Köln spricht: Junge Plattform für Diskussion

Köln spricht : Plattform für gesellschaftliche Debatten: Isabel Vogt von „Sprich“ im Interview

Der Verein „Sprich“ gibt Menschen eine Plattform für gesellschaftliche Debatten. Das Besondere: Sie verbinden Politik und Kultur. Die stellvertretende Vorsitzende Isabel Vogt erklärt im Interview, was dahinter steckt.

Wir Hier: Liebe Isabel, vor zwei Jahren wurde der Verein gegründet. Euer Konzept versucht ihr in mehreren Städten umzusetzen. Vorreiter ist wohl „Köln spricht“. Was ist euer Ziel?

Isabel Vogt: Wir nennen uns auch „die demokratische Speakers' Corner“. Unser Grundgedanke ist, Menschen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und mit unterschiedlicher politischer Meinung zusammenzubringen. Dazu organisieren wir einmal im Monat eine Veranstaltung in Köln — im Winter treffen wir uns in Bars oder Clubs, im Sommer am Aachener Weiher. Neben Musik, Slam und Theater tritt auch jedes Mal ein Speaker auf die Bühne, der etwa zehn Minuten zu einem Thema spricht und damit einen kurzen Impuls gibt. Danach geben wir die Diskussion ins Publikum, sodass Menschen sich austauschen, die sonst vielleicht nie miteinander gesprochen hätten.

Wir Hier: Worüber wird diskutiert?

Isabel Vogt: Die Inhalte sind ganz unterschiedlich. Mal geht es um politische Entscheidungen, mal um wirtschaftliche, gesellschaftliche, ökologische oder auch um persönliche Themen.

Wir Hier: Wie und warum verbindet Ihr Politik und Kultur miteinander?

Isabel Vogt: Im Prinzip hört man sich Beiträge an, diskutiert und zwischendurch hört man zum Beispiel der Liveband zu oder spricht mit den Leuten um einen herum — als eine Art Pause, um kurz abzuschalten und sich dem nächsten Thema widmen zu können. Mit diesem Konzept wollen wir gesellschaftliche Fragen so verpacken, dass man sich gerne damit beschäftigt, ohne sich einen Zwei-Stunden-Podcast anhören zu müssen oder eine Stunde lang Zeitung zu lesen. Wir wollen Politik wieder greifbarer machen.

Wir Hier: Warum ist es wichtig, dass wieder mehr diskutiert wird?

Isabel Vogt: In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland viel geändert. Die Probleme sind vielseitiger geworden, und es gibt mehr politische Konflikte. Wir glauben, das liegt daran, dass zu wenig Kommunikation stattfindet, sowohl auf politischer Ebene als auch unter den Menschen. Als sich die AfD mit — in meinen Augen — sehr negativen Ansichten etabliert hat, kam dem „Sprich“-Gründer Fabian Guzzo die Idee, diese Kommunikationsplattform aufzubauen. Wir laden zu unseren Veranstaltungen auch immer alle Parteien ein und wollen niemanden ausschließen. Wir wollen eine politisch neutrale Plattform sein, die Austausch schafft. Damit eben keine Spaltung unter den Bürgern entsteht und man lernt, die Ansichten seines Gegenübers zu verstehen. Aber wir haben auch klare Grenzen: Verschwörungstheorien, Ideologien, Populismus, Propaganda und alles, was extremistisch ist, hat bei uns keinen Platz.

Wir Hier: Wer steckt hinter „Köln spricht“ und wie kann man mitmachen?

Isabel Vogt: Wir sind eine bunt gemischte Truppe aus Schülern, Studenten und Berufstätigen im Alter von 19 bis 50 Jahren. Insgesamt haben wir rund 65 Mitglieder, im aktiven Organisationsteam sind etwa 25 Leute, die meisten im Alter zwischen 20 und 3. Bei uns kann eigentlich jeder mitmachen. Wir haben viele verschiedene Bereiche in der gesamten Organisation, in die man sich einbringen kann. Am besten kommt man einfach mal vorbei, spricht uns an, und dann tauschen wir uns aus.

Weitere Informationen unter www.koeln-spricht.de, bei Facebook und bei Youtube.