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Düsseldorf: Aldi verkauft schlechte Nachrichten: Lebensmittel werden teurer

Düsseldorf : Aldi verkauft schlechte Nachrichten: Lebensmittel werden teurer

Die Verbraucher in Deutschland müssen sich auf weitere Preissteigerungen bei Lebensmitteln einstellen. Ausgerechnet Discountkönig Aldi verbreitet als erster Handelsriese die schlechte Nachricht an die Verbraucher.

In einer Zeitungsanzeige wies Aldi Süd bereits am vergangenen Wochenende auf starke Preissteigerungen an den Beschaffungsmärkten für Lebensmittel und Energie hin. Deshalb müssten „bei den betroffenen Artikel” Preiserhöhungen vorgenommen werden - wenn es unvermeidlich ist. Wann wieviele Waren um welchen Prozentsatzteurer werden, nannte Aldi Süd bislang aber nicht. Der Branchenverband HDE beteuert, dass die Handelsunternehmen in den anstehenden Verhandlungen mit der Industrie hart ringen werden.

Aldi hat mit der überraschenden Ankündigung wieder einmal der Konkurrenz gezeigt, wie heiße Themen in die Hand genommen werden können. Bereits vor der Einführung des Euro-Bargeldes und zur Anhebung der Mehrwertsteuer war Aldi erfolgreich vorgeprescht, wenngleich es damals um Preisstabilität ging. „Aldi ist in seinem Ansehen eine Art Verbraucherministerium, eine Institution, die offensiv auch mal schlechte Nachrichten verkauft”, meint Marketing-Experte Bernd M. Michael.

Durch Preiserhöhungen in einer ganzen Reihe von Branchen sei eine Sondersituation entstanden, schildert der Ex- Europa-Chef der Werbeagentur Grey. Aldis Image, Preisbrecher zu sein, wird nach seiner Einschätzung nicht Schaden nehmen.

Discount-Analyst Matthias Queck vom Marktforschungsunternehmen Planet Retail geht davon aus, dass andere Handelsunternehmen die Preiserhöhungen von Aldi nachvollziehen werden. „Alle halten sich sklavisch an die Aldi-Preise. Das war schon immer so”, erklärt er. Die Handelsketten richteten ihr unteres Preissegment an Aldi aus.

Wolfgang Twardawa, Markteingleiter des Marktforschungsunternehmens GfK, sieht für andere Handelsunternehmen die Chance, sich in dieser Situation als Preisbrecher zu positionieren. „Versucht der eine oder andere, sich in Schlüssel-Warengruppen zu profilieren?” Gerade im deutschen Einzelhandel sei die Konkurrenz groß. So manche Erhöhung habe sich in der Vergangenheit nicht auf Dauer halten können.

Im Preiseinstiegsbereich gehe es traditionell nicht um Erhöhungen von 1, 2 oder 3 Cent, sondern um deutlich mehr. „Es ist nicht allein die Frage, wie hoch muss ich wegen der Kosten anheben”, erklärt der GfK-Experte Twardawa. Auch die Preisschwellen spielten eine wichtige Rolle, wie zuletzt die Mehrwertsteuererhöhung gezeigt habe.

„Der Verbraucher denkt in Preisschwellen.” Von 0,99 Euro auf 1,03 Euro zu erhöhen, werde man im Lebensmittelhandel kaum erleben. Die nächste Preisschwelle sei 1,19 Euro - das wären dann schon 20 Prozent mehr. Im Handel gebe es vor diesem Hintergrund Mischkalkulationen, bei denen einige Artikel stärker und andere weniger stark angehoben würden. Falls es große Preissteigerungen bei Lebensmitteln auf breiter Front geben sollte, könnte das die Gesamtkonsumstimmung eintrüben.

Bei den Preisverhandlungen mit dem Handel hat die Industrie diesmal einen starken Hebel, wie die Preisrunde mit Milchprodukten mit Steigerungen von bis zu 50 Prozent zeigt: Die Nachfrage auf dem Weltmarkt ist groß. Händler haben in einigen Fällen sogar Probleme, gewünschte Waren wie Bio-Produkte zu bekommen. Der Handel gibt sich dennoch kämpferisch. „Preiserhöhungen sind kein Naturgesetz, wie es vielleicht manch ein Bauernvertreter darstellt”, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

Dagegen meint Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie: „Man wird dem Verbraucher sagen müssen, dass sich die Schere zwischen dem Anstieg der allgemeinen Lebenshaltungskosten und dem Anstieg der Kosten für Lebensmittel immer weiter schließen wird.”