Männliche Zahnmedizinische Fachangestellte im Interview

Männer in Frauenberufen : „Viele Patienten denken, ich wäre der Arzt“

Ahmet Erdem (21), Orion Demushi (18) und Sudad Abdel (32) machen eine Ausbildung zum Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA). Warum sie sich für diesen typischen Frauenberuf entschieden haben, erzählen sie Eva Johanna Onkels vom Wir-Hier-Team.

Orion, Erdem und Sudad – ihr seid alle im ersten Ausbildungsjahr zum ZFA. Wieso habt ihr euch für diesen Beruf entschieden?

Ahmet Erdem: Eine Tante von mir ist ZFA, dadurch habe ich bereits vorher viele Informationen über den Beruf erhalten. Es klang interessant. Deshalb habe ich mich für den Beruf entschieden. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job.
Orion Demushi: Ich habe im Internet nach einem Praktikumsplatz für mich gesucht. Ich habe dann einen in einer Zahnarztpraxis gefunden. Nach dem Praktikum habe ich noch eins gemacht und mich dann für die Ausbildung entschieden.
Sudad Abdel: Ich habe in der Ukraine bereits ein Zahnmedizinstudium abgeschlossen, aber mir fehlt die Praxis, um hier arbeiten zu dürfen. Ich habe deshalb auf einen Platz an der Uni gewartet, um hier weiter zu studieren, aber es war nichts frei. Deshalb habe ich die Ausbildung angefangen. Auch, um die Sprache zu lernen. In der Ukraine war der Studiengang auf Englisch. (Anm. d. Red.: Sudad kommt aus dem Irak.)

Wie fühlt ihr euch als Mann in einem typischen Frauenberuf?

Ahmet: Am Anfang war das eine sehr, sehr große Umstellung. Aber ich habe mich daran gewöhnt und mir ist auch egal, was die anderen davon halten. Für mich gibt es keine Berufe, die nur Frauen oder nur Männer machen können. Mensch ist Mensch, beide Geschlechter können jeden Beruf ausüben.

Redet gerne mit den Patienten: Orion Demushi. Foto: ZVA/Eva Johanna Onkels

Wie viele Männer gibt es in der Praxis, in der du jetzt arbeitest?

Orion: Es gibt nur den Arzt und mich. Alle anderen Mitarbeiter sind weiblich. Aber es gibt kein Gezicke. Bei den Patienten ist es so, dass viele erst einmal fragen, was ich überhaupt dort mache. Die meisten denken, dass ich im Praktikum bin.

Und wie reagieren die Patienten?

Orion: Die Patienten stellen sehr viele Fragen. Vor allem, wie lange ich schon hier lebe. (Anm. d. Red.: Orion lebt erst seit drei Jahren in Deutschland). Ich rede gerne mit den Patienten, während sie auf den Arzt warten. Später, während der Behandlung, geht das nicht mehr, dann haben sie ja die Geräte im Mund. Manche versuchen es trotzdem.
Ahmet: Das ist immer das Beste: Viele Patienten denken, ich wäre der Arzt. Ich kläre sie dann auf. Viele sind wirklich überrascht. Sie wollen wissen, warum ich mich für den Beruf entschieden haben. Die finde das dann sehr interessant.

Will später Zahnarzt werden: Sudad Abdel. Foto: ZVA/Eva Johanna Onkels

Sudad, Du machst deine Ausbildung am Uniklinikum, wie wirst du dort wahrgenommen?

Sudad: Es kommen vielen Studierende für Zahnbehandlungen. Die meisten Patienten denken, dass ich auch ein Student bin und fragen, in welchem Semester ich bin. Ich sage dann meistens: „Der Arzt kommt gleich“, dann wissen sie Bescheid.

Und wie soll es bei dir nach der Ausbildung weitergehen?

Sudad: Ich möchte einen Platz an der Uni bekommen, weiter studieren und Zahnarzt werden.

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