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Aachen: Bausachverständigentage: Wärmedämmung steht im Mittelpunkt

Aachen : Bausachverständigentage: Wärmedämmung steht im Mittelpunkt

An den 18,8 Millionen Gebäuden in Deutschland sind 65 Prozent der Fassaden noch ungedämmt und 20 Prozent der Dächer noch nicht auf dem Stand der Technik. Die Zahlen wurden im Vorfeld der Aachener Bausachverständigentage genannt, die am Montag und Dienstag zum 41. Mal im Eurogress in Aachen vom Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBAU) ausgerichtet werden.

Mit mehr als 1200 Teilnehmern aus allen Bereichen des Bausektors gilt diese Fachtagung als die größte und wichtigste Veranstaltung dieser Art in Deutschland. Eines der Hauptthemen ist in diesem Jahr wieder einmal die Wärmedämmung. Dabei spielt die expandierte Polystyroldämmplatte, besser bekannt als Styropor, eine entscheidende Rolle. Styropor hat nach Angaben von Matthias Zöller, Gesellschafter der AIBAU, in Deutschland einen Marktanteil von rund 85 Prozent.

Dennoch ist Styropor in die Schlagzeilen geraten. Die Kritiker werfen diesem Wärmedämm-Verbundsystem deutliche Mängel vor und halten es sogar für gefährlich. Darüber dürfte in Aachen ausführlich diskutiert werden.

Rat vom Experten

Für Matthias Zöller steht fest, dass nach Abwägung aller Vor- und Nachteile der Einsatz von Styropor weiter zu empfehlen ist. Dabei warnt er vor dem vorbeugenden Einsatz von Giften auf dem Dämmstoff, um den Algenbefall zu verhindern. Auch solle der Dämmstoff nicht auf stark gegliederten Gebäudeformen eingesetzt werden. Zudem rät Zöller: Jeder Wärmeschutzmaßnahme solle generell eine Effizienzberechnung vorausgehen, wobei bei Aktionen im Bestand der tatsächlich vorhandene Verbrauch mit dem rechnerischen Bedarf abzugleichen sei. Damit lasse sich die Gefahr von Enttäuschungen minimieren.

Die Aachener Fachtagung, die 1975 im Umfeld der Technischen Hochschule, aber losgelöst von ihr, entstand, gilt heute bundesweits als ein „Muss“ für alle Bausachverständige und Angehörige der Baubranche. Nach dem Tod des Mitbegründers Rainer Oswald im vergangenen Jahr hat sein Sohn Martin zusammen mit Matthias Zöller die Leitung des Instituts AIBAU übernommen und will die Tagungstradition fortsetzen.

Die Struktur der angemeldeten Teilnehmer spiegelt nach Ansicht von Martin Oswald auch die Veränderung in der deutschen Baubranche wider. Auf der Teilnehmerliste erscheinen inzwischen ein Fünftel Frauen.

(Kö)