Aachener Stromhändler Trianel wird 20 Jahre alt

Stadtwerkeverbund feiert : Trianel steht seit 20 Jahren unter Strom

Am Anfang waren es vier. Stawag, Aseag, die Niederrheinwerke in Viersen und die niederländische Nutsbedrijven Maastricht hoben den Vorgänger der jetzigen Trianel GmbH aus der Taufe. Ziel: ein grenzüberschreitender Verbund von Stadtwerken.

Heute, 20 Jahre später, ist die Zahl der Gesellschafter auf 58 gewachsen, die Aachener kaufen und liefern Energie an Abnehmer von Solothurn in der Schweiz bis ins schleswig-holsteinische Elmshorn, von Salzburg bis Jena.

„Als Kind der Liberalisierung hat sich Trianel zu einem der größten unabhängigen kommunalen Handels- und Beschaffungshäuser entwickelt“, sagt Geschäftsführer Sven Becker am Dienstag in Aachen. Vom reinem Stromhändler ist Trianel mittlerweile zu einem Energieproduzenten und Dienstleister geworden.

Der Stadtwerkeverbund versorgt mit seinem Gaskraftwerk in Hamm und dem Steinkohlemeiler in Lünen rund 3,4 Millionen Haushalte, unterhält in Epe bei Gronau einen Gasspeicher mit vier Kavernen, betreibt eigene Windparks, unterstützt und berät seine Kunden beim digitalen Wandel. Christian Becker, Vorstand der Stawag, spricht denn auch von einer „ganz großen kommunalen Erfolgsgeschichte.“ Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung lobt dabei ausdrücklich die Leistung der Mitarbeiter, die seit 2014 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Aachener Tivoli arbeiten.

Dietmar Spohn, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum und Vorsitzender des Aufsichtsrates, sagt, Trianel habe vor allem bei der Entwicklung kommunaler Erzeugungsprojekte „Pionierarbeit geleistet.“ Spohn erwähnt den Windpark Borkum, den ersten rein kommunalen Offshore-Windpark in Deutschland. Seit 2015 drehen sich 45 Kilometer nördlich der ostfriesischen Insel 40 Rotoren und liefern 200 Megawatt Leistung, Strom für 200.000 Haushalte. Ein zweiter Teil mit gleicher Leistung ist derzeit im Bau und soll, trotz der Insolvenz des Windanlagenbauers Senvion, Ende des Jahres fertig werden –  „wenn denn das Wetter mitspielt“, schränkt Sven Becker ein.

Insgesamt steckten Trianel und die verbundenen Stadtwerke in den vergangenen zwölf Jahren rund fünf Milliarden Euro in konventionelle Kraftwerke und regenerativen Energien, rund die Hälfte davon fließt in die Erneuerbaren.

Eine Schlappe musste man 2013 einstecken. Der millionenschwere Bau eines Pumpspeicherkraftwerks oberhalb des Rursees scheiterte am massiven Widerstand der Bevölkerung. Vor allem Belastungen aus dem Betrieb des Kraftwerks in Lünen verhagelte den Aachenern 2016 die Bilanz: Zum ersten Mal stand für die Gesellschafter unter dem Strich ein empfindlicher Verlust – 4,1 Millionen Euro: Anlass für ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm, das im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde.

Arbeitsplätze wurden (ohne betriebsbedingte Kündigungen) abgebaut, Beteiligungen abgestoßen. „Trianel hat zwei bis drei harte Jahre hinter sich“, sagt Geschäftsführer Oliver Runte. Inzwischen ist die Wende geschafft: Für 2017 weist die Bilanz einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro aus, und auch für das Geschäftsjahr 2018 stellt Geschäftsführer Becker gute Zahlen in Aussicht. „Heute sind wir gut aufgestellt, um Stadtwerken neue Angebote für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und die Digitalisierung der Energiewirtschaft anzubieten“, sagt Runte. Dafür hat Trianel Ende 2017 sein Innovationslabor Digital Lab ins Leben gerufen.

Die Zukunft wird nicht einfacher. Sven Becker spricht von den „drei D“: Dezentralisierung (bei der Energiegewinnung), Digitalisierung und Dekarbonisierung, also den vereinbarten Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038. Von der Politik erwarte man eine klare Ansage, wie der „künftige Ausstiegspfad“ aussieht. Konkret: Wann welches Kraftwerk vom Netz geht. Es versteht sich, dass das Kraftwerk in Lünen, dessen hohen Wirkungsgrad sie in Aachen rühmen, zu den letzten gehören soll.

Bei aller Unklarheit ist eines sicher: Auch für die nächsten 20 Jahre bleibt Trianel unter Strom.

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