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Ostheim/Stralsund: Ärger im Bioland: Bionade bekämpft vermeintliche Nachahmer vor Gericht

Ostheim/Stralsund : Ärger im Bioland: Bionade bekämpft vermeintliche Nachahmer vor Gericht

Produktpiraten werden gemeinhin im Fernen Osten vermutet. Der bayerische Getränkehersteller Bionade wittert die schlimmsten Kopierer jedoch im eigenen Land - und will sich von ihnen keinesfalls den hart erkämpften Erfolg auf dem Getränkemarkt streitig machen lassen.

„Wenn wir angegriffen werden, dann werden wir auch sehr hart zurückschlagen”, sagt Bionade-Geschäftsführer Peter Kowalsky. Dass es den Bayern ernst ist, haben in den vergangenen Monaten gleich mehrere Hersteller erfahren müssen. Immer wieder rief Bionade Gerichte an, um sich vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Justizia schien dabei stets auf ihrer Seite zu stehen - bis sich die Bayern die norddeutsche Nordmanngruppe vornahmen.

Diese brachte in diesem Jahr das Erfrischungsgetränk Bios auf den Markt - und ist damit ein purer „Nachahmer”, wie Bionade schimpft. Mehrfach versuchten die Bayern daher, einstweilige Verfügungen gegen das neue Getränk zu erwirken. So sollten die Norddeutschen unter anderem im März gezwungen werden, einen Messeauftritt abzubrechen.

Im Mai wollte Bionade ihnen verbieten lassen, mit der Bemerkung „ohne Zuckerzusatz” zu werben. Doch beide Male blieb den Süddeutschen der Erfolg verwehrt. Bios hingegen konnte im Juni erreichen, dass Bionade nicht mehr mit seinem Calcium- und Magnesiumgehalt werben darf.

Doch um ein Niederringen des etablierten Konkurrenten geht es Bios eigenem Bekunden nach nicht. Man habe sogar zugestimmt, die einstweilige Verfügung teilweise auszusetzen, um Bionade den Weiterverkauf seiner Flaschen zu ermöglichen, heißt es auf der Internetseite der Nordmanngruppe. Schließlich sei es „Wahnsinn, dass sich ausgerechnet zwei Biohersteller vor Gericht bekriegen”.

Bionade scheint dies anders zu sehen. Nicht nur gegen Bios, auch gegen den Getränkehersteller Sinalco und den Lebensmitteldiscounter Plus zogen die Bayern bereits vor Gericht. Streitpunkt: die Biolimonaden der Beklagten, die nach Ansicht von Bionade das Erscheinungsbild der bayerischen Brausen imitierten, obwohl sie „nur” eine Limonade aus ökologischen Rohstoffen seien, und nicht wie Bionade fermentiert, also nach einem Brauverfahren hergestellt würden.

Und auch gegen unliebsame Tester gibt sich Bionade streitlustig. So erwirkten die Getränkehersteller eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitschrift Öko-Test, die den Zuckergehalt in mehreren Bio-Limonaden untersucht hatte. Das Ergebnis fiel für Bionade ernüchternd aus: Die überprüfte Flasche enthielt deutlich mehr Zucker als auf dem Etikett angegeben. Zu allem Überfluss entdeckten die Tester auch noch Nickel in der untersuchten Bionade.

Dass die Bayern so nervös reagieren, ist nachvollziehbar. Schließlich seien im vergangenen Jahr rund 30 mutmaßliche Nachahmer auf den Markt gekommen, um ähnliche Erfolge wie Bionade einzuheimsen, sagt Kowalsky. Dem Absatz scheint dies jedoch zumindest bislang nicht geschadet zu haben.

Während 2002 noch zwei Millionen Bionade-Flaschen verkauft wurden, waren es im vergangenen Jahr schon zehnmal so viele. Und auch seit der Bios-Markteinführung Anfang des Jahres seien die Umsätze „unverändert positiv”, sagt Kowalsky.

Ob das auch Ende des Jahres noch so ist, bleibt abzuwarten. Ab dem 15. Juli will der Weltkonzern Coca Cola sein „Spirit of Georgia”, ein eigens für den deutschen Markt entwickeltes Erfrischungsgetränk, an den Kunden bringen. Auch wenn die Amerikaner auf eine Biozertifizierung verzichten, lassen einen die ausgefallenen Geschmacksrichtungen Blutorange/Kaktusfeige, Zitrone/Wacholderbeere und Mango/Kiwi an Bionade denken.

Konkurrent Nordmann glaubt trotzdem an den weiteren Erfolg von Bionade. „Das ist ein gutes Produkt, die brauchen keine Angst zu haben”, sagt Unternehmenssprecher Lars Gräning. Offenbar auch nicht vor Bios: „Wir haben eine ganz andere Zielgruppe, denn wir verkaufen kein Lifestyle- sondern ein Gesundheitsgetränk.”