Nachhaltigkeit heißt nicht nur auf Plastik verzichten

Reicht es, sich Gedanken um die Verpackung zu machen? : Nachhaltigkeit heißt nicht nur auf Plastik verzichten

Ob Plastik-, Glas- oder Papierverpackungen nachhaltiger und umweltfreundlicher sind, sei keine Frage, die sich so leicht beantworten lasse.

Pauschal kann man darüber nämlich gar keine Aussage treffen. Das sagt Professor Thomas Pretz vom Lehrstuhl für Aufbereitung und Recycling fester Abfallstoffe der RWTH Aachen. „Erstmal muss man sich die Frage stellen, wonach wir überhaupt beurteilen“, erläutert er – etwa nach dem Energieverbrauch oder dem Ressourcenverbrauch?

Ein Beispiel: Der Käufer steht im Supermarkt an der Kasse und möchte seine Lebensmittel nach Hause transportieren. „Sowohl Plastik- als auch Papiertüten machen das möglich“, sagt Pretz. „Beide Tüten haben die gleiche Funktion.“ Die nächste Frage sei, welche Tüte länger halte. Der Punkt gehe an die Plastiktüte. „Sie ist wasserresistent und meist reißfest. Sie ist also in der Hinsicht vorteilhafter, weil ich sie öfter benutzen kann, als die Papiertüte.“

Auf der anderen Seite steht die Verwertbarkeit. „Dabei punktet die Papiertüte.“ Bei der Herstellung einer Papiertüte sei der gesamte Prozess allerdings sehr nasshaltig. „Man braucht sehr viel Wasser, um Papier zu recyclen. Nachher braucht man sehr viel Energie, um das nasse Papier zu trocknen“, erklärt der Professor.

Von Taschen aus Baumwolle wolle der Professor gar nicht erst anfangen. „Das klingt zwar erstmal gut. Für die Produktion von einem Kilo Baumwolle brauche ich aber 10.000 bis teilweise 30.000 Liter Wasser. Und wenn auf den Taschen noch Logos drauf sind, die teilweise in Pakistan oder Vietnam bedruckt werden, habe ich mit der verwendeten Farbe schnell noch eine halbe Chemiefabrik in der Tasche.“ Das seien aber nur einige wenige Aussagen in Bezug auf Verpackungen.

Nachhaltiger und umweltfreundlicher leben habe noch ganz andere Aspekte. „Es ist viel mehr, als nur auf die Verpackung beim Einkaufen zu achten“, findet der Professor. Man solle viel mehr auf die Transportwege achten, auf die Herkunft des Fleisches und der Eier, die wir kaufen würden. „Wenn man solche Dinge beim Einkaufen beachtet, ist die Erkenntnis daraus viel größer, als wenn ich im Jahr fünf Plastiktüten spare“, sagt Pretz.

Statt Ananas und Mango, die weite Wege mit Flugzeugen hinter sich haben, könne man viel mehr Kartoffeln und Gemüse vom Bauern nebenan kaufen. „Irgendwie ist uns der bewusste Umgang mit allen Dingen verloren gegangen. Indem wir Papiertüten statt Plastiktüten benutzen, haben wir gleich ein viel besseres Gewissen. Auf der anderen Seite kaufen wir trotzdem Avocados und Steaks aus Argentinien beim Discounter.“ Es habe also eine viel größere Auswirkung auf die Umwelt, wenn man sich als Käufer mehr Gedanken mache. „Sprich: Nahrungsmittel aus der Heimat, Eier aus guter Haltung und wenig Einsatz von Pestiziden“, findet Pretz. Nichtsdestotrotz gelte: „Die leichteste Verpackung mit dem kürzesten Transportweg ist die beste Verpackung.“

(cap)
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