Aachen: Klagewelle gegen Hutchinson

Hutchinson: Arbeiter kämpfen um ihre Jobs : Werkvertrag ungültig? Rund 60 Arbeiter klagen gegen Hutchinson

Angestellt sind sie bei einem Personaldienstleister, doch gearbeitet haben viele von ihnen schon seit 15 und mehr Jahren für den Automobilzulieferer Hutchinson. Dieser hat nun den Werkvertrag gekündigt. Doch vor dem Arbeitsgericht versuchen rund 60 Beschäftigte, den Konzern in die Verantwortung zu nehmen.

Gerichtstermine im Stundentakt, rund 60 Kläger, gleich mehrere Kammern, die mit den Fällen befasst sind: Der Automobilzulieferer Hutchinson beschäftigt das Aachener Arbeitsgericht an diesem Morgen auf unübersehbare Weise – weil er in Aachen künftig etliche Arbeitnehmer nicht mehr beschäftigen will.

Der Konzern hat einen Werkvertrag mit dem Personaldienstleister EL Automotive zum 30. November gekündigt, der seit rund 20 Jahren bestanden hatte. Betroffen sind dort nach Angaben des Geschäftsführers 95 Beschäftigte, von denen rund 60 den Klageweg beschreiten. Sie wollen den Konzern in die Verantwortung nehmen, was sie an diesem Morgen vor Gericht allein schon durch ihr zahlreiches Erscheinen nachdrücklich unterstreichen. Der Werkvertrag habe zwar auf dem Papier bestanden, doch habe es sich in Wirklichkeit bei der Zusammenarbeit zwischen Hutchinson und EL Automotive um eine unerlaubte Arbeitnehmerüberlassung gehandelt, argumentiert ihr Anwalt, der Aachener Arbeitsrechtler Mathias Wenzler. Sollte das Arbeitgericht den Klägern, die in diesem Verhältnis zum Teil seit 15 bis 20 Jahren für Hutchinson arbeiten, Recht geben, hätten sie alle ein gültiges Beschäftigungsverhältnis mit Hutchinson – und könnten nicht so einfach vor die Tür gesetzt werden. Wobei das mit dem vor die Tür setzen durchaus wörtlich zu verstehen ist. Denn wie der Automotive-Geschäftsführer Patrick Poqué und etliche Beschäftigte auf den Gerichtsfluren berichten, standen sie um sechs Uhr früh an diesem Montagmorgen an ihrer Werkhalle an der Philipsstraße in Aachen vor verschlossenen Türen. „Die Halle leergeräumt, die Schlösser ausgetauscht, ein Sicherheitsdienst vor dem Tor“ – so schildert Poqué die Lage vor „seiner“ Halle, die Hutchinson gehört, in der EL Automotive aber für Hutchinson produziert hat. Von Hutchinson ist zu diesem Vorgehen wie auch zum gesamten Verfahren an diesem Montag keine Stellungnahme zu erhalten.

Auch der Anwalt von Hutchinson hält sich vor Gericht mit konkreten Aussagen zurück, bekräftigt lediglich, dass es sich um einen legalen Werkvertrag handele. Aber es stehen an diesem Vormittag auch nur die Gütetermine an, an denen in der Regel bloß kurz ausgelotet wird, ob nicht eine gütliche Einigung möglich ist. Da steigt man normalerweise nicht so tief ins Streitthema ein. Eine gütliche Einigung zeichnet sich allerdings nicht ab. Vorschläge von Wenzler – eine zweijährige Weiterbeschäftigung der Betroffenen zu Tariflöhnen oder in Einzelfällen auch Abfindungen – kommentiert die Gegenseite nicht. Und auch ein Gespräch vor dem Gerichtstermin sei ein ergebnisloser „Drei-Minuten-Termin“ gewesen, so Wenzler.

Der Anwalt der Kläger begründet vor Gericht auch kurz, warum er von unerlaubter Arbeitnehmerüberlassung ausgeht. Sämtliche Weisungen an seine Mandanten seien stets von Hutchinson-Mitarbeitern gekommen, ob es sich nun um Urlaubsscheine, Schichteinteilungen oder Gehaltsverhandlungen gehandelt habe – was im Übrigen auch Automotive-Chef Poqué bestätigt. „Wir haben Berge von Indizien“, sagt der Anwalt auf Nachfrage und hält die Aussichten für seine Mandanten deshalb für „gut“. Allerdings bremst Arbeitsgerichtsdirektor Klaus Brondics, der einen der Gütetermine leitet, diesen Optimismus ein wenig. „Die Latte liegt hoch“, sagt er. Die Kläger müssten ihre Vorwürfe „nach Personen, Tagen und Orten konkret belegen“. Bis dahin dauert es noch etwas. Im Februar soll der erste Kammertermin in Sachen Hutchinson stattfinden.

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