Bei den Sofar-Sounds-Konzerten in Aachen steht Musik im Mittelpunkt

Interview mit Rana Elkholi : Bei „Sofar Sounds“ steht die Musik im Mittelpunkt

„Sofar Sounds“ ist eine Konzertreihe, die 2009 ihren Ursprung in London hatte. Seit gut einem Jahr finden auch in Aachen regelmäßig Sofar-Konzerte statt. Organisiert wird das Ganze von sieben engagierten jungen Leuten. Eine davon ist die 25-jährige Rana Elkholi. Wir Hier hat mit ihr gesprochen.

„Sofar“ steht für „Songs from a room“. Die Idee dahinter ist, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich eine begrenzte Anzahl an Zuhörern für ein paar Stunden voll und ganz auf die Musik von drei verschiedenen Künstlern konzentrieren kann. Und das in besonderer Umgebung: Oft finden die Konzerte in privaten Wohnungen statt. Rana Elkholi und ihre Freunde haben die Konzertreihe 2017 nach Aachen geholt.

Rana, wie ist die Idee entstanden, „Sofar Sounds“ auch in Aachen stattfinden zu lassen?

Rana Elkholi: Eine Freundin von mir war damals in Kairo und Köln auf einem Sofar-Konzert und kam total begeistert zurück. Ich war dann mit ihr in Maastricht bei einem Sofar-Auftritt. Und als wir zurück waren, dachten wir uns „Sowas müssen wir auf jeden Fall in Aachen anfangen“. Anfangs waren wir dann im Organisationsteam fünf Leute.

Wie viele seid ihr mittlerweile im Team?

Rana: Gerade besteht das Stammteam aus sieben Leuten. Einer von uns, Abdelrahman Elfar, ist unser sogenannter City Leader, er behält während der Planung den Überblick über alles. Wir freuen uns aber auch immer über Neue, die uns unterstützen wollen! Bei den Konzerten haben wir dann noch zusätzliche Helfer, da kommen wir auf 15 Leute. Wir machen das alle ehrenamtlich. Nur unser Videoteam bekommt einen kleinen Obolus, weil das Filmen und Schneiden der Videos so viel Arbeit ist.

Rana Elkohli hilft seit mehr als einem Jahr bei der Organisation von Sofar-Sounds-Konzerten. Foto: Valentin Schmitt

Wird der gesamte Abend gefilmt?

Rana: Nein, vor den Auftritten können die Künstler einen Song auswählen, den sie gerne online sehen würden und der wird dann gefilmt. So können die Gäste und Leute, die für den Abend keine Tickets bekommen haben, sich später dann die besonderen Songs noch mal auf der Sofar-Sounds-YouTube-Seite anschauen.

Das Sofar-Sounds-Konzept kommt eigentlich aus London. Musstet ihr euch mit den Erfindern absprechen, bevor ihr in Aachen anfangen konntet?

Rana: Wir haben direkt mit den Gründern in London Kontakt aufgenommen und die fanden es cool, in Aachen zu starten. Die meinten dann: „Bildet ein Team, wir schicken euch die organisatorischen Strukturen“, und dann ging’s los.

Welche organisatorischen Strukturen?

Rana: Gerade gibt es die Konzertreihe schon in über 400 Städten weltweit. Es gibt eine offizielle Website, auf der wir nur einstellen müssen, wann und wo unsere Konzerte stattfinden. Außerdem hat das Ursprungsteam uns noch gezeigt, wie man Künstler anschreibt und für sich gewinnt und coole Locations findet, weil wir das anfangs gar nicht kannten, wir haben ja vorher noch nie Events organisiert.

Apropos Locations: Ein Teil des Sofar-Charmes kommt auch von den besonderen Orten, an denen die Konzerte stattfinden: Nicht selten sind es sogar private Wohnungen oder Geschäfte, die als Veranstaltungsort dienen. Wie findet ihr in Aachen diese besonderen Plätze?

Rana: Also anfangs hatten wir echt Probleme, Locations zu finden, weil die Leute unser Konzept noch nicht kannten und ein bisschen Angst hatten. So nach dem Motto: „Okay wir laden jetzt 50 Leute zu uns ein, die wir überhaupt nicht kennen, wir wissen nicht, wer kommt“. Deswegen war der Einstieg etwas schwierig. Zuerst haben wir das dann über Freunde gemacht, die uns ihre Wohnung zur Verfügung gestellt haben. Wir haben dann ganz unterschiedliche Leute eingeladen, und als die Gäste gesehen haben, dass alles organisiert ist und nichts passiert, haben sie auch ihre Wohnungen und Läden angeboten. Im Moment kriegen wir super viele Anfragen von Menschen, die wollen, dass wir das bei ihnen organisieren.

Was war die coolste Location in Aachen für dich?

Rana: Irgendwie ist jeder Ort immer besonders, aber die Junge Kirche an der Normaluhr war zum Beispiel super. Das Sofar-Team in London gibt vor, dass 30 bis 100 Menschen pro Konzert dabei sein können. In der Kirche haben wir sogar 100 Gäste einladen können. Oder in der Gravieranstalt in der Ottostraße, das war auch toll. Das sind einfach Orte, die wir zum Beispiel auch gar nicht kannten, wo die Verantwortlichen sich dann bei uns gemeldet haben oder wo uns Freunde drauf aufmerksam gemacht haben.

Pro Konzert können drei Musiker auftreten. Wie wählt ihr die Künstler aus?

Rana: Meistens schicken die Künstler uns Videos mit Live-Auftritten, die wir uns alle anschauen, und dann wird im Team abgestimmt. Wir versuchen immer, Künstler aus der Region speziell zu fördern. Wir hatten aber auch schon welche aus den USA dabei, die dann über eine Sofar-Tour bei uns gespielt haben. Wir schauen, dass es immer unterschiedliche Musikrichtungen sind und jeder angesprochen wird.

Um auf ein Sofar-Sounds-Konzert zu kommen, muss ich mich anmelden (siehe Infobox). Wann erfahre ich, ob ich dabei bin?

Rana: Eine Woche vorher werden die E-Mails rausgeschickt an diejenigen, die eine Karte bekommen haben. Wir wählen im Team aus, wer dabei sein kann. Dabei versuchen wir zum Beispiel ein ausgeglichenes Publikum von „Old-Timern“ und „New-Comern“ auszusuchen. Und einen Tag vor dem Konzert wird bekanntgegeben, wo das Konzert stattfinden wird.

Warum wartet ihr mit der Bekanntgabe so lange?

Rana: Wenn wir es früher verraten, gucken sich die Leute die Location eventuell an, und das wollen wir nicht. Das Ganze soll eine Überraschung sein, und die Gäste sollen den Ort auf sich wirken lassen können.

In Aachen gab es jetzt schon zehn Konzerte, Samstagabend (19. Januar) findet das elfte statt. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn du an die ganzen Konzerte denkst?

Rana: Die Reaktion von den Leuten nach dem Konzert beeindruckt mich jedes Mal wieder. Das Feedback, das wir bekommen, ist echt das Beste. Wenn man wirklich im Organisatorischen steckt, hat man die ganze Zeit Stress: Haben wir genug Fotografen? Ist die Musik gut? Werden die Gäste gut betreut? Aber sobald es anfängt, fällt die Anspannung ab, und die gute Rückmeldung nach den Konzerten ist dann echt super.

Spielst du selbst auch ein Instrument?

Rana: Ich habe ein bisschen musikalischen Hintergrund, aber ich sehe mich auf jeden Fall auf der organisatorischen Seite. Auftreten kann ich auf keinen Fall.

Wie viel Zeit investierst du in die Organisation von den Sofar-Konzerten?

Rana: Ich habe Architektur in Aachen studiert und arbeite mittlerweile in Köln. Sofar organisiere ich nebenbei. Pro Woche nimmt das drei Stunden in Anspruch. Wir treffen uns auch oft in Aachen, um die Locations anzuschauen. Aber auch nicht nur als Sofar-Meetings, wir sind in der Gruppe richtig gute Freunde geworden.