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Aachen: Ausbildung: mehr Plätze, weniger Azubis

Aachen : Ausbildung: mehr Plätze, weniger Azubis

Wie ein Mantra wiederholt sich die Warnung vor den Gefahren des demografischen Wandels für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt — so scheint es. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass viele Unternehmen in der Region künftig Probleme bekommen könnten, genug Auszubildende in die Betriebe zu holen.

Gabriele Hilger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, weist deshalb gerne auf den Titel der Jahresbilanz hin: „Heute ausbilden und Fachkräfte sichern.“

Wie hat sich die Ausbildungssituation in der Region entwickelt?

Die Zahl gemeldeter Ausbildungsstellen ist gestiegen, die der Bewerber hingegen leicht gesunken. Im Zeitraum zwischen dem 1. Oktober 2013 und dem 30. September 2014 wurden der Agentur für Arbeit Aachen Düren mit 6260 Stellen 237 mehr als im Vorjahreszeitraum gemeldet. 8710 Jugendliche hatten sich in dieser Zeit für eine betriebliche Ausbildungsstelle interessiert. Das waren 111 und damit 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Hilger: „Das ist aber überhaupt nicht erschreckend, weil im vergangenen Jahr in NRW der doppelte Abiturjahrgang auf den Markt gekommen ist.“ Das habe eine hohe Zahl an Lehrstellen-Bewerbern auf den Markt gebracht, der sich in diesem Jahr auf normalem Niveau einpendele. Unterschiede zeigen sich zwischen Städteregion und den Kreisen Düren und Heinsberg. Während in ersterer 270 Ausbildungsstellen mehr gemeldet wurden (+ 9 Prozent), waren es im Kreis Heinsberg nur 30 (+ 2,2 Prozent). In Düren ging die Zahl sogar um 63 Stellen zurück (- 3,8 Prozent).

Welche Chancen gibt es, einen Ausbildungsplatz zu ergattern?

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich zugunsten von Bewerbern verschoben. Im Agenturbezirk Aachen-Düren kommen auf einen Bewerber im Schnitt 0,72 Ausbildungsstellen, 0,68 waren es im Jahr vorher. Spitzenreiter ist Aachen, wo auf 100 Ausbildungsstellen durchschnittlich nur 68 Bewerbungen eingehen. Im Vorjahr waren es mit 76 Schlusslicht ist Alsdorf, für einen Bewerber gibt es im Schnitt nur 0,4 Stellen.

In welchen Branchen gibt es genug, wo mangelt es an Azubis?

Geht es um den Verkauf von Lebensmitteln, haben interessierte junge Menschen fast die freie Auswahl: Auf 69 Bewerber kommen 255 Stellen, im Schnitt also 3,7 Stellen pro Bewerber. Ähnlich sieht es in der Informatik und Softwareentwickling aus. Rund drei Stellen kommen hier auf einen Bewerber. In der Mediengestaltung sieht es dagegen ganz anders aus. 111 Bewerber konkurrieren um 29 Stellen, auf eine kommen also fast vier Bewerber. Noch schlechter stehen die Chancen in der Veranstaltungs-, Kamera- und Tontechnik: 60 Interessenten, nur acht Plätze. Wer in diesem Metier eine Stelle zu besetzen hat, kann im Schnitt also aus mehr als sieben Bewerbern auswählen.

Wie wirkt sich der demografische Wandel aus?

Die Zahl der Beschäftigten im Bezirk der Agentur Aachen-Düren ist seit 2007 kontinuierlich gestiegen, von gut 285.000 auf gut 313.000 Beschäftigten Ende 2013. Die Zahl der Azubis aber steigt nicht. In vielen handwerklichen oder kaufmännischen Berufen kommen zu wenig Kräfte nach. Die Lage wird sich in den kommenden Jahren verschärfen, weil 31 Prozent der Beschäftigten älter als 50, 17 Prozent sogar älter als 55 Jahre sind. Wenn sie das Rentenalter erreicht haben, wird sich eine große Lücke auftun, so die Befürchtungen. Das legt auch der Schülerrückgang nahe: Im Bezirk der Agentur Aachen-Düren wird die Zahl der Schüler im Zeitraum von 2009 bis 2019 voraussichtlich von 122.977 auf 97.677 abnehmen, ein Rückgang von mehr als 20 Prozent.