Düsseldorf/Aachen: Aachener Leuchtturm der Digitalisierung

Düsseldorf/Aachen: Aachener Leuchtturm der Digitalisierung

Ob er sich des Sieges sicher gewesen ist? „Nicht zu einhundert Prozent“, sagt Oliver Grün. Doch der Initiator von „Aachen digitalisiert!“ gibt auch zu, dass die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges sehr groß war. „Ich war immer der Meinung, dass man uns eigentlich gar nicht ablehnen kann“, sagt er.

Das Land NRW sah das wohl ähnlich, denn seit Freitag steht offiziell fest: Aachen wird NRW-Sitz eines regionalen Zentrums der digitalen Wirtschaft.

Entscheidung ohne Verlierer

Am Ende war es eine Entscheidung ohne Verlierer. Sechs NRW-Städte hatten sich in den vergangenen Wochen darum beworben, einer von insgesamt fünf Standorten eines digitalen Hubs in NRW zu werden. Der Begriff Hub kommt aus dem Englischen und bedeutet Knotenpunkt. Die Voraussetzung für die Förderung eines solchen Hubs war ein schlüssiges Konzept und die Aufbringung von Eigenmitteln in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Nach der Sichtung der eingereichten Bewerbungen äußerte die Jury ihren Wunsch, sechs statt fünf Sieger prämieren zu wollen. Das Land NRW stimmte zu, und so knallten am Freitag bei allen Bewerbern von Bonn über Köln, Düsseldorf und Münster bis zum Ruhrgebiet die Sektkorken.

So auch in Aachen: „Wir sind wirklich begeistert. Insbesondere freue ich mich für die Aachener Wirtschaft, die nun dank der eigenen Digital-Investition die Chance hat, Windmühlen statt Mauern zu bauen. Und damit den Wind der Digitalisierung zu nutzen, statt ihn vorbei ziehen zu lassen oder gar zu bekämpfen“, freute sich Grün. Der Vorstand des Aachener Unternehmens Grün Software AG und Präsident des Bundesverbands IT-Mittelstand hatte im Vorfeld innerhalb von sechs Wochen insgesamt 100 regionale Unternehmen dazu aufgerufen, sich an der Initiative „Aachen digitalisiert!“ zu beteiligen, um so die nötigen 1,5 Millionen Euro an Eigenmitteln durch Crowdfunding aufzubringen.

Die Idee, die angestrebte Summe komplett aus dem Aachener Mittelstand heraus zu erzielen, überzeugte auch die Jury. Die Region Aachen „habe ein in jeder Hinsicht überzeugendes Konzept für den Aufbau und den Betrieb des Hubs vorgelegt“, hieß es in der offiziellen Begründung. Und die sorgte auch bei der IHK Aachen für enorme Freude. Deren Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer bezeichnete den nun geförderten Hub als „Glücksfall für die gesamte Region“. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp betonte zudem, dass nun ein Zentrum geschaffen werde könne, „das den modernen Standort stärkt und zugleich Mitarbeiter anzieht und bindet“, sagte Philipp.

Auch Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk in NRW, gratulierte der Aachener Region am Freitag bei der Bekanntgabe im Düsseldorfer Landtag: „NRW bringt alle Voraussetzungen mit, um das Digitalland Nummer Eins in Deutschland zu werden. Dazu brauchen wir eine enge Zusammenarbeit zwischen der klassischen Industrie und den innovativen Start-ups. Der Digital-Hub in Aachen ist ein Schlüssel dazu“, sagte Duin.

Die Macher der Aachener Initiative können nun mit ihrer Arbeit beginnen. Ziel ist es, in den kommenden Monaten in Aachen einen Ort zu entwickeln, an dem digitale Anwender aus Industrie und Wirtschaft, Start-ups und der IT-Mittelstand sowie Wissenschaft zusammengebracht werden, um die Digitalisierung in der Region voranzutreiben.

Gründung eines Vereins

Der Hub soll in der Aachener Wespienstraße starten, wo das IT-Gründerzentrum „StartLab“ der RWTH beheimatet ist und erweiterte Büroflächen zur Verfügung stehen. Auf diesen Flächen sollen sich in den kommenden Monaten Start-ups ausbreiten, die sich wiederum mit anderen Unternehmen vernetzen können. Vom Land NRW kann Aachen in den kommenden drei Jahren auf eine Förderung von bis zu 1,5 Millionen Euro hoffen. Den entsprechenden Förderantrag wolle man so schnell wie möglich einreichen, sagt Grün. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit dem Digitalisierungszentrum zu starten“, sagt der Initiator.

Bis dahin geht es für die Aachener Initiative darum, den Verein „digitalHUB Aachen“ zu gründen, der die nächsten Schritte koordinieren soll. Die Geschäftsführung des Hubs soll Iris Wilhelmi übernehmen, zuletzt stellvertretende Geschäftsführerin der GründerRegion Aachen der IHK Aachen. „Ich freue mich, als Kopf des Teams und Bindeglied zwischen Start-ups und Mittelstand die Aachener Gründungsförderung in das digitale Zeitalter zu bringen“, sagte Wilhelmi Freitag in einer Mitteilung. Grün kündigte am Freitag an, die Gründung und personelle Aufstellung des Vereins zügig umzusetzen: „Es geht jetzt darum, die digitale Zukunft in Aachen zu erfinden.“