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Herzogenrath: Aixtron verliert Großauftrag aus China

Herzogenrath : Aixtron verliert Großauftrag aus China

„Schreckensnachricht“, „absolute Katastrophe“: Die Reaktion der Analysten fiel eindeutig aus. Und die Bilanz am Ende des Tages war ernüchternd: Die Aktien des Herzogenrather Spezialmaschinenbauers Aixtron haben am Donnerstag gegenüber dem Vortag über 40 Prozent ihres Wertes verloren. Am Ende waren im TecDax 4,12 Euro pro Aktie notiert.

Grund dieses dramatischen Kurssturzes war eine Mitteilung, die der Hersteller von Chipanlagen zur Produktion von Leuchtdioden (LED) am späten Mittwochabend veröffentlichen musste: Ein chinesischer Kunde hat seinen Großauftrag zusammengestrichen. Statt 50 sogenannter MOCVD-Anlagen vom Typ AIX R6 nimmt die San‘an Optoelectronics Co. Ltd. nur drei ab, die bereits ausgeliefert wurden.

Keine guten Nachrichten aus China für Aixtron-Vorstandschef Martin Goetzeler.
Keine guten Nachrichten aus China für Aixtron-Vorstandschef Martin Goetzeler. Foto: o.H.

Die „spezifischen Qualifikationsanforderungen des Kunden“ hätten „trotz beiderseitiger Anstrengungen“ nicht erreicht werden können, teilte Aixtron mit. Heißt: Die Chinesen waren nicht überzeugt von den maßgeschneiderten Anlagen. Beide Unternehmen hätten allerdings die „Fortführung der bestehenden Partnerschaft durch die Zusammenarbeit bei künftigen Anlagengenerationen sowie in anderen Anwendungsbereichen“ vereinbart. Was Vertrieb und Weiterentwicklung der AIX R6-Anlagen angeht, legt Aixtron den Fokus nun auf Altkunden.

Der Auftrag von San‘an war Ende September 2014 festgezurrt worden — mit einem Volumen von insgesamt 130 Millionen Dollar der größte, den Aixtron jemals verbuchen konnte. Für den schon länger mit hohen Überkapazitäten in der LED-Branche kämpfenden Spezialmaschinenbauer ist der asiatische Markt sehr wichtig. Ob die Absage des großen Players San‘an nun darauf negative Auswirkungen haben wird, ist nicht abzusehen.

Die Hiobsbotschaft kommt aber nicht nur deshalb zur Unzeit. Aixtron hatte sich zuletzt etwas erholt. Nun rechnet das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 190 Millionen Euro, zuvor lagen die Prognosen bei 190 bis 200 Millionen Euro. Am Ziel, in der zweiten Jahreshälfte die Gewinnschwelle zu erreichen, hält Aixtron fest.

Die Ergebnisse für das laufende Geschäftsjahr werden wie geplant am 23. Februar 2016 bekanntgegeben. Für das kommende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz in ähnlicher Höhe wie 2015, also rund 190 Millionen Euro. Ob das reicht, um operativ schwarze Zahlen zu schreiben?

Um die Kosten in den Griff zu kriegen, hatte Martin Goetzeler, der seit März 2013 an der Spitze des Unternehmens steht, viele Stellen streichen müssen. Derzeit sind bei Aixtron noch gut 750 Mitarbeiter beschäftigt. In besseren Zeiten waren es knapp 1000. Die Auftragsreduzierung von San‘an soll aber keine Auswirkung auf die Arbeitsplätze haben, betonte Aixtron-Sprecher Henning Marburger gegenüber unserer Zeitung.