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2019 schreibt Uniper wieder schwarze Zahlen.

Bei den Mitarbeitern des Energiekonzerns bleibt die Unsicherheit : Kraftwerk Datteln 4 geht früher ans Netz

Der Energiekonzern Uniper treibt den Start seines neuen Steinkohlekraftwerks Datteln 4 und zugleich die Stilllegung seiner alten Kohlekraftwerke voran.

„Der Kohleausstieg ist ein guter Kompromiss und bedeutet für uns Planungssicherheit“, sagte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck bei der Vorlage der Bilanz für 2019. Bis Ende 2025 werde man 2,9 Gigawatt Steinkohle-Kapazität stilllegen. Danach ist nur noch das moderne Kraftwerk Datteln am Netz. Mehr noch: Es soll nun sogar früher als geplant starten. „Am Montag erreichte Datteln erstmals Volllast, wir erwarten die kommerzielle Inbetriebnahme bereits im Frühso mmer 2020“, so Schierenbeck. Bisher war von Sommer die Rede.

Schneller als geplant

Datteln hat eine Kapazität von 1100 Megawatt und sollte eigentlich schon 2011 ans Netz gehen. Planungsfehler, Klagen und Kesselschäden haben das verhindert. Nun aber geht es rascher voran als geplant. Das Kraftwerk speist bereits kräftig Strom ein. Es soll pro Jahr 100 Millionen Euro zum Gewinn beisteuern. Die Kohlekommission hatte zunächst empfohlen, Datteln nicht ans Netz zu lassen. Die Bundesregierung aber hielt es für sinnvoller, lieber alte Blöcke stillzulegen. Seither laufen Umweltaktivisten Sturm gegen Datteln. Seit der Hambacher Forst gerettet ist, konzentrieren sie ihre teilweise illegalen Proteste auf Datteln. „Uniper tritt das Pariser Klimaschutzabkommen in die Tonne“, erklärte nun Sebastian Rötters, von der Organisation Urgewald.

Datteln soll bis zum Jahr 2038 laufen. Bis 2035 will Uniper dennoch CO2-neutral sein. Damit der Konzern weiter Kohlendioxid (CO2) emittieren kann, will er das durch Gegengeschäfte kompensieren. Auch der finnische Großaktionär Fortum drängt auf Klimaschutz. Finnland selbst will 2035 klimaneutral sein.

Ansonsten aber geht die Hängepartie bei Uniper weiter: Noch immer ist es Fortum nicht gelungen, die Mehrheit an Uniper zu erringen. Fortum hält weiter 49,99 Prozent. Die Hedgefonds Elliott und Knight Vinke, die 23,4 Prozent halten, wollen zwar an Fortum verkaufen, doch das grüne Licht der russischen Kartellbehörden steht weiterhin aus. Auch für die Mitarbeiter gibt es keine klaren Aussagen von Fortum zu Standort- und Jobsicherheit. „Wir stehen mit Fortum auf Vorstandsebene in regelmäßigem und konstruktiven Dialog“, sagte Uniper-Chef Andreas Schierenbeck. „Bei den Zusagen für die Mitarbeiter gibt es aber noch keine Einigung.“

Aufatmen gibt es in der Düsseldorfer Zentrale jedoch, weil Fortum- Chef Pekka Lundmark im September zu Nokia wechselt.

Pekka-Nachfolge noch unklar

Er galt wegen seiner Spielchen rund um die Übernahmeschlacht als „Wolf im Schafspelz“, so der frühere Uniper-Chef Klaus Schäfer, und bleibt den Mitarbeitern seit langem klare Ansagen schuldig. In Düsseldorf arbeiten 2500 der 11.500 Beschäftigten. „Ich sehe den Wechsel von Pekka mit gemischten Gefühlen“, so Schierenbeck. „Wir haben zuletzt viele Gespräche geführt.“ Nun müsse man abwarten, wer neuer Fortum-Chef werde.

Operativ geht es voran: Uniper schreibt wieder schwarze Zahlen: 2019 blieb unter dem Strich ein Gewinn von 644 Millionen Euro übrig. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Verlust von 442 Millionen gemacht.

Grund sind vor allem Gewinne aus Termingeschäften, mit denen Uniper sich im Strom- und Gasgeschäft absichert. Im operativen Geschäft konnte Uniper den Vorsteuer-Gewinn (863 Millionen) lediglich halten, der Cashflow ging gar um ein Viertel zurück.

Von dem höheren Konzernüberschuss sollen auch die Aktionäre etwas haben: Für 2019 sollen sie eine Dividende von 1,15 Euro pro Aktie erhalten. Im Vorjahr gab es 90 Cent. Größter Nutznießer ist Fortum. Auf die Frage, ob die Erhöhung auf Druck des finnischen Großaktionärs so hoch ausfiel, sagte Schierenbeck: „.Nein, das ist dem exzellenten Geschäftsverlauf geschuldet.“ Den Anlegern gefiel es: Die Aktie legte nach dem Absturz der Börsen am Vortag nun zeitweise um vier Prozent zu.