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Aachen/Herzogenrath: Aixtron: Mit harten Einschnitten zurück zur Spitze

Aachen/Herzogenrath : Aixtron: Mit harten Einschnitten zurück zur Spitze

Passend zum Wetter: Die Geschäftslage beim Herzogenrather Spezialanlagenbauer Aixtron bleibe „weiter eingetrübt“, bekannte der neue Vorstandschef Martin Goetzeler bei seiner Premiere auf der Hauptversammlung am Donnerstag. Noch ist das Ziel nicht erreicht, die im Tec-DAX notierte Aktiengesellschaft in die Erfolgsspur zurückzuführen. Er sprach im Aachener Eurogress von „unausweichlichen, schmerzlichen Einschnitten“ für das Unternehmen als Folge der anhaltenden Absatzflaute.

Goetzeler legte den Aktionären einen Plan vor, mit dem er die Restrukturierung von Aixtron erreichen möchte. Dazu zählt die Reduzierung der Mitarbeiterzahl am Stammsitz von 550 zu Beginn der akuten Krise vor rund drei Monaten auf 400, ein Aderlass von rund 27 Prozent. Über ein „sehr attraktives“ Freiwilligen-Programm seien inzwischen rund 85 Beschäftigte ausgeschieden. Für etwa 25 Kollegen greife ein mit dem Betriebsrat vergangene Woche einvernehmlich vereinbarter Sozialplan.

Demnächst einziger Sitz des Aixtron-Konzerns? Das Forschungs- und Entwicklungszentrum an Kohlscheids Dornkaulstraße könnte auch die Produktionsstätte neben dem Technologie-Park Herzogenrath aufnehmen — und die Bürofiliale im TPH selbst. Diese Konzentration werde geprüft, hieß es gestern.
Demnächst einziger Sitz des Aixtron-Konzerns? Das Forschungs- und Entwicklungszentrum an Kohlscheids Dornkaulstraße könnte auch die Produktionsstätte neben dem Technologie-Park Herzogenrath aufnehmen — und die Bürofiliale im TPH selbst. Diese Konzentration werde geprüft, hieß es gestern. Foto: Berthold Strauch

Goetzeler versicherte, dass der Personalabbau nicht dazu führe, dass Aixtron „an kritischer Substanz verliert“. Vielmehr sei der Konzern nach Abschluss der Maßnahmen „schlagkräftig aufgestellt“. Weltweit baut das Unternehmen insgesamt 20 Prozent seiner Belegschaft ab, von zunächst knapp 990 auf unter 800, wie Aixtron-Sprecher Guido Pickert auf Nachfrage ergänzte.

Die Kürzungen in Herzogenrath könnten dazu führen, dass Aixtron seine Betriebsstätten am neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum an Kohlscheids Dornkaulstraße konzentriert. Damit würden das Produktionsgebäude an der Kaiserstraße, direkt neben dem Technologie-Park Herzogenrath (TPH), und angemietete Büroräume im TPH selbst freigezogen. „Um effizient und enger zusammenzuarbeiten und kurze Wege zu fördern, prüfen wir diese Möglichkeit“, fügte Pickert an. Wann es konkrete Beschlüsse dazu gebe, ließ er offen.

Wie Martin Goetzeler vor den Anteilseignern darlegte, die angesichts eines Verlusts im Vorjahr von 145 Millionen Euro auf eine Dividende verzichten müssen (2012: 25 Cent pro Aktie), will er Aixtron „wieder auf eine Basis stellen, mit der wir so lange Durststrecken wie die jetzige unbeschadet überstehen können“. Wenn die Marktnachfrage erneut anziehe, „werden wir deutlich stärker auf unsere externen Partner bauen, um entsprechend flexibel agieren zu können“ — sprich: die intensivere Einbindung von externen Partnern, die Teile der Produktion übernehmen wie zum Beispiel der Baesweiler Dienstleister Quip AG. Dies sei „unverzichtbar“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Aixtron müsse sich „stärker denn je auf unsere Kernkomptetenz konzentrieren: unsere Kunden durch effiziente Hightech-Anlagen optimal zu unterstützen“. Dies will Goetzeler etwa mit einer Effizienzsteigerung in der Produktentwicklung erreichen. Um wieder nachhaltig profitabel zu sein, will der die Technologieführerschaft in der Deposition komplexer Materialien zurückgewinnen und die Marktführung im Bereich von Anlagen zur Fertigung von LED-Leuchtdioden und Leistungshalbleitern wiedererlangen.

Trotz der Marktprobleme sei Aixtron weiterhin schuldenfrei, versicherte Finanzvorstand Wolfgang Breme, und verfüge über kurzfristige Finanzanlagen von knapp 210 Millionen Euro.

„Immer einen Schritt voraus“

Goetzeler unterstrich, dass „nicht alle Probleme marktbedingt“ seien, sondern Ursachen auch intern lägen, etwa Prozesse und Verantwortlichkeiten. „Diese Hausaufgaben gilt es abzuarbeiten“, wobei jeder Einzelne Verantwortung übernehmen müsse. Als eine der ersten Maßnahmen seines Aufgabenpakets hat Goetzeler technisch erfahrene Manager rekrutiert, die sich vor Ort um die Kunden kümmern und ihm direkt berichten. Betriebsaufwendungen sollen um 20 Prozent zurückgefahren werden, an Projekten wie OLED und Graphen werde festgehalten, skizzierte er den Weg „zurück zu alter Stärke“ — und so dem Wettbewerb „immer einen Schritt voraus“, wie der Werbespruch lautet.