Mayssoun Zein Al Din im Interview über Diskriminierung

Mayssoun Zein Al Din im Interview über Diskriminierung : Mehr Akzeptanz und Respekt in allen Lebensbereichen

Mayssoun Zein Al Din arbeitet im nordrhein-westfälischen Landtag und hat mit dem Projekt „Botschafter der Vielfalt“ an der Hauptschule Aretzstraße Halt gemacht. Für sie ist es ein besonderes Anliegen, jungen Menschen zu zeigen, dass Diskriminierung keine Option ist. Im Interview erklärt sie, wie sie die Situation wahrnimmt.

WirHier: Ist Diskriminierung in Deutschland ein fortschreitendes Problem?

Mayssoun Zein Al Din: Ja.

WirHier: Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert?

Zein Al Din: Als ich vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen bin, war die Grundstimmung im Land deutlich feindlicher gegenüber Ausländern, als sie heute ist, aber heute haben wir eine AfD im Parlament.

WirHier: Warum, glauben Sie, ist das so?

Zein Al Din: Es ist ein schleichendes Desinteresse an den Werten der Demokratie, mangelnde Aufklärung über die wesentlichen Anker des Grundgesetzes und darüber, wie wertvoll diese für die Gestaltung einer freien, friedlichen und gelungenen Gesellschaft sind. Das trägt zur Bildung von Populisten bei.

WirHier: Erleben Sie auch in ihrem Umfeld immer mehr Diskriminierung?

Zein Al Din: In meinem direkten Umfeld erlebe ich nicht mehr Diskriminierung, aber ich beobachte allgemein öfters Situationen von Diskriminierung andersartiger Menschen.

WirHier: Welche Situation ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Zein Al Din: Eine regelmäßige subtile Schlechtbehandlung von Frauen mit Kopftuch fällt mir immer wieder auf.

WirHier: Eigentlich entstand in der vergangenen Zeit doch der Eindruck, dass immer mehr Menschen, die nicht der „Norm“ entsprechen, Akzeptanz erfahren. In welchen Bereichen fehlt diese Akzeptanz noch?

Zein Al Din: Es gibt einzelne Bereiche, in denen mehr gesellschaftliche Akzeptanz erreicht wurde als noch vor zehn Jahren, dies gilt besonders im Bereich der sexuellen Identität. Im Angesicht des Erstarkens populistischer Tendenzen in Deutschland ist es dringend erforderlich, in allen Lebensbereichen mehr Akzeptanz und mehr Respekt für Andersartigkeit zu erreichen.

WirHier: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Zein Al Din: Mehr bewusste Auseinandersetzung mit Fragen der Demokratie und der Menschenwürde, gerade an Schulen, weil junge Menschen nicht ausreichend Foren haben, um sich kritisch mit diesen Themen zu befassen.

(cap)
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