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Unsere Telefonaktion: Alles über Fonds – was Sparer beachten sollten

Unsere Telefonaktion : Alles über Fonds – was Sparer beachten sollten

Die Finanzmärkte fahren Achterbahn. Die Zinsflaute frustriert Sparer. Sind Fonds eine Alternative zu Sparkonten? Eignet sich Fondssparen für jeden? Bei einer Telefonaktion haben David Krahnenfeld, André Krüger und Wolfgang Raab vom deutschen Fondsverband BVI Fragen unserer Leser zu Fonds und Geldanlagen beantwortet.

Ich bin 77 Jahre und erhalte 200.000 Euro aus einem Hausverkauf. Auf 150.000 Euro kann ich verzichten und möchte die Summe auf fünf bis zehn Jahre anlegen. Zu welchen Fonds würden Sie mir raten?

Ich würde breit streuen, nicht einseitig anlegen: Einen Teilbetrag in offene Immobilienfonds – wobei man hier eine zweijährige Mindesthaltefrist und eine Kündigungsfrist von einem Jahr berücksichtigen muss, falls die Fondsanteile vorzeitig veräußert werden sollen. Weitere Teilbeträge in Aktien- und Mischfonds, je nach Risikobereitschaft. Einzelheiten sollten Sie mit Ihrem Berater besprechen, der Ihnen auch bei der konkreten Fondsauswahl helfen kann.

Das Geld aus einer fälligen Lebensversicherung liegt auf einem Tagesgeldkonto. Was tun damit?

Für den Teil des Geldes, den Sie langfristig investieren können, kommt ein gemischter Fonds in Betracht, je nach Risikobereitschaft mit einem kleineren oder größeren Aktienanteil. Je höher der Aktienanteil, desto größer sind die Renditechancen, desto stärker aber auch die Schwankungen, mit denen man rechnen muss.

Unser Sohn, 42 Jahre, bekommt 20.000 Euro geschenkt; er verdient gut und will ETFs dafür kaufen. Was meinen Sie?

Ja, warum nicht. Mit Aktienfonds und Aktien-ETFs lassen sich langfristig attraktive Renditen erzielen. Ich würde auf weltweite Aktien setzen. Es gibt auch nachhaltige ETFs, wenn Ihr Sohn darauf Wert legt.

Ich bin 96 Jahre alt, habe über 150.000 Euro auf dem Sparbuch, und möchte damit was für meine Kinder machen. Mit Fonds?

Wenn Sie Renditechancen für Ihre Kinder nutzen wollen, bieten sich Aktienfonds an, vielleicht auch ein nachhaltiger Aktienfonds. Wenn Sie weniger Schwankungen möchten, könnte ein Mischfonds mit geringerem Aktienanteil interessant sein.

Experten haben die Fragen beantwortet: David Krahnenfeld Foto: David Krahnenfeld

Lohnt es sich (31 Jahre), regelmäßig monatlich 100 Euro in Fonds anzulegen, als Vorsorge fürs Alter?

Auf jeden Fall. Denn durch regelmäßiges Sparen mit Fonds können Sie langfristig ein beachtliches Vermögen aufbauen. In den vergangenen 35 Jahren wären zum Beispiel aus monatlich in Aktienfonds global angelegten 100 Euro – insgesamt also in 35 Jahren eingezahlten 42.000 Euro – bis heute im Schnitt über 130.000 Euro geworden; eine durchschnittliche Rendite von etwa sechs Prozent im Jahr.

Kann man bei Fondssparplänen die monatliche Sparsumme verändern?

Ja, Fondssparpläne sind sehr flexibel für den Sparer. Sie können nicht nur den monatlichen Sparbetrag nach Belieben erhöhen, senken oder auch aussetzen. Sparer können auch über das angelegte Fondsvermögen jederzeit frei verfügen und müssen sich nicht auf eine feste Laufzeit des Sparplans festlegen.

Sollen wir einen Aktienfondssparplan mit deutschen Aktien trotz der aktuellen Krise weiterführen?

Wenn sich Ihre Anlageziele nicht geändert haben und Sie langfristig sparen wollen, gibt es kaum bessere Alternativen. In Krisenzeiten, bei gesunkenen Aktienkursen, erhalten Sie mehr Fondsanteile für Ihre Sparrate – Sie kaufen also günstiger ein. Durchhaltevermögen zahlt sich auf Dauer aus.

Seit Anfang März habe ich mehrere Tausend Euro in meinem Aktienfonds verloren. Soll ich jetzt verkaufen?

Durch Corona hatten wir einen dramatischen Kurseinbruch, der inzwischen wieder teilweise aufgeholt wurde. Wenn Sie jetzt verkaufen, werden aus den Kursrückgängen, die auf dem Papier stehen, reale Verluste. Wenn Sie das Geld nicht unbedingt benötigen, sollten Sie die Fondsanteile behalten. Denn trotz der Kursschwankungen an den Börsen bieten Aktienfonds auf lange Sicht die besten Renditechancen. Sie benötigen aber Geduld. Aktienfonds sind keine Kurzfristanlage!

Experten haben die Fragen beantwortet: André Krüger Foto: André Krüger/CHRISTOF MATTES

Welchen Anlagehorizont muss man für Aktienfonds haben?

Möglichst langfristig. Mindestens fünf, besser zehn Jahre und länger. Je längerfristiger, desto geringer wird das Schwankungsrisiko.

Was heißt ETF? Lohnt sich es sich in ETF anzulegen?

ETF steht für Exchange Traded Fonds. Das sind an der Börse gehandelte Fonds, die einen Börsenindex wie z.B. den DAX nachbilden. Ein ETF entwickelt sich daher genau wie der entsprechende Index. Das Fondsmanagement muss sich also keine Gedanken um die Auswahl der Aktien machen, in die es sich lohnt zu investieren. Die Kosten sind demzufolge bei ETFs auch niedriger als bei einem aktiven Fondsmanagement. Anleger sollten jedoch bedenken: Ein ETF kann nicht schlechter, aber eben auch nicht besser abschneiden als der Index. Gute Fondsmanager können den Index dagegen durchaus übertreffen.

Immobilienfonds oder Aktienfonds, was ist besser?

Die richtige Mischung macht´s. Aktienfonds haben langfristig die höheren Renditechancen, schwanken aber auch stärker als offene Immobilienfonds. Für eine breit gestreute Vermögensaufteilung sollte man sowohl Aktien als auch Immobilien berücksichtigen. Beides sind Sachwerte, die Renditen ermöglichen, die über der Inflationsrate liegen.

Experten haben die Fragen beantwortet: Wolfgang Raab Foto: Wolfgang Raab

Aus einer Erbschaft habe ich 80.000 Euro. Wie soll ich anlegen, wenn das Geld Ende 2021 verfügbar sein soll?

Geld, das Ende 2021 benötigt wird, gehört bis dahin auf ein Spar-, Festgeld- oder Tagesgeldkonto. Für eine breit gestreute Fondsanlage, zum Beispiel Mischfonds, sollte der Anlagehorizont wenigstens fünf Jahre betragen.

Ich bin 67 Jahre alt, Rentner; zu alt für Aktienfonds?

Nein, für Aktienfonds ist man grundsätzlich nie zu alt. Entscheidend sind Ihre Anlageziele. Wenn Sie Wertschwankungen ertragen können und Renditechancen nutzen wollen, könnten zum Beispiel Dividendenfonds für einen Teil Ihres Geldes interessant sein. Diese besonderen Aktienfonds schütten in der Regel bis zu drei Prozent jährlich aus; ein schönes Zubrot für den Ruhestand.

Ich möchte einen größeren Betrag in Aktienfonds anlegen. Doch ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Oder lieber abwarten auf günstigere Kurse?

Die künftige Kursentwicklung lässt sich nicht vorhersehen. Niemand weiß, wann der Tiefpunkt erreicht und damit der günstigste Zeitpunkt für einen Einstieg ist. Daher unser Tipp: Legen Sie den Betrag nicht in einer Summe an, sondern in mehreren Teilbeträgen zeitlich versetzt über ein oder zwei Jahre hinweg. So vermeiden Sie es, den falschen Einstiegszeitpunkt zu erwischen, und investieren stattdessen mal zu höheren, mal zu niedrigeren Kursen.

(red)