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IW-Studie: 1300 Erfindungen fürs Klima aus NRW

IW-Studie : 1300 Erfindungen fürs Klima aus NRW

Die Grundstoffindustrie in NRW hat von 2010 bis 2018 insgesamt 8190 Patente angemeldet. Das belegt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Rund 16 Prozent davon zielten auf positive Effekte fürs Klima ab.

Schon im Bundestagswahlkampf ist es um die wesentliche Frage gegangen, wie die Industrie klimafreundlicher werden kann, ohne dass gut bezahlte Jobs verloren gehen. Eine Mammutaufgabe. Von Seiten der Grünen hieß es dann oft, die Industrie sei da schon deutlich weiter als die Politik. Jetzt belegt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, wie weit die nordrhein-westfälischen Unternehmen der Grundstoffindustrie tatsächlich sind.

Dafür haben die Ökonomen analysiert, bei wie vielen Patentanmeldungen aus den Jahren 2010 bis 2018 es sich um „grüne Innovationen“ handelte. Der Schwerpunkt lag dabei auf den energieintensiven Industrien, wie etwa der Stahl-, Kunststoff- oder Zementproduktion, der chemischen Industrie sowie den Energie- und Gasversorgern. Nicht berücksichtigt wurden die Weiterverarbeiter, also beispielsweise die Automobilindustrie, Maschinenbauer, Nahrungsmittelindustrie oder Dienstleistungen.

Der Druck auf die Unternehmen ist enorm. Um künftig auf das klimaschädliche CO2 zu verzichten, müssen diese ihre Produktionsverfahren in kürzester Zeit radikal umstellen. „Viele der potenziellen neuen Verfahren befinden sich dabei noch in der Entwicklungs- oder Pilotphase“, schreiben die Autoren Malte Küper, Oliver Koppel und Enno Kohlisch. Patente sind für die Unternehmen deshalb so relevant, weil sie ihnen üblicherweise für 20 Jahre exklusive Nutzungsrechte an den Verfahren oder Produkten einräumen – ein monetärer Anreiz für Innovation.

Die Forscher griffen für ihre Untersuchung auf die Patentdatenbank des IW zurück, die sämtliche Patentanmeldungen seit dem Jahr 1994 umfasst, die beim Deutschen Patentamt, dem Europäischen Patentamt oder der Weltorganisation für geistiges Eigentum eingereicht wurden. Die nordrhein-westfälische Grundstoffindustrie hat demnach in den acht Jahren rund 8200 Patente angemeldet. Besonders die chemische Industrie tat sich mit einem Anteil von 67 Prozent hervor, gefolgt von der Metallerzeugung (22 Prozent) und der Energieversorgung (fünf Prozent).

Für ihre Studie konzentrierten sich die Forscher aber nur auf all jene Patente, die konkret auf eine positive Wirkung für das Klima abzielten wie etwa Windkraftanlagen und deren Komponenten, Ladestationen für E-Autos oder die Patente aus den Bereichen Wärmedämmung. Nicht berücksichtigt wurden dagegen solche Erfindungen, bei denen die Klimawirkung nur als positive Begleiterscheinung auftrat.

Die grünen Erfindungen machten 16,4 Prozent aller Patente der Branche aus. „Auf Unternehmensebene zeigt sich insbesondere bei Großunternehmen eine starke Innovationstätigkeit“, schreiben die Autoren. So gingen 23 Prozent der Klima-Erfindungen auf das Konto von Evonik Operations, Innogy landete mit elf Prozent auf Platz zwei, Covestro mit zehn Prozent auf dem dritten Platz.

Damit stehen die drei Konzerne für nahezu die Hälfte aller Patentanmeldungen mit Klimaschutzbezug in NRW. Rechnet man noch Thyssenkrupp (neun Prozent) und Bayer Crop Science (acht Prozent) hinzu, kommen die Top fünf der NRW-Konzerne auf 70 Prozent aller grünen Patente.

Dadurch entfällt bei der regionalen Verteilung ein Gros auf die Konzernstandorte Essen und Leverkusen. „Aber auch in anderen Kreisen finden sich entsprechende Positivbeispiele. In Bielefeld etwa macht sich die unternehmerische Forschungs- und Entwicklungsleistung zu Dämmstoffen positiv bemerkbar, in Köln die chemische Forschung.“ Allerdings gibt es laut IW in 21 der 53 NRW-Kreise keine einzige klimarelevante Patentanmeldung.

Bemerkenswert sind die Erkenntnisse der Autoren zum Trendthema Wasserstoff. „Die stark schwankenden Patentanmeldungen zum Thema Wasserstoff, einem der Hoffnungsträger bei der Dekarbonisierung, insbesondere in der Stahl- und Chemieindustrie, bestätigen noch nicht die hohe politische und mediale Aufmerksamkeit, die dem grünen Energieträger seit einigen Jahren zugesprochen wird“, schreiben die Autoren.