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Aachen: Aachener Schumag jetzt in neuen Händen

Aachen : Aachener Schumag jetzt in neuen Händen

Die Zitterpartie beim Aachener Maschinenbauer Schumag AG ist vorbei: Der Insolvenzverwalter der Babcock Borsig AG hat 80 Prozent der Anteile an dem Tochterunternehmen Schumag an die Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen verkauft.

Keine Angaben wurden am Dienstag über den Kaufpreis gemacht.

Seit 2002 hatte der Insolvenzverwalter das Sagen bei dem Aachener Traditionsunternehmen, das rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt. Schumag-Vorstand Günter Finke bewertete den Einstieg des neuen Großaktionärs in einem Gespräch mit unserer Zeitung als „sehr positiv”. „Wir haben das erwartet zumal der Aktienkurs der Schumag seit Jahresbeginn deutlich gestiegen ist”, erklärte er weiter.

„Keine Heuschrecken”

Finke geht davon aus, dass die Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen den Einstieg nicht als Finanzinvestition sondern als strategische Anlage sieht. Einen Vergleich mit dem „Heuschreckenverhalten” mancher Hedge Fonds lehnt Finke entschieden ab. Vielmehr geht er davon aus, dass die Berliner die Schumag-Geschäftspolitik und das Engagement in China „positiv begleiten” werden.

An der Boomsituation im deutschen Maschinenbau konnte die Schumag nach Finkes Aussagen voll partizipieren. Die Geschäftslage im zweiten Produktionsfeld, der Präzisionsmechanik, bezeichnete er als stabil.

Die Schumag AG hat im Geschäftsjahr 2005/06 in den beiden Bereichen Präzisionsmechanik und Maschinenbau einen Umsatz von 120 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Ergebnis habe bei 2,5 Millionen Euro gelegen, hieß es. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen dagegen noch ein Verlust von 4,4 Millionen Euro verzeichnet.

Große Pläne hat der Vorstandsvorsitzende der Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen, Dietmar Schallwich, mit der Neuerwerbung in Aachen. Die Beteiligungsgesellschaft wolle eine Industriegruppe im Bereich Stahlprodukte und Energietechnik bilden. Dabei spiele die Schumag eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr hat die Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen bereits aus dem insolventen Babcock-Bereich die Babcock-Anlagentechnik erworben.

Innerhalb der künftigen Gruppe mittelständischer Unternehmen solle sich jede Firma selbstständig entwickeln, skizzierte Schallwich sein Konzept. „Wir sind nur Wegbegleiter. Es werden keine Jobs zusammengeworfen”, versicherte er. Synergie-Effekte könnten sich allenfalls bei Vermarktung und Vertrieb ergeben.

Lob fürs Management

Schallwich versicherte, dass sein Unternehmen „voll hinter dem Management der Schumag AG stehe. „Die Schumag ist auf dem richtigen Weg.” Ausdruck dieses Vertrauens sei auch die Tatsache, dass die entsprechenden Verträge inzwischen verlängert worden seien.

Die Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen wurde 1928 von der Privatbank Delbrück gegründet und diente ursprünglich als Sammelbecken für die Industriebeteiligungen des Geldinstituts.

Nachdem die Privatbank Ende des vergangenen Jahrhunderts in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und schließlich an die niederländische Großbank ABN Amro verkauft wurde, übernahmen deutsche Privatinvestoren die Berliner Aktiengesellschaft für Beteiligungen. Vom Aktienkapital der Schumag AG halten die Berliner künftig 80 Prozent. Acht Prozent besitzt die Optispa Beteiligungsgesellschaft in Grünwald und zwölf Prozent befinden sich in Streubesitz.