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Aachen: Aus Zentis-Marmelade wird „Landliebe”

Aachen : Aus Zentis-Marmelade wird „Landliebe”

Der Aachener Marmeladenhersteller Zentis hat mit „Landliebe”
angebandelt: Nach einer neu abgeschlossenen Lizenzvereinbarung bringt Zentis seinen Brotaufstrich nun auch unter der Campina-Marke „Landliebe” auf den Frühstückstisch.

Mit dem „Top- Premium-Produkt” will Zentis nach Angaben von Montag vor allem Hausfrauen gewinnen, die auf selbstgekochte Marmeladen schwören. Pro Haushalt und Jahr streichen die Deutschen drei Kilogramm
Marmelade aufs Brot. Nur die Hälfte kommt aus der industriellen Fertigung.
Die Hausfrau gilt als schärfste Konkurrenz der Branche.

Zentis, nach Schwartau die Nummer 2 auf dem Markt, versucht schon länger, sie mit Qualität vom süßen Kochtopf wegzulocken. Doch mit dem Imagevorteil waren die Hausfrauen schlecht angreifbar: „Selbstgekochte Marmelade” gilt als unschlagbar.

„Wir wollen der Hausfrau sagen: Spar dir die Arbeit und kauf dir das”, gab
Geschäftsführer Karl-Heinz Johnen die Zielrichtung des „Landliebe”-Engagements vor. Das Aachener Unternehmen produziert für „Landliebe” unter der neu gegründeten Obstbauern GmbH.

Bisher wurden rund 50 Prozent der gesamten Produktion unter Zentis
vertrieben, die andere Hälfte unter Hausmarken von Discountern. Seit der Einführung im Oktober 2004 wurden die Erwartungen übertroffen. Mit
zweieinhalb Millionen Gläsern Absatz unter der neuen Marke hatte Zentis für das erste Jahr kalkuliert. In den ersten vier Monaten waren es bereits zwei Millionen Gläser - und das, obwohl die Premium-Marmelade 20 Prozent teurer ist.

In den nächsten drei Jahren will das Familienunternehmen mit „Landliebe” einen Marktanteil von zehn Prozent ansteuern. Der Schritt könnte etwas Bewegung in den weitgehend starren deutschen Markt bringen.

Der Absatz der neuen Marke ist nach Angaben des Zentis-Chefs bisher
nicht auf Kosten der anderen Marmeladen aus der Aachener Produktion gegangen. Welche Kundengruppe das Unternehmen dazugewonnen hat und ob darunter tatsächlich auch Hausfrauen sind, sei noch nicht absehbar.

Zentis wächst verhalten im Marmeladengeschäft und wesentlich stärker im
Kerngeschäft bei Fruchtzubereitungen. Der Gesamtumsatz stieg im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 580 Millionen Euro. Zum Ertrag wurden keine Angaben gemacht.

Langfristig könnte auch das internationale Geschäft mit der Marmelade
ins Gewicht fallen. Zur Zeit stellt das Familienunternehmen mit 1300 Mitarbeitern die Weichen in den asiatischen Raum, zunächst hauptsächlich für das Geschäft mit Fruchtzubereitungen. Danach soll auch das Handelsgeschäft mit Süßwaren- und Konfitürenartikeln ausgebaut werden.

Mit Umsatzprognosen hält sich Johnen aber zurück: „Erst wollen wir mal machen, ehe wir weiterreden.”