Aachen: 750.000 Euro für Qualifizierung ehemaliger Bombardier-Bahnfachkräfte

Aachen: 750.000 Euro für Qualifizierung ehemaliger Bombardier-Bahnfachkräfte

Das Werk stand auf der Kippe, das Aus war bereits verkündet. Doch nun scheint es in eine erfolgreiche neue Zukunft zu fahren: Bombardier ist wieder zum Traditionsnamen Talbot zurückgekehrt, ergänzt um die neue Aufgabe Services. Unter diesem Gütesiegel arbeitet Deutschlands ältestes Schienenfahrzeugunternehmen in Aachen an einer sicheren Perspektive, zu der auch ein neues Produktionssegment gehört: der Bau von Elektroautos der Marke Streetscooter.

Damit der Wandel gelingt, steuert die Agentur für Arbeit ein finanzielles Paket bei. Rund 750.000 Euro lässt sie sich die Qualifizierung der „Talbötter“ für den neuen Job kosten. Damit soll die ansonsten drohende Arbeitslosigkeit der Betroffenen abgewendet werden. Solche Tatenlosigkeit zu finanzieren, macht Jürgen Koch deutlich, Leiter der Arbeitsagentur Aachen-Düren, würde „erheblich mehr kosten: Das lohnt sich für uns.“

Binnen eines Jahres sollen 40 frühere Bombardier-Bahnfachkräfte auf die Herausforderungen des Baus von strombetriebenen vierrädrigen Fahrzeugen vorbereitet werden. Diese Mannschaft soll dann im kommenden Frühjahr die Serienproduktion des Streetscooters übernehmen, für die bei Talbot Services eine spezielle Halle hergerichtet wird. Zunächst 3000 Exemplare pro Jahr sind geplant.

Schon jetzt wuseln Mitarbeiter der Streetscooter GmbH mit Produktionsleiter Tobias Reil an der Spitze durch eine andere Halle, in der die Montage des Elektroautos am konkreten Objekt trainiert werden kann. Möglicherweise wird das künftige Stromer-Team um zehn weitere Kollegen aufgestockt, lässt Talbot-Werksleiter Dirk Reuters erkennen.

Denn geplant sei, dass in der Serienfertigung deutlich mehr Teile als bisher geplant in Aachen montiert werden sollen, statt sie fertig von Zulieferern einzukaufen. Die Arbeitsagentur würde in diesem Fall ihren Qualifizierungsbeitrag auf rund eine Million Euro aufstocken, lässt Jürgen Koch erkennen. Dies sei auch ein wichtiger Beitrag, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Neben diesen Autobauern in spe, die damit eine alte Aachener Traditionsindustrie wieder auferstehen lassen, kümmern sich die Verantwortlichen außerdem um rund 150 ehemalige Bahnbauer, die nicht in die Talbot Services GmbH übernommen werden konnten.

Mit ihnen befasst sich, finanziell unterstützt von der Agentur, ein externer Dienstleister in einer Transfergesellschaft, um sie auf andere berufliche Einsatzmöglichkeiten vorzubereiten.

Bei Talbot Services arbeiten derzeit 240 Stammkräfte und rund 35 Leiharbeitnehmer verbliebene Aufträge ab. Werksleiter Reuters bemüht sich unterdessen um Neuakquisitionen, etwa in der Wartung von Schienenfahrzeugen, mit ersten sichtbaren Erfolgen. Zudem tut sich einiges bei der Ansiedlung von anderen Betrieben, die in verwandten Bereichen tätig sind, auf dem riesigen Werksgelände.