Rojan Huppertz aus Aachen beim Silent Speaker Battle

Interview mit einem Vortragsredner : Rojan Huppertz will „das Publikum begeistern und berühren“

Rojan Huppertz liebt es, Reden zu halten. Der Aachener hat deshalb beim Silent Speaker Battle und Internationalen Speaker Slam in Düsseldorf teilgenommen. Worum es bei diesen besonderen Events geht, erzählt der 31-Jährige im Interview.

München, New York – und nun auch Düsseldorf: Die von Autor und Redner Hermann Scherer konzipierten Speaker-Events Silent Speaker Battle und Internationaler Speaker Slam haben es Ende August auch nach Nordrhein-Westfalen geschafft. Der Aachener Rojan Huppertz war dabei.

Rojan, möchtest du das Interview vielleicht selbst führen?

Rojan Huppertz: Wieso sollte ich das tun?

Du scheinst doch ein Talent dafür zu haben, Leute in deinen Bann zu ziehen. Vielleicht wird das Interview dann lesenswerter.

Rojan (lacht): Danke für die Blumen. Aber ich bin doch mehr auf das gesprochene und nicht geschriebene Wort spezialisiert.

Dann lass uns über das gesprochene Wort reden. Was hat es mit dem Silent Speaker Battle auf sich, an dem du Ende August in Düsseldorf teilgenommen hast?

Rojan: Bei dem Event standen immer jeweils vier Redner vor dem Publikum auf der Bühne. Jeder Redner hatte ein Headset auf, durch das er sprach. Alle Zuschauer im Publikum hatten Kopfhörer auf, die mit den vier Headsets verbunden waren. Über die Kopfhörer konnte man immer nur einen Redner auswählen, den man hören wollte. Ziel der vier auf der Bühne war es, dass möglichst viele Zuschauer möglichst lange auf den eigenen Kanal wechselten und ihm bei seinem dreiminütigen Vortrag zuhörten. Nach den drei Minuten konnten die Zuschauer per App abstimmen, wer dieses Battle gewonnen hat. Glücklicherweise konnte ich meine Runde für mich entscheiden.

Klingt so, als geht es bei so einem Battle vor allem darum, Aufmerksamkeit zu erwecken. Wie ist dir das gelungen?

Rojan: Ich hatte mir relativ spontan überlegt, eine lustige Geschichte zu erzählen, die ich mal in einem Schwimmbad erlebt habe. Und dabei kam mir dann noch eine verrückte Idee: Auf der Bühne wollte ich dann so tun, als würde ich duschen. Was man ja vor dem Schwimmbad auch machen sollte. Also zog ich mein Oberteil aus und stand dann mit nacktem Oberkörper auf der Bühne. Die Idee war anscheinend so verrückt, dass sie mir eine Menge Zuhörer verschaffte. (lacht)

Kostet das viel Überwindung?

Rojan: Ich nenne es „die Lächerlichkeit durchbrechen“. In irgendeiner Form machst du dich ja auf der Bühne lächerlich – denkst du zumindest. Und am Ende siehst du, dass es vollkommen egal ist, was du gemacht hast. Häufig wird es auch von den Leuten honoriert, die Leute lachen und sagen dir, dass sie es gut fanden.

Kann das jeder?

Rojan: Ich denke schon, dass das jeder könnte. Es ist nur die Frage, ob es jeder möchte. (lacht)

Durch deinen Sieg bei dem Battle konntest du dich dann für den Internationalen Speaker Slam qualifizieren.

Rojan: Genau. 67 Teilnehmer aus 16 Ländern hatten sich dafür qualifiziert, was ein Weltrekord war. Jeder stand dieses Mal allein auf der Bühne und durfte fünf Minuten reden. Ich war als 41. an der Reihe, was mir als Basketball-Fan gut gefiel. Dirk Nowitzki hat schließlich auch die Rückennummer 41 getragen.

Du gingst also mit einem guten Gefühl auf die Bühne?

Rojan: Ganz ehrlich. Ich war schon ziemlich nervös und habe von den anderen Rednern fast nichts mitbekommen. Auch beim Battle habe ich meine Nebenleute auf der Bühne gar nicht wahrgenommen. Aber ich habe es positiv gesehen. Es ist wichtig, mit Lampenfieber richtig umzugehen. Egal ob bei so einem Slam oder bei einer Präsentation vor Kollegen oder bei einer mündlichen Prüfung an der Uni. Weg kriegst du das Lampenfieber sowieso nicht. Also musst du lernen, die Aufregung bewusst anzunehmen. Mir helfen Atemübungen dabei. Und ich versuche  das Lampenfieber in positive Energie umzuwandeln.

Wie lief dann deine Rede?

Rojan: Ich habe über mein Thema „Kopfherzen“ gesprochen. Kurz zusammengefasst, ging es in meiner Rede um den schmerzhaften Zusammenprall von Kopf und Herz, etwas abgewandelt vom Wort Kopfschmerzen. In der kurzen Zeit versuchte ich, den Zuschauern einen Einblick in mein Leben zu geben. Dass ich als halber Iraner und halber Deutscher trotz einiger Umzüge, dem Besuch von mehreren Schulen und Kindergärten und der Scheidung der Eltern eine glückliche Kindheit hatte. Und erst, als ich älter und „verkopfter“ wurde, an einen Punkt kam, wo ich unzufrieden mit mir und meinem Leben war.

Rojan Huppertz bei seinem Auftritt in Düsseldorf. Foto: Dominik Pfau

Was hat dich damals unzufrieden gemacht?

Rojan: Der Start an der RWTH. Ich habe ein Maschinenbaustudium angefangen, obwohl es gar nicht mein Ding war und ich da meine kreative und chaotische Seite gar nicht ausleben konnte. Musik, Schauspielerei, das Spiel mit Worten waren eigentlich die Sachen, die mir als Kind immer gefallen haben und wo ich immer mit ganzem Herzen dabei war.

Warum hast du dann überhaupt das Studium begonnen?

Rojan: Meine innere Überzeugung war: Du musst einen prestigeträchtigen Job haben, damit du anerkannt wirst. Auch, um meine Mutter zufriedenzustellen. Und nach 21 Semestern, vielen vergeigten Klausuren und Vermeidungsstrategien habe ich dann im Masterstudium bei einem Auslandssemester diese, wie ich es nenne, Kopfherzen bekommen. Ich habe dann bei vielen Spaziergängen unzählige Hörbücher zum Thema Psychologie und mentale Stärke gehört. Dann habe ich einen Vortrag zum Thema „Hinfallen und wieder aufstehen“ gesehen. Da bin ich total zusammengebrochen. Und habe mir die Frage gestellt: Du hast nur dieses eine Leben. Warum machst du das alles, wenn es dich nicht erfüllt? Das war der Zeitpunkt, an dem ich mein Leben ändern wollte.

War dieser Auftritt in Düsseldorf dann eine Art Selbstverwirklichung oder Selbsttherapie?

Rojan: Beides. Wenn ich die Menschen mit meiner Rede berühren kann, und selbst wenn ich nur eine einzige Person damit angesprochen habe, freut mich das und ist eine Form der Selbstverwirklichung für mich. Es wäre heuchlerisch zu sagen, dass es mir nicht gefallen hat, Standing Ovations und positives Feedback zu bekommen. Auf der anderen Seite fand ich es nicht schlimm, dass ich beim Slam keine der drei Siegerkategorien (Stimme, Aussehen, Publikumsgewinner) gewonnen habe. Ich konnte mich und meine Gefühle präsentieren und erzählen, was mich lange Zeit heruntergezogen hat. Insofern war es auch eine Form der Selbsttherapie. Und ein Schritt auf meinem Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

Die Teilnehmer des Internationalen Speaker Slams in Düsseldorf. Foto: Dominik Pfau

Wohin wird dich der Weg führen?

Rojan: Erst mal steht noch die Masterarbeit an. Trotz allem möchte ich das jetzt noch durchziehen. (lacht) In den vergangenen anderthalb Jahren habe ich begonnen, meine Erfahrungen an andere weiterzugeben und private Coachings anzubieten. Hier habe ich auch relativ schnell zu durchaus nennenswerten Ergebnissen beisteuern können. Ein Klient von mir wurde beispielsweise zum Abteilungsleiter befördert. Das ist etwas, das mich erfüllt. Ich bin nicht blauäugig, natürlich möchte ich auch Geld verdienen, eine Familie gründen und ihr etwas bieten können. Aber mir ist klar, dass ich künftig Menschen durch Coachings oder Impulsvorträge helfen möchte. Ich möchte anderen helfen, sich selbst zu entfalten, egal ob auf oder neben der Bühne.

Hast du denn Tipps für jemanden, der auch mal bei einem Battle oder Slam auftreten möchte?

Rojan: Überleg dir vorher ein Konzept für deine Rede, doch lass Raum für Improvisationen. Dir muss klar sein, dass dein oberstes Ziel ist, Aufmerksamkeit zu erregen. Hab keine Angst vor Bewertungen. Haben wir nicht alle schon mal allein vor dem Spiegel Sachen gemacht, die wir uns vor anderen Menschen nicht trauen würden, weil wir Angst vor ihrem Urteil haben? Auf der Bühne musst du das Risiko eingehen, dich lächerlich zu machen. Du musst das Publikum begeistern und berühren wollen.

Besteht denn die Chance, dass man dann gegen dich antritt? Oder war das in Düsseldorf eine einmalige Angelegenheit?

Rojan: Ich würde es jederzeit wieder machen. Weil ich es liebe und es mir Spaß macht, Reden zu halten. Privat – und hoffentlich auch beruflich.