33 Millionen Euro gibt Pfeifer & Langen für den Umbau der Zuckerfabrik in Jülich aus

Pfeifer und Langen : 33 Millionen Euro für Zuckerfabrik in Jülich

Das Unternehmen Pfeifer & Langen erweitert den Standort in Jülich. Damit entsteht der größte Industriebetrieb für Zucker im Rheinland. Die Bauarbeiten sollen 2020 abgeschlossen sein.

Mit Erweiterung der Zuckerfabrik Jülich, wofür am Mittwoch der offizielle Startschuss erfolgte, wird der Standort durch den Bau neuer Verpackungs- und Veredlungsanlagen zum größten Industriebetrieb für Zucker im Rheinland aufgewertet.

„Wir schlagen das nächste Kapitel auf“, erläuterte Michael Schaupp, Mitglied der Geschäftsführung bei Pfeifer & Langen (P+L), die Strategie des Kölner Unternehmens, „hohe Summen in unsere Produktionswerke in Europa zu investieren, um höchste Qualität und flexibelste Lieferfähigkeit sicherzustellen. 33 Millionen Euro gehen allein in die Veredlung am Standort Jülich.“

Mit dem Bekenntnis zur Herstellung und Vermarktung von Rübenzucker hatte P+L vor Auslaufen der Zuckermarktordnung auch ein Zeichen Richtung regionale Landwirtschaft gesetzt und geht seitdem konsequent diesen Weg. Eine Unbekannte in der Rechnung war, ist und bleibt dabei die Natur: Dem Auslaufen der Marktordnung folgten 2017 eine Kampagne mit Rekordergebnis und im Dürrejahr 2018 mit eher kümmerlichen Erträgen. Das hattet Auswirkungen auf die Preisentwicklung. So befürchtet Michael Schaupp, dass nach dem schwachen Ergebnis der Rübenzucker vor Beginn der neuen Kampagne knapp werden könnte – mit Auswirkungen auf die Preise. „Das muss sich alles einspielen“, sieht der Geschäftsführer hier Lernbedarf bei allen Beteiligten.

Die Aufrüstung des Jülicher Werkes umfasst zunächst den Neubau eines knapp 13.000 Quadratmeter großen Veredlungsgebäudes. Wenn die riesige Halle steht, folgt erst der besonders knifflige Teil des Projektes: der Einbau von neun Verpackungslinien, die einschließlich zugehöriger Aggregate bis zu 30 Meter lang sind. Sieben werden aus dem Betrieb im benachbarten Elsdorf verlagert, dazu kommen zwei Neuanschaffungen. Dabei ist erstmalig modernste Robotertechnik für die Palettierung vorgesehen. Mit diesen High-Tech-Anlagen gehört das Jülicher Werk dann technologisch zu den Vorreitern in Europa.

Mit der neuen Veredlung avanciert das Jülicher Werk zum größten Industriebetrieb für Zucker im Rheinland, in dem sowohl die Grundproduktion als auch die Veredlung von Zucker aus einer Hand kommen. Bereits heute gibt es in Jülich eine Großpackanlage von Big-Bags und Säcken für die Industrie sowie eine Verladestation für losen Zucker ab Silo. Mit der strategischen Entscheidung, die Verpackungslinien für Kleinpackungen aus Elsdorf nach Jülich zu holen, wird demnächst der Jülicher Zucker auch an Ort und Stelle in Haushaltsgrößen abgepackt. Der zusätzliche Transport des Zuckers entfällt, zudem werden in Jülich Anlagen und Maschinen besser ausgelastet.

Verlagerung von Arbeitsplätzen

Bis Ende 2020 entstehen in Jülich drei 1-kg-Verpackungslinien, zwei Würfelzuckerlinien, eine Schlauchbeutellinie inklusive zugehöriger Mischanlage, eine Kandisverpackungslinie, eine Zuckerhutlinie sowie eine Blockpackmaschine zur flexiblen Verpackung von 0,5 bis 2 kg Kristallzucker. Dazu kommen Systeme für den fahrerlosen Transport des Zuckers zwischen Silo und Halle. Vor dem Umzug des Elsdorfer Maschinenparks muss kräftig vorproduziert werden, um die Zeit zu überbrücken, die zwischen dem Abbau und Wiederanfahren der Anlagen liegt.

Verbunden mit dem Umzug der Maschinen von Elsdorf nach Jülich ist auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Mehr als 50 Beschäftigte aus Elsdorf steigern im kommenden Jahr die Stammbelegschaft am Standort Jülich auf rund 220 Personen plus Kampagnenkräfte. Das vergrößerte Team darf sich auf ein neues Sozialgebäude freuen, das derzeit in direkter Nachbarschaft zur Verpackungs- und Veredlungshalle entsteht. Herstellung und Verpackung des berühmten und von Teefreunden geschätzten Kluntje-Kandis (Schaupp: „Ein Nischenprodukt“) bleibt dagegen in Elsdorf.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten bis Ende des ersten Quartals 2020 abgeschlossen sind. Dann erfolgt die Verlagerung der Maschinen und Anlagentechnik aus Elsdorf. Schon in 15 Monaten sollen die ersten Produkte in Jülich verpackt werden. „Ein ambitioniertes Programm“, sagt Projektleiter Dieter Winter, der mit seinem Team auf dem Weg dahin noch sehr viel zu tun.

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