Film zum Thema „Wie gefährlich ist Tihange?“: „Nach dem Dreh habe ich einen Schutzanzug gekauft“

Film zum Thema „Wie gefährlich ist Tihange?“: „Nach dem Dreh habe ich einen Schutzanzug gekauft“

Jonas Middelkoop (21) und Alina Theis (26) haben einen Kurzfilm über das umstrittene Atomkraftwerk Tihange gedreht. Damit wollen sie Bürger über die Risse in dem Reaktor Tihange 2 aufklären und zeigen, was im Notfall zu tun ist.

Wir Hier: Woher kam die Motivation, einen Film über Tihange zu drehen?

Alina Theis: Ich bin 2016 für das Studium an der FH nach Aachen gezogen. Vorher hatte ich noch nie von Tihange gehört. Hier bin ich durch die vielen Flyer und Plakate auf das Thema aufmerksam geworden. Besonders beeindruckt hat mich, dass alle Bürger schon einmal von dem belgischen Atomkraftwerk gehört haben, aber nur die wenigsten wissen, wo eigentlich das Problem liegt.

Jonas Middelkoop: Wir wollten deshalb mit Experten von der Stadt Aachen, mit einem Arzt und mit Bürgerrechtlern sprechen, die über detailliertes Wissen verfügen und sagen können, welche Risiken es gibt und was im Notfall zu tun ist.

Wir Hier: Eure zentrale Fragestellung war „Wie gefährlich ist Tihange?“. Habt ihr auch versucht, die Gegenseite darzustellen, also mit den Zuständigen zu sprechen?

Alina: Wir haben bei Electrabel angefragt, aber keine Antwort erhalten. Es war schwer, überhaupt Befürworter zu finden, denn selbst Menschen, die für Atomkraft sind, sprechen sich gegen Tihange aus.

Jonas: Wir haben in dem Film trotzdem versucht, die Argumente der Betreiber denen der Gegner entgegenzustellen.

Wir Hier: Ihr wart für den Dreh auch im belgischen Huy und habt dort mit Anwohnern gesprochen. Welchen Eindruck hattet ihr vor Ort?

Jonas: Es war schon komisch. Die Leute, die wir getroffen haben, hatten sich mit dem Risiko scheinbar einfach abgefunden.

Alina: Ich fand es im negativen Sinne sehr beeindruckend. Die Menschen, die in Huy wohnen, sehen die Reaktoren jeden Tag und werden blind für die Gefahr. Es ist einfach Teil ihres Alltags geworden.

Wir Hier: Eure Interviewpartner sprechen über Jod-Tabletten und Fluchtmöglichkeiten. Habt ihr nach den Dreharbeiten auch Vorsichtsmaßnahmen ergriffen?

Jonas: Ich hatte vorher keine Ahnung, wie man sich auf den Ernstfall vorbereiten soll, aber jetzt habe ich mir tatsächlich einen Lebensmittelvorrat angelegt. Der ist auch wichtig im Falle anderer möglicher Katastrophen.

Alina: Nach dem Dreh habe ich mir tatsächlich eine Maske und einen Schutzanzug gekauft.

(at)
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