Aachen: Digitale Koch-Plattform „Casachef“: Zu Gast bei Fremden

Aachen: Digitale Koch-Plattform „Casachef“: Zu Gast bei Fremden

Es duftet süßlich in der Küche von Otmar „Otti“ Seifert, der Geruch von frisch gebackenen Brötchen liegt in der Luft. Auf einem Holztisch stehen Teller gefüllt mit Köstlichkeiten: Mangostücke, Weintrauben, Käse, Schinken, Lachs, Tomaten und Algen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei an diesem Sonntagmorgen in dem Haus im Aachener Stadtteil Beverau. Denn Otti hat zum Sektfrühstück geladen. Organisiert hat er das Event mit Hilfe von Casachef.

Casachef ist eine digitale Plattform, die in Aachen im Jahr 2016 von Studenten gegründet wurde. Mittlerweile gibt es mehrere Standorte in Deutschland, an denen die Plattform Fuß gefasst hat: darunter Köln, Essen, Koblenz und Hamburg. Andere Leute treffen, zusammen essen und kochen, eine schöne Zeit verbringen, und das alles zum Selbstkostenpreis — das ist die Grundidee hinter dem Konzept. Ob beim „Perfekten Dinner“, bei Mettbrötchen mit Gerstensaft oder Spaghetti Carbonara. Nach einer kostenlosen Registrierung auf der Internetseite kann jeder selbst ein Event planen oder sich als Gast für eine Veranstaltung anmelden.

Zwölf-Stunden-Event

Otti ist bereits zum dritten Mal Gastgeber. Und dabei hat er nicht nur Bekannte kennengelernt, sondern auch einiges erlebt. „Einmal ist ein Frühstück total ausgeufert“, erzählt er lachend. „Wir haben um zehn Uhr morgens angefangen und um zehn Uhr abends aufgehört.“ Keiner seiner Gäste machte Anstalten, nach Hause zu gehen Dann habe er vorgeschlagen, den Tierpark um die Ecke zu besuchen, als Scherz. Aber alle fanden die Idee gut. „Wir hatten wahnsinnig viel Spaß. Und danach haben wir noch vier, fünf Sektchen getrunken.“ Die Stimmung sei so gut gewesen, dass schließlich alle abends noch gemeinsam Tatort geguckt haben, berichtet er, während er eine Flasche Sekt öffnet, um seinen Gästen nachzuschenken.

Einer dieser Gäste ist Alex Kluck. „Normalerweise bin ich gar nicht so der Frühstücker. Mein Frühstück ist eigentlich Kaffee und Zigaretten. So ganz gesund in den Tag starten“, sagt er ironisch. Aber wenn man Brötchen und Co. so schön serviert bekomme, könne man es ja gar nicht ausschlagen. Der 37-Jährige studiert zur Zeit Betriebswirtschaftslehre. Und gehört somit genau zur Zielgruppe von Casachef. Die besteht nämlich aus Studenten, jungen Berufstätigen und Familien sowie Junggebliebenen.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 29 Jahren. Viele stoßen durch Zufall auf Casachef. So auch Otti. „Ich war damals bei einer Freundin zum French-Toast-Essen eingeladen, und ihre Bude war rappelvoll“, erzählt er. Er fragte sie, wer die ganzen Leute dort sind. Sie sagte: Fremde. Und das waren bis vor wenigen Stunden die Frühstücksgäste auch noch. Waren sie am Anfang noch reserviert, taut die Stimmung von Sekt zu Sekt auf.

Geschmäcker sind verschieden

Wie es im Studium läuft, wo man arbeitet, wann man das letzte neue Rezept getestet hat: Das sind die bestimmenden Themen. „Was ist das hier eigentlich?“, fragt Alex, den Blick auf eine Schüssel mit feucht-glänzenden, grünlich schimmernden Substanz gerichtet, die Otti ihnen vorgesetzt hat. „Algen — sehr gesund“, erklärt dieser. Alex greift zu und kaut langsam auf der Masse herum. „Hmm“, macht er, presst seine Lippen zusammen und schluckt. „Interessant“, sagt er und lacht. Dann schiebt er mit der Gabel den Rest der Algen an den Rand seines Tellers und greift zu seinem leeren Sektglas. „Otti, dürfte ich noch einen haben?“, fragt er. Die anderen schmunzeln. „Also ich finde die ganz lecker. Da kann man ruhig ab und an eine Portion von essen“, findet der Gastgeber. Und alle lachen. Dann knallt es. Der Korken der Sektflasche in Ottis Händen hat sich gelöst — die nächste Runde Sekt wird eingeschenkt.