Pro „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“: Endlich läuft wieder das Dschungelcamp im Fernsehen

Pro „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ : Endlich läuft wieder das Dschungelcamp im Fernsehen

Brauchen wir das Dschungelcamp? Natürlich nicht. Ist es trotzdem ein Highlight im deutschen Fernsehen? Definitiv. Kaum eine Sendung polarisiert so stark wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Dabei gibt es gute Gründe, mal einzuschalten.

Manch gesellschaftspolitische Debatte könnte von so einem Eifer träumen, mit dem das Format diskutiert wird. Oft sind die Verfechter der Reality-Shows in einer Verteidigungsposition, teilweise geben sie entschuldigend zu, zwei Wochen lang jeden Abend vor dem Fernseher zu sitzen. Zu Unrecht, denn das Dschungelcamp ist anders als andere Ekel-Shows.

Die „Stars“ kennen das Business und die Sendung. Sie gehen bewusst in die Totalüberwachung, um Aufmerksamkeit, Geld und Aufträge zu bekommen. Wir dürfen uns über sie lustig machen, weil sie dort freiwillig sind. Anders als bei „Bauer sucht Frau“ oder „Schwiegertochter gesucht“ werden hier keine medienfremden, naiven Menschen vorgeführt, sondern (Trash-)TV-Stars, die es darauf anlegen.

Der Ekelfaktor ist bei weitem nicht der einzige Grund, mindestens einmal eine Staffel anzugucken. Man mag die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich mögen oder nicht, aber das, was und wie sie moderieren, ist großes Kino. Die Autoren der Moderation machen nicht nur sarkastische, derbe Witze auf Kosten der „Stars“, sondern sie spielen dabei auf das aktuelle Tagesgeschehen an und unterhalten auf satirischem Niveau. Zu Recht war die Sendung 2013 für den Grimmepreis nominiert.

Wenn man die Serie mit einem kritischen Blick schaut, sich nicht alles von den RTL-Schnittkünstlern aufs Brot schmieren lässt und auf die gruppendynamischen  (und psychologisch interessanten) Entwicklungen achtet, der entdeckt in der Show mehr als nur Ekel, nackte Haut und fragwürdige Dialoge.