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Würselen/Hannover: Auf der Cebit wird das Netzwerk gepflegt

Würselen/Hannover : Auf der Cebit wird das Netzwerk gepflegt

Es war ein Testballon, den die Würselener Netzwerkspezialisten der Lancom Systems GmbH im letzten Jahr in Hannover haben steigen lassen. Nun könnte die Technologie zum Höhenflug ansetzen. Auf der Cebit 2014 stellte das Unternehmen seine Wireless-E-Paper-Technologie vor — in Form von Schildern, die die eigenen Produkte auszeichneten.

Solche digitalen Preisschilder gibt es bereits in großen Warenhäusern. Doch noch basieren sie auf LCD-Technik, die einen hohen Batterieverschleiß mit sich führt.

Die E-Paper-Technologie, die von einem Lancom-Access-Point (Basisstation, die Kommunikationsgeräte kabellos verbindet) aus gesteuert wird, lässt eine normale Batterie dagegen fünf bis sieben Jahre arbeiten. Das Interesse sei seit der letzten Cebit sehr groß, berichtet Ralf Koenzen, geschäftsführender Gesellschaft von Lancom Systems. Firmen könnten damit ihre (Besprechungs-)Räume mit der aktuellen Belegung auszeichnen, der Handel seine Produkte mit wechselnden Preisen, OP- oder auch Gerichtssäle würden ihre aktuelle Belegung deutlich machen. Vieles ist denkbar. Wenn die Cebit am 16. März in Hannover startet, dann ist Lancom Systems wieder vor Ort — diesmal mit dem fertigen Produkt.

Die Cebit mag nicht mehr ihrem Anspruch als Leitmesse der Computerindustrie genügen, sie mag mit 210.000 Fachbesuchern zufrieden sein, auch wenn sich einst 800.000 Menschen durch die Messehallen drängten — für Ralf Koenzen ist und bleibt die Messe ein Muss. „Wir sind absolute Cebit-Anhänger“, sagt er.

Das liegt in erster Linie am Vertriebsmodell des Würselener Unternehmens, das im Stammhaus entwickelt und in Süddeutschland fertigen lässt. Lancom Systems liefert seine Rooter und Wireless-Lan-Access-Points an Großhändler, die wiederum Fachhändler beliefern, die Einzelhandelsketten, Ärztehäuser, Anwaltskanzleien und andere Gewerbebetriebe ausrüsten. Der Kontakt zum (End-)Kunden muss also zumindest indirekt genannt werden. „Wir brauchen diese Messe, um den Kontakt zu halten. Geschäfte werden immer noch zwischen Menschen gemacht“, erklärt Koenzen.

So digital die Welt sein mag, in der sich Lancom Systems bewegt, es geht nicht ohne persönliche Gespräche bei einer Tasse Kaffee. 600 Kontakte zu neuen Kunden oder für neue Projekte werden binnen fünf Messetagen in der Regel gezählt. 50 Mitarbeiter sind in Hannover vor Ort, 140 Quadratmeter Stand werden aufgebaut. Und es wäre 2015 nicht das erste Mal, dass Koenzen mit einer guten Idee nach Hause geht.

Lancom Systems hatte ein gutes Jahr 2014. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2014 um ein Viertel (24 Prozent) auf 43 Millionen Euro steigern. Seit der Gründung 2002 ist das Unternehmen durchschnittlich um 15 Prozent im Jahr gewachsen, 40 neue Mitarbeiter wurden 2014 eingestellt, seit Jahresbeginn sind 23 weitere hinzugekommen.

217 sind es insgesamt. Im letzten Jahr wurden bereits 600 Quadratmeter Fläche zusätzlich angemietet, Mitte des Jahres ist die nächste Erweiterung an der Adenauerstraße in Würselen angedacht. Stabile Geschäfte machen dies laut Koenzen möglich, die anstehende Umstellung von 16 Millionen ISDN-Anschlüssen (auf IP-Technologie) in Deutschland mag einen weiteren Schub geben.

Mit Sicherheit punkten

Es gilt die Alleinstellungsmerkmale gegenüber den Mitbewerbern in Nordamerika und Asien — auf dem einst boomenden deutschen Markt ist außer der Berliner AVM, wie auf das Privatkundengeschäft setzt, nicht mehr viel los — noch klarer herauszuarbeiten. Insbesondere in Sachen Sicherheit kann das Würselener Unternehmen punkten. Im Testbereich werden alle denkbaren Störungen simuliert, auch Angriffstests gestartet. 363.665 Testdurchläufe wurden 2014 gestartet. Alles muss laufen — sicher, stabil. Und genau das ist das große Thema in der Branche!

Unsicherheit begleitet jede Investition in Router und Netzwerke, seit Edward Snowden die Machenschaften der Geheimdienste enthüllte. IT-Sicherheit ist seitdem auch ein politisches Thema, noch immer sucht auch Deutschland nach dem richtigen Maß für verbindliche Regeln. „Wir brauchen die richtige Mischung aus Schutz der Unternehmen und Schutz der Privatsphäre“, meint Ralf Koenzen. Das Problem: Es wird nicht nur eine politische, es wird an dieser Stelle immer auch eine hoch emotionale Diskussion um Bürgerrechte geführt.

Es ist also kein Wunder, dass auch in diesem Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Cebit spricht. Im letzten Jahr hatte sie sich bei Lancom Systems über deren hochsichere Router informiert, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert wurden und auch im Umfeld des Kanzleramts eingesetzt werden, wie Koenzen berichtet. Wo und wie ist natürlich geheim. Zur Sicherheit.