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Brüssel: Banken-Party in der Finanzkrise

Brüssel : Banken-Party in der Finanzkrise

Es gibt Kaviar, frischen Hummer, der gerade aus Kanada eingeflogen wurde, Pasta mit Trüffeln und natürlich einen Champagner der Marke Krug zum Aperitif. Der Weinkeller des Restaurants, wo getafelt wird, zählt 250.000 Flaschen und ist einer der größten und besten in der Welt.

Hier kann der Gast bestellen, was er möchte, zu Preisen die für ihn keine Rolle spielen. Denn er zahlt schließlich nicht selbst. Das macht die Bank, für die er arbeitet. Sogar ein Margaux aus dem Jahr 1929 kann geordert werden. Wenn das nicht ein geschichtsträchtiger Jahrgang ist. Er dürfte zur neuen Ernte des Jahres 2008 bestens passen.

775 Euro fürs Doppelzimmer

Das kleine Drei-Gänge-Menü kostet hier schnell 300 Euro pro Person - ohne Wein. Für die Nacht werden - ja nach Zimmerwahl bescheidene 775 Euro fürs Doppelzimmer oder 3495 Euro oder mehr für eine Suite berechnet. Ohne Frühstück. Das kostet nochmal 35 Euro pro Person extra am nächsten Morgen.

Größer, teurer und geräumiger kann man in Monte Carlo nicht buchen und nicht wohnen. Denn das 1864 im Fürstentum Monaco gebaute Hotel de Paris gilt als eine der besten und teuersten Hotel-Adressen überhaupt in der Welt. Es ist anscheinend genau der richtige Platz für Banker, die gerade Milliarden-Pleiten ihrer Finanzinstitute mit zu verantworten haben und die andere an den Rand des Bankrotts brachten.

Hier können sie entspannen. Den Börsencrash mit Kaviar und Bordeaux-Weinen vergessen. Rund 50 Manager der Finanzgruppe Fortis und 200 Manager der belgisch-französischen Finanzgruppe Dexia haben es sich nach Informationen der belgischen Zeitung „De Morgen” in den vergangenen Tagen hier im Hotel De Paris im Fürstentum Monaco so richtig gut gehen lassen. Sie haben geprasst, während die Anleger in aller Welt litten.

Getafelt wurde im Dreisterne-Restaurant des Hotel de Paris „Louis XV” von Meisterkoch Alain Ducasse oder im Salle Empire, wo Ducasse-Kollege Franck Cerutti kocht.

Die exakten Kosten der Fortis- und Dexia-Manager-Meetings in Monaco sind nicht bekannt. Sie dürften nach vorsichtigen Schätzungen aber um die 400.000 Euro betragen haben.

Denn hier, wo der Krug-Champagner fließt, und der Kaviar vom aussterbenden Stör noch immer löffelweise gegessen werden kann, hier kann der Banker und der Manager er selbst sein. Egal, wie viele Millionen er den Anlegern geraubt hat. Der Manager genießt und schwelgt im Luxus. Er freut sich über seine millionenschwere Abfindung. Er hat sie zwar nicht verdient. Aber er hat sie dennoch erhalten.

Denn auch für Missmanagement wurden in der Vergangenheit („Erfolgs-”)Prämien bezahlt. Oder hohe Abfindungssummen hingeblättert. Goldener Handschlag, nannte man das. So steht das in den meisten Manager-Verträgen, die scheinbar in den Aufsichtsräten einfach abgenickt wurden.

Wozu sind Aufsichtsräte in Aktiengesellschaften eigentlich da?

Während die Finanzmarktkrise sich zur Systemkrise auszuweiten droht, die das gesamte Finanzsystem zusammenbrechen lassen kann, steigt Karl Marx nun aus seinem verstaubten Grab. Der alteÊ Marx aus Trier würde sich jetzt wohl ins Fäustchen lachen, wenn er sehen und erleben könnte, was gerade an den Finanzmärkten geschieht. „Ich hab´s ja immer gesagt”, würde er mit Engels, Lenin und Konsorten tönen: „Alles muss verstaatlicht werden.”

Aber Marx und seine Theorie sind keine Lösung. Die Lösung der Finanzmarktkrise kann nur gelingen, wenn das verloren gegangene Vertrauen an den Märkten und das Vertrauen zwischen den Banken wiederhergestellt werden kann.

Wie? Die Staaten müssen die Kredite, die Banken vergeben, garantieren. So kann das Re-Finanzierungssystem zwischen den Banken wieder in Gang kommen.

Das Bilanzierungssystem nach dem „Fair Value-”Prinzip (Echtwertprinzip) muss zeitweilig ausgesetzt werden. Dann sind keine neuen Abschreibungen und Wertberichtigungen für eine Zeit lang mehr fällig. Das gibt eine Atempause, die das Finanzsystem dringend braucht, um sich zu erholen und verloren gegangenes Vertrauen wieder aufbauen zu können.