Kreis Düren: Wirtschaft und Digitalisierung: Chance, nicht Bedrohung

Kreis Düren: Wirtschaft und Digitalisierung: Chance, nicht Bedrohung

Digitalisierung — dieses Wort bezeichnet einen unaufhaltsamen Prozess. In der Welt der Wirtschaft, der Industrie und des Handwerks ebenso wie in der Medienlandschaft. „Wir sollten die Digitalisierung als Herausforderung sehen, als Chance. Nicht als Bedrohung“, warb Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, auf dem Empfang zum 60. Geburtstag der CDU-Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung (MIT) um ein zupackendes Mitgestalten einer sich verändernden Welt.

Eine besondere Rolle spiele dabei die Wirtschaft, der Mittelstand. „Sie sind und bleiben unverzichtbar“, rief er am Mittwoch den Gästen in Gürzenich zu. Die Soziale Marktwirtschaft müsse auch im Zeitalter der Digitalisierung die Leitmaxime der Politik sein, der Mittelstand müsse Hort der Innovation und das Gewissen der Wirtschaft in ethischen Fragen bleiben und klar Stellung beziehen.

Rolf Delhougne ist Kreisvorsitzender der MIT.

„Medien, Märkte, Mittelstand. Wie die digitale Welt uns verändert“, hatte der AZ/AN-Chefredakteur seine Festrede vor Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung überschrieben. Eingeladen worden war er vom MIT-Kreisverband Düren-Jülich, der im Restaurant des Dürener Golfclubs den Geburtstag der Mittelstandsvereinigung feierte. „Der Mittelstand in Deutschland trägt die Wirtschaft“, betonte der MIT-Kreisvorsitzende Rolf Delhougne in seiner Begrüßung. Dr. Patricia Peill, die stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU, hatte der Mittelstandsunion attestiert, „den Mut zu besitzen, Themen anzusprechen, die diskutiert werden müssen“. Und Bernd Mathieu fügte hinzu: „Sie haben etwas zu sagen — und nicht nur Bedenken.“

Die Unternehmen stünden vor großen Herausforderungen, beschrieb der Festredner die Ausgangslage. „Es gibt andere Märkte, andere Wettbewerber, andere Verbrauchergewohnheiten und andere Bedrohungen“, fasste er die fortschreitende Digitalisierung des Lebens zusammen. „Das spüren auch wir Zeitungen“, sagte Mathieu, der den Zuhörern die Veränderungen in der Medienwelt schilderte. Lange schon habe der Journalist nicht mehr die alleinige Deutungsmacht. „Im Internet wird die Macht neu verteilt“, referierte Mathieu. Als Journalist sei es im Prinzip unwichtig, über welchen Kanal Nachrichten verbreitet werden, sei es die gute alte Zeitung — oder eine App für das Smartphone. Hauptsache, es werde seriös gearbeitet, Quellen geprüft, vermeintliche Fakten gegengecheckt.

Kritisch sieht er daher die Entwicklung in den sozialen Medien. Mathieu sprach von „Aktivisten der digitalen Plappergesellschaft“, die zum Teil Fakten behaupten, ja erfinden, und durch keine Tatsache und kein sachliches Argument zu beeindrucken seien. Recherche, Prüfung, Quellen und Differenzierung spielten keine Rolle.

„Es gibt einen hysterisch lautstarken Teil in dieser Social-Media-Gesellschaft. Was manche da von sich geben, ist geistiger Ausnahmezustand“, fasste Bernd Mathieu das Geschehen zusammen. Diese „Fünfte Gewalt“, das „Social-Media-Paradies der Ideologen und Besserwisser“, komme gerne im „Gewand der Empörung“ daher — den Zeigefinger digital aufgerichtet.

„Geschwindigkeit ersetzt kein Verstehen.“ Mathieu ist überzeugt, dass die schnellste Information nicht automatisch die beste Information ist. Doch was tun? Wegschauen? Ignorieren? Fleißig an einer neuen Klassengesellschaft mitbauen? „Austausch ist das beste Mittel gegen dümmliche Besserwisserei und Verschwörungstheorien“, betonte der Chefradakteur.

Um auf mittlere und lange Sicht den gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit auch die Demokratie zu sichern, müsse es gelingen, die „Ansammlung von Alleinunterhaltern“ aus dem Zustand des Vandalismus herauszuführen. „Wertschätzung, Würde und Respekt — viele Menschen haben verlernt, was das bedeutet“, sagte er.

Gegen „kollektive Gemütlichkeitsverdummung“ helfe es, eine klare Position zu beziehen, die großen Themen vernünftig zu erörtern. An den Mittelstand und die Wirtschaftslenker appellierte er, sich nicht abzuwenden. Das Land stecke in einer Identitätskrise, das Negative herrsche vor. Mathieu: „Dagegen kann man etwas tun.“

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