Aachen: Mit Bioabfall die Welt verbessern

Aachen: Mit Bioabfall die Welt verbessern

Stolz präsentiert Nina Schillings ein kleines Häuflein schwarz verkohlter Pellets. „Das ist der Beweis, dass es funktioniert“, sagt sie strahlend. Zusammen mit Felix Werner, Marvin Volmert und fünf weiteren Teammitgliedern hat die 21-jährige Biotechnologie-Studentin ein Konzept entwickelt, wie man Kohle nachhaltig und kostengünstig selbst herstellen kann — aus Bioabfällen.

Die Idee, Energie aus Abfällen zu gewinnen, ist zwar nicht neu. Der Ansatz von RecyCoal — so haben die Studenten ihr Projekt getauft — dagegen schon. In einem alten Ölfass mit Schornstein werden die Biomaterialien pyrolisiert, das heißt unter Ausschluss von Sauerstoff in Kohle umgewandelt. Um die Emission von gesundheitsschädlichen Dämpfen zu vermindern, werde ein sogenannter Nachbrenner verwendet, mit dem die entstehenden Gase abgefackelt werden, erklärt Nina Schillings. Am Ende bleibe die feine Kohle übrig, die sie gerade in der Hand hält.

Von der kreativen Idee zum Start-up

Entstanden ist die Idee zu RecyCoal innerhalb der studentischen Organisation Enactus e.V. Der Verein agiert international mit rund 66.500 Studenten in 36 Ländern. Die Aachener Gruppe wurde im Jahr 2011 gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Marketing der RWTH Aachen gegründet, ist aber auch für Studenten der FH offen. Alle Projekte von Enactus ist, haben das Ziel, Herausforderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt zu lösen. Im besten Fall entsteht am Ende aus einem kreativen Anfangsimpuls ein zukunftsfähiges Start-up, das in die Hände der Menschen vor Ort abgegeben werden kann.

Mit RecyCoal wollen Nina Schillings und ihr Team Menschen in Afrika helfen. Denn während hierzulande niemand auf die Idee kommen würde, den Grill in der eigenen Wohnung anzuschmeißen, ist das Kochen mit Holz und Kohle innerhalb des Hauses dort noch immer weit verbreitet. Doch bei der Verbrennung von reinem Holz werden giftige, krebserregende Stoffe frei. Die Zahl derer, die an den Folgen von Atemwegserkrankungen sterben, ist entsprechend hoch. Zusätzlich trägt der hohe Holzbedarf zur Abholzung der lokalen Waldbestände bei und kostet eine fünfköpfige Familie mehr als ein Drittel ihres Monatseinkommens.

Die Welt im Kleinen verbessern

Die Motivation der drei ist eine Mischung aus Idealismus und Forscherdrang. „Es braucht schon viel Eigeninitiative, um bei uns mitzumachen. Mit dem Wissen aus dem Studium kommt man bei den meisten Projekten nicht weit“, sagt Felix Werner. Doch gerade der Realitätsbezug und auch die soziale Komponente machten den besonderen Reiz aus. „Das Motto von Enactus ist ja nicht umsonst, die Welt im Kleinen zu verbessern“, sagt er. „Für uns sind es ein paar Stunden, die wir pro Woche investieren, aber das Endergebnis erreicht so viel mehr.“

Ob der Pyrolyseprozess auch wirklich funktioniert, hat das Team bereits mehrfach in Kalterherberg in der Eifel auf dem Grundstück von Nina Schillings‘ Onkel getestet. „Das stinkt schon ein bisschen“, gibt Nina Schillings zu. Aber das Ergebnis war so überzeugend, dass sie sich zusammen mit Marvin Volmert direkt auf den Weg gemacht hat nach Kigali in Ruanda. Dort haben sie sich mit Verantwortlichen des lokalen Abfallunternehmens Coped getroffen, um ihnen vor Ort ihr Projekt vorzustellen. Den Kontakt nach Ruanda konnten die Studenten über den AT-Verband knüpfen, eine Organisation, mit der sie seit einiger Zeit zusammenarbeiten und die sich für umweltverträgliche Technologien einsetzt.

„In Ruanda bleibt durch den Reisanbau viel Reisstroh übrig, das sich wunderbar eignet, um es in Kohle zu verwandeln“, sagt Volmert. Die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter des Abfallunternehmens sei schnell in Begeisterung umgeschlagen, als sie sahen, dass es funktioniert. Im Februar fahren die Studenten deshalb noch mal für eine längere Zeit nach Ruanda, um auch die Farmer mit ins Boot zu holen und die Kohleproduktion richtig in Gang zu setzen.

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