Es könne nicht sein, dass der Personalabbau zu Lasten der verbleibenden Mitarbeiter gehe.

Matthias nahm noch einmal Bezug auf den Brief an die Gesellschafter, in der der Betriebsrat seine Skepsis über die Unternehmensstrategie zum Ausdruck gebracht hatte. Der Beiratsvorsitzende Hasso Kaempfe habe erklärt, die Mehrheit der Gesellschafter stehe hinter den Plänen der Unternehmensleitung. Er, Matthias, wisse allerdings, dass die ehemaligen geschäftsführenden Gesellschafter von Grünenthal (Michael und Sebastian Wirtz) nicht in allen Punkten die Vorgehensweise der Geschäftsführung stützten. Tatsächlich scheint es unter den 19 Gesellschaftern unterschiedliche Interessen zu geben.

Stock erntete nach Angaben von Anwesenden Pfiffe, als er davon sprach, seinen Ende 2011 auslaufenden Vertrag vorzeitig verlängern zu wollen. Und er musste sich durchaus unangenehmen Fragen nach Bonizahlungen für den dreiköpfigen Grünenthal-Vorstand stellen. Angeblich sollen sechs Millionen Euro fließen, hieß es aus der Belegschaft. Stocks Antwort, dazu könne er keine Stellung nehmen, stellte die Mitarbeiter natürlich nicht zufrieden.