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Würselen: Aldi unter „Top Ten” der Ausbilder in der Region

Würselen : Aldi unter „Top Ten” der Ausbilder in der Region

Die Aldi-Gesellschaft Würselen hat sich zu einem der zehn größten Ausbilder in der Region entwickelt. Und nicht nur das.

Die Auszubildenden des Discounters schneiden bei den IHK-Prüfungen außergewöhnlich gut ab: Dieses Jahr stellen sie fast 20 Prozent aller Prüflinge mit der Note „sehr gut”.

Grundlage dafür ist ein hartes Auswahlverfahren und eine zusätz- liche Theorie-Ausbildung neben der Berufsschule.

Ende der 80er Jahren hat Aldi schon einmal Verkäufer/innen und Kaufleute im Einzelhandel ausgebildet. „Das ist Anfang der 90er Jahre eingeschlafen”, erinnert sich Rainer Diehl, Verkaufsleiter der Aldi GmbH Würselen, zu der 48 Filialen von Heinsberg über Düren bis Schleiden gehören.

1997 dann wurden im Rahmen einer „gesamtunternehmerischen Entscheidung” wieder neun Azubis eingestellt.

Inzwischen haben fast alle 48 Filialleiter auf Kosten des Arbeitgebers eine Ausbildereignungsprüfung gemacht. Und mit jetzt 43 Auszubildenden im ersten Lehrjahr ist Aldi Würselen nicht mehr weit von dem Ziel entfernt, in jeder Filiale jedes Jahr einen Azubi einzustellen.

In sechs Jahren von neun auf 43 neue Lehrlinge - das hat in der IHK Aachen Spuren hinterlassen: „Die Aldi GmbH Würselen ist inzwischen unter den Top Ten aller IHK-Ausbildungsbetriebe - und im Einzelhandel der größte Ausbilder”, so Gisbert Kurlfinke von der IHK.

Nicht nur quantitativ, auch qualitativ ist die Bilanz dieser Jahre beachtlich: Die Durchschnittsnote der Verkäufer/innen-Prüflinge von Aldi liegt bei 1,85 über alle sechs Jahre, die bei den Kaufleuten im Einzelhandel bei 2,68.

„Das klingt zwar nicht ganz so gut, aber die Prüfung ist schwerer als bei den Verkäufern und 2,68 liegt immer noch deutlich über dem Kammerdurchschnitt”, betont Diehl.

Dieses Jahr haben 17 von 33 der bei Aldi Ausgebildeten die Verkäufer/innen-Prüfung mit „sehr gut” bestanden.

Da wurde die Ehrung aller 92 sehr guten Prüflinge innerhalb der IHK Aachen fast zur Aldi-Feier: Beinahe jeder Fünfte im Raum kam von diesem Discounter.

Die Grundlage für diesen Erfolg wird bereits bei der Auswahl der Auszubildenden gelegt. Die Schule, von der sie kommen, ist unwichtig („Wir haben auch Hauptschüler”), aber wer nicht mindestens eine drei in Deutsch und Mathe hat, braucht seine Bewerbung gar nicht erst abzugeben.

Die Besten der jährlich 200 bis 300 Bewerber werden zu einem zweistündigen Eingangstest eingeladen, der Allgemeinbildung, wirtschaftliche Kenntnisse, Rechtschreibung, Wortschatz und den Umgang mit Zahlen und Tabellen abfragt.

Wer diese Hürde genommen hat, erhält eine Ausbildung, zu der nicht nur Berufsschule und Praxis gehören, sondern alle zwei Wochen vier Stunden zusätzliche Theorie mit Hans-Walter Nysten, früherer Berufsschullehrer und Personalchef bei Kronenbrot.

Und nur, wer als Verkäufer/in „sehr gut” oder „gut” abschneidet, darf bei Aldi das Lehrjahr bis zur IHK-Prüfung für die Kaufleute im Einzelhandel dranhängen.

„Wir legen hohe Maßstäbe an unsere Mitarbeiter an, die außergewöhnlich gut qualifiziert und motiviert sein müssen. Das gilt auch für unsere Auszubildenden”, fasst Diehl zusammen.

Dafür erhalten sie ein Gehalt, das rund 20 Prozent über dem Einzelhandelstarif liegt. Im ersten Ausbildungsjahr 713 statt 597 Euro pro Monat, im zweiten 818 statt 664 Euro und im dritten 924 statt 760 Euro.

Inzwischen gibt es den ersten Filialleiter in der Aldi GmbH Würselen, der selbst ausgebildet wurde. Übernommen wird aber nicht jeder, auch nicht jeder sehr Gute.

„Die Theorie allein ist nicht alles. Auch Kundenorientierung und Freundlichkeit im Service müssen stimmen”, so Diehl.

Aber er weiß auch: „Die, die wir nicht übernehmen, werden anderswo mit Kusshand genommen.”