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Aachen: „AGIT ist nicht mehrzeitgemäß”

Aachen : „AGIT ist nicht mehrzeitgemäß”

Das Nachdenken über die Zukunft der in der gesamten Region aktiven „Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer” (AGIT) wird lauter - und konkreter.

Mit Christiane Rennert, haushalts- und finanzpolitische Mitarbeiterin des Landtages, AGIT-Aufsichtsrätin und als Ratsfrau der Grünen im Aachener Wirtschaftsförderungsausschuss, sowie Ruth Crumbach-Trommler, für die FDP im selben Ausschuss, stellvertretende AGIT-Aufsichtsrätin und im Vorstand der Initiative Aachen, beziehen zwei Damen Position, denen Sachkenntnis schwerlich abzusprechen sind.

Und Rennert wird deutlich: „Wir müssen aufhören, um den heißen Brei herumzureden. Denn es geht bei der AGIT nicht nur Leerstände oder strukturelle Anpassung. Die AGIT ist in ihrer Struktur nicht mehr zeitgemäß.”

Rennert sieht einen Teil der Schuld an den Problemen beim AGIT-Aufsichtsrat selber. „Der Aufsichtsrat ist nicht kritikfähig. Es wird dort zu selten ein deutliches Wort gesagt. Nur wer sich selber kritisch beobachtet, hat auch die Kraft, etwas in Bewegung zu bringen. Wir haben keine Zeit mehr! Wir müssen jetzt die Wirtschaftsförderung schnell erheblich effektiver machen. Da kann man sehr viel tun, aber das kostet Geld. Und dieses Geld hat man nur, wenn es nicht mehr in die AGIT fließt. Das heißt: Wir müssen auch darüber nachdenken, die AGIT aufzulösen.”

Am Standort einer der führenden Hochschulen Europas gäbe es eine Ausgründungsquote, die am Ende deutscher Statistiken rangiere. Es müsse organisierter und koordinierter gearbeitet werden. „Aber es gibt einfach zu viele Eitelkeiten in Verbänden, Kommunen und Politik.”

Crumbach-Trommler gesteht der AGIT eine wichtige Funktion in der Gründerregion zu, fragt aber: „Wie effizient ist die Arbeit der AGIT dafür eigentlich?” Die Geschäftsführung erwarte, dass „Zuschüsse wie das Manna” fließen (allein die Stadt Aachen zahlt jährlich rund 400.000 Euro, die Verluste nicht eingerechnet). „An Stelle dessen, der da an der Spitze steht, würde ich mich mit Blick auf die Kommunalfinanzen fragen, ob dieses Geld ständig fließen kann - und deshalb präventiv arbeiten.

Das Gegenteil geschieht, der Zuschussbedarf wird sogar noch ausgeweitet.” So sei beispielsweise der Personalstand deutlich zu hoch im Vergleich zu anderen Dienstleistungsunternehmen in der Wirtschaftsförderung. „Eine Lösung könnte man auch sozial verträglich erarbeiten.” Außerdem: „Es ist unerträglich, dass in Stadt und Kreis Aachen drei Institutionen dieselbe Arbeit tun und auch noch Briefträgerfunktionen übernehmen müssen.”

Es müsse für Investoren in der Städteregion Aachen eine Anlaufstelle geben, „eine Holding, die über den Wirtschaftsfördereinrichtungen steht. Das ist einfacher für alle und effektiver.” Wobei für Crumbach-Trommler völlig egal ist, ob der Chef einer solchen Einrichtung aus Stadt, Kreis oder woanders her komme: „Er muss einfach der Beste sein.” Ein weiterer Aspekt: „Sieht man, wie wenig Gründerfirmen überleben, muss man sich fragen, ob der große Aufwand nur Gründern gelten kann, oder ob man diesen nicht auch bestehenden Firmen zukommen lässt.”

Dem sehr schlechten Vermietungsstand würde sie abhelfen, indem dieses Geschäft von der AGIT weg zu Spezialisten verlagert würde. AGIT-Geschäftsführer Bernd Thomas möchte keine Stellung nehmen: „Wir sind im laufenden Verfahren. Ich habe den Auftrag, meinem Aufsichtsrat im Juni vorzutragen. Das werde ich tun. Ansonsten sehe ich mich in der Verantwortung meinen Gesellschaftern gegenüber.”