Sparkasse Aachen: Auf Wachstumskurs in der Niedrigzinsphase

Sparkasse Aachen : Auf Wachstumskurs in der Niedrigzinsphase

Trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase kann die Sparkasse Aachen an die gute Entwicklung der vergangenen Jahre anknüpfen und bleibt auf Wachstumskurs. Eine entsprechend zufriedene Bilanz zog der Vorstandsvorsitzende Norbert Laufs bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz.

„Wir haben ein nahezu ungebremstes Einlagenwachstum auf schon übermäßigem Niveau“, sagte Laufs. Demnach erhöhten sich die Einlagen der Privatkunden im Geschäftsjahr 2019 bisher um 168 Millionen Euro (2,7 Prozent) auf 6,4 Milliarden Euro. Monatlich kommen derzeit fast 30 Millionen Euro hinzu.

Die Einlagen der Privatkunden machen 74 Prozent der gesamten Einlagen aus, die sich um 160 Millionen (1,9 Prozent) auf 8,7 Milliarden Euro erhöhten. Einschließlich des Nettoabsatzes im Wertpapiergeschäft legten die Privatkunden in der ersten Hälfte dieses Jahres bereits 197 Millionen Euro zusätzlich bei der Sparkasse Aachen an. Im Vorjahresvergleich ist das ein Plus von 26 Prozent.

Zu schaffen macht der Sparkasse die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich nach Einschätzung von Laufs auch unter Christine Lagarde, der designierten Nachfolgerin von EZB-Präsident Mario Draghi, fortsetzen dürfte. „Eine Zinswende ist nicht in Sicht“, sagte Laufs. Im Gegenteil könne nicht ausgeschlossen werden, dass Einlagen bei der EZB künftig mit einem noch höheren Negativzins belegt werden. Dann müsse die Sparkasse gegebenenfalls ihre Praxis beim „Verwahrentgelt“ auf den Prüfstand stellen. Bislang müssen nur einzelne Institutionelle und Firmenkundendie „Strafzinsen“ von 0,4 Prozent bei Anlage von Geldern bei der EZB entrichten. Der ganz normale Sparkassen-Kunde sei davon nicht betroffen. „Die Finanzindustrie hat das bislang für Privatkunden abgepuffert“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Christian Burmester. „Das muss irgendwann zum Ende kommen.“ Aktuell sei das aber noch kein Thema.

Auch das Kreditgeschäft der Sparkasse entwickelte sich den Zahlen zufolge weiter sehr positiv. Im ersten Halbjahr wurden mittel- und langfristige Darlehen in Höhe von 919 Millionen Euro zugesagt. Das sind 149 Millionen Euro mehr als Mitte des vergangenen Jahres. Das gesamte Kreditvolumen stieg – nach Saldierung der Darlehenstilgungen von rund 600 Millionen Euro – im laufenden Jahr um 182 Millionen Euro (2,2 Prozent) auf 8,5 Milliarden Euro. „Das ist ein richtig großer Betrag, auf den wir sehr stolz sind“, sagte Burmester. Bis zur Jahresmitte sagte die Sparkasse ihren privaten Kunden bereits Baufinanzierungen in Höhe von 225 Millionen Euro zu. Das ist ein Plus von 9,7 Prozent.

Angesichts der niedrigen Zinsen nimmt die Bedeutung des Wertpapierhandels im Geschäft der Sparkasse Aachen zu. „Wir sehen es als unsere Pflicht an, unseren Kunden mit Hilfe von Wertpapieren den Weg aus der Realzinsfalle aufzuzeigen“, sagte Burmester. Das Anlageverhalten sei in Deutschland allerdings generell konservativ, die deutsche „Wertpapierkultur“ im europäischen Vergleich „unterentwickelt“. Dennoch interessierten sich die Kunden zunehmend für Wertpapieranlagen. Der Wertpapierumsatz der Sparkassen-Kunden betrug im ersten Halbjahr 425 Millionen Euro.

In diesem Zusammenhang räumt die Sparkasse der Kundenberatung besondere Bedeutung ein. Laufs kündigte an, dass die Beratungszeiten bereits ab dieser Woche deutlich ausgeweitet werden, die Berater vereinbaren in allen Filialen montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr Termine – „dann, wenn der Kunde Zeit hat“. Gleichzeitig werden die Servicezeiten vor allem in kleineren Filialen eingeschränkt. Das bedeutet, dass die Sparkasse künftig mehr terminbasierte Einzelgespräche anbieten und dafür die Präsenz am Schalter einschränken möchte.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet die Sparkasse Aachen ein Betriebsergebnis von 0,94 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme. Das ist zwar etwas niedriger als im vergangenen Jahr mit 1,12 Prozent, die Differenz sei aber dem weiter sinkenden Zinsüberschuss geschuldet, wie Laufs erläuterte. Die prognostizierte Cost-/Income-Ratio von 60 Prozent zeuge allerdings unverändert von der Effizienz der Sparkasse.

Zum 30. Juni hatte die Sparkasse 1784 Beschäftigte. Sie sucht allerdings auch neue Mitarbeiter – sowohl ausgebildete Kaufleute, als auch Quereinsteiger. Zwar müsse die Sparkasse insgesamt mit weniger Mitarbeitern auskommen, erläuterte Laufs. Aber die Fluktuation sei etwa durch Verrentung hoch und Ausfälle müssten ausgeglichen werden. In diesem Zusammenhang betonte er: „Für unsere Auszubildenden gibt es derzeit allerbeste Chancen, übernommen zu werden.“

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