Nachgefragt: Wie könnte die Mobilität der Zukunft aussehen?

Nachgefragt : Wie könnte die Mobilität der Zukunft aussehen?

Thomas Ritz ist Dekan des Fachbereiches Elektrotechnik und Informationstechnik an der Fachhochschule Aachen und betrachtet das Thema Mobilität aus der digitalen Perspektive. Wir haben nachgefragt, wie er sich die Mobilität der Zukunft vorstellt.

Weniger Autos, mehr Rad, Bus und Bahn, Elektro statt Diesel und erneuerbar statt fossil. Das sind die Stichworte, die man im Kontext der Mobilität der Zukunft immer wieder hört. Für Thomas Ritz ist das aber nicht genug. Der Informatiker beschäftigt sich seit rund zwölf Jahren mit dem Einfluss der Digitalisierung auf die Mobilität. Dabei arbeitet er zum Beispiel an digitalen Mobilitätssystemen, also etwa an Apps, die helfen, Mobilität besser zu planen.

Für Ritz ist klar: Ein gesellschaftliches Umdenken muss stattfinden. „Man hat sich in der Nachkriegszeit ein bisschen daran gewöhnt, dass Mobilität immer verfügbar und immer relativ Menschenkraft schonend ist“, so Ritz. „Ich denke, dass die Menschen wieder mehr Dinge machen müssen, die sie aus eigener Kraft treiben, wie gehen oder Fahrradfahren. Weil ich glaube, die beste Art der ökologischen Mobilität ist weniger Mobilität.“

Das solle nicht bedeuten, betont er, dass nun alle in die Innenstadt direkt neben ihren Arbeitgeber ziehen müssen. Vielmehr müssten sich die Arbeitgeber darüber Gedanken machen, dorthin zu gehen, wo ihre Mitarbeiter wohnen oder auf andere Formen der Arbeit zu setzen wie zum Beispiel Telearbeit. „Man darf nicht immer als erstes meinen, wir müssen die Mobilität besser machen“, sagt Ritz. „Besser wäre, wenn wir überhaupt keine Mobilität bräuchten. Ich sehe die Digitalisierung als einen riesen Hebel, diese riesen Herausforderung Mobilität anzugehen. Also im ersten Schritt Mobilität vermeiden und im zweiten Schritt, wenn wir dann an der Mobilität nicht vorbei kommen, sie einfach besser organisieren.“

Aus Hürtgenwald-Vossenack könnte dann zum Beispiel, so die Zukunftsvision, ein per App gebuchtes selbst fahrendes Elektroauto den Transfer zum Bahnhof erledigen – bestenfalls alles bequem bezahlt über das Smartphone. Alle kürzeren Strecken aber, sollten aus eigener Kraft erledigt werden.

Ritz selbst ist eigentlich leidenschaftlicher Autofahrer, aber er versucht, sich etwas umzustellen. „Ich fand es schon irgendwann absurd, dass ich mit 22 PS ins Fitnessstudio fahre, um mich dann auf dem Laufband abzureagieren“, sagt er. „Das ist ja irgendwie Unfug, oder?“

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