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Alte ELSA: Staatsanwalt ermittelt weiter

Alte ELSA: Staatsanwalt ermittelt weiter

Aachen (an-o) - Die "Neue ELSA GmbH" ist wieder einmal in Schieflage geraten. Um die Vorgängerin, die ELSA AG, kümmert sich derweil die Staatsanwaltschaft. Oberstaatsanwalt Robert Deller bestätigte am Donnerstag auf Anfrage von an-online: "Bei der Staatsanwaltschaft Aachen läuft noch ein Ermittlungsverfahren gegen die alten Verantwortlichen der Firma ELSA."

Im Visier: Die beiden ehemaligen Geschäftsführer des Computergrafik- und Datenkommunikations-Spezialisten, Firmengründer Theo Beisch und sein Vetter Josef-Theo Beisch.

Deren Unternehmen, die alte ELSA AG, einstiger Stern am neuen Markt, ausgezeichnet mit dem Aachener Technologiepreis (1996) und langjähriger Co-Sponsor des Aachener Kultursommers, hatte Anfang Mai 2002 den Betrieb überschuldet einstellen müssen. Josef-Theo Beisch war bereits Anfang März von seinen Aufgaben als ELSA-Chef entbunden worden.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, betonte Oberstaatsanwalt Robert Deller, seien jedoch zunächst ein routinemäßiger Vorgang. Nachdem der Geschäftsführer eines Unternehmens beim Gericht Insolvenzantrag gestellt hat, geht von dort eine Mitteilung an die Staatsanwaltschaft. Die fordert dann die Akte an und überprüft, ob auf dem Weg in die Krise alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Hintergrund dieses Ermittlungsverfahrens ist der Paragraph 283 des Strafgesetzbuches, Stichwort "Bankrott".
Danach begeht u.a. eine so genannte "Insolvenzstraftat", wer "bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit Bestandteile seines Vermögens, die im Falle der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zur Insolvenzmasse gehören, beiseite schaft". Umgangssprachlich: Wer noch schnell seine Schäfchen ins Trockene schafft, bevor die Gläubiger auf der Matte stehen.

Strafbar handelt auch, wer in einer solchen Situation die Geschäftsbücher so "frisiert", dass die wahre wirtschaftliche Situation des Unternehmens nicht gleich erkennbar ist oder diese Unterlagen beiseite schafft bzw. vernichtet.
Ärger bekommt auch, wer in solch einer Situation noch Waren auf Kredit einkauft und/oder sie bzw. mithilfe dieser Waren hergestellte Sachen unter ihrem Wert verramscht.

Aus der Tatsache, dass sich die Ermittlungen schon geraume Zeit hinziehen, könne man allerdings keine Rückschlüsse auf den Ausgang des Verfahrens ziehen, sagte Deller. "Das kann sehr lange dauern."

Denn der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Experte muss sich durch die alten ELSA-Geschäftsbücher arbeiten, um festzustellen, ab wann die Firma zahlungsunfähig oder überschuldet war. Danach hätte die Firmenleitung innerhalb von drei Wochen Insolvenzantrag stellen müssen.
So lange man dieses Datum nicht kenne, so Robert Deller, sei der Ausgang der Angelegenheit völlig offen.