Aachen: Band FjØrt: Nur gemeinsam kommt man ans Ziel

Aachen: Band FjØrt: Nur gemeinsam kommt man ans Ziel

Wenn die Band FjØrt auf die Bühne tritt, dann gibt es ordentlich was auf die Ohren. Die Aachener Posthardcore-Band ist laut, brachial und immer erfolgreicher - und das im ständigen Balanceakt zwischen Musik und Beruf. Heute sind David Frings (Bass, Gesang), Chriss hell (Gesang, Gitarre) und frank Schophaus (Schlagzeug) im Rahmen ihrer Deutschalndtour auf Heimatbesuch im Musikbunker Aachen.

Vor vier Jahren habt ihr euch zu ersten gemeinsamen Proben getroffen. Mittlerweile spielt ihr reihenweise ausverkaufte Shows. Wie erklärt ihr euch diesen steilen Aufstieg?

David: Das kann man gar nicht erklären. Es ist wunderbar, dass das so passiert ist. 2012 haben wir uns getroffen mit dem Ziel, laute und krachige Musik zu machen. Man darf jetzt nicht denken, dass am Anfang viele Leute zu unseren Konzerten gekommen wären. Wir haben drei Jahre lang vor 20 bis 40 Leuten gespielt. Es hat sich keiner dafür interessiert, was wir machen, und das ist ja auch absolut verständlich. Man ist schließlich so unbekannt wie ein Kinderriegel, der nicht in der Werbung ist. Mit der neuen Platte kam auf einmal der Schneeballeffekt. Das war für uns auch ungewohnt, dass jemand bei uns anrief und sagte: Ihr seid ausverkauft, 400 Leute haben für euch Tickets gekauft.

Welchen Einfluss hatte Aachen auf eure Musik?

David: Aachen hatte einen ganz großen Einfluss auf uns. Wir waren hier in jungen Jahren auf vielen Veranstaltungen, es gab viele sogenannte local heroes. Das waren Bands wie Sheridan, For the day und Eaves, um nur ein paar zu nennen. Die älteren Musiker haben uns Jüngere gerne an die Hand genommen und uns unterstützt. Wir haben so gelernt, dass man nur miteinander ans Ziel kommt. Für mich war damals die Band aus Aachen wichtiger als die Band aus Amerika. Leider ist es dann so gekommen, dass viele unserer „local heroes“ in andere Städte gezogen sind, ihren Jobs nachgehen mussten, Familie hatten und die Szene ein bisschen ausgedünnt ist.

2015 seid ihr zum Hamburger Label Grand Hotel van Cleef, bei dem auch Tomte und Kettcar unter Vertrag sind, gewechselt. Bedeutet das die Abkehr von eurer Heimatstadt?

Chris: Wir finden es zwar immer ganz schön, für ein paar Tage nach Hamburg oder Berlin zu kommen, doch unsere Basis hier in Aachen ist uns schon sehr wichtig. Dadurch, dass Aachen keine pulsierende Großstadt ist und man nicht jeden Abend irgendwohin gehen muss, kann man gut viele Abende und Tage mit der Musik verbringen. Man wird nicht so viel abgelenkt.

Eure Songtexte lassen mitunter auch viel Raum zur Interpretation. Warum ist euch diese Art des Textens so wichtig?

Chris: Ich selber finde es bei anderen Bands sehr interessant und spannend, wenn ich eine Art Eigenleistung mit einbringen muss. Wenn ich mir etwas anhöre und nicht sofort weiß: In diesem Song geht es um die Trennung von der Freundin vergangene Woche Mittwoch um 17 Uhr. Ich finde es stattdessen extrem belohnend, wenn ich einen Song höre, der etwas in mir triggert, der ein Gefühl ansticht, das ich selbst schon mal erlebt habe. Wenn ich Texte schreibe, werden sie deshalb auch nie exakt eine Situation festnageln, sondern immer ambivalent sein.

Euer aktuelles Album heißt „Kontakt“. Wieso?

David: Ich hatte mich beim Schreiben der Songs gefragt, was das Wort Kontakt eigentlich bedeutet. Du bist in Kontakt mit 25 Leuten am Tag, ob bei der Arbeit oder privat. Aber was davon hat Bestand? Wer steht dir überhaupt nahe? Unsere Welt ist so unglaublich krass vernetzt, dass wir die Möglichkeit haben, zu jedem Zeitpunkt mit allen und jedem zu reden. Aber warum gibt es dann noch so viele Probleme? Das war der Oberbegriff für die komplette Platte.

Und was hat es mit dem Namen FjØrt auf sich?

Frank: Der Name kam bei den Proben auf. Wir hatten die Assoziation, dass unsere Musik wie ein norwegischer Fjord klingt. Echt, massiv, groß. Dann haben wir das „d“ am Ende durch ein „t“ ersetzt und einen Strich durchs „o“ gezogen, weil wir das irgendwie schicker fanden.

David: Uns hat mal jemand gesagt, dass FjØrt auf norwegisch 14 heiße oder es ein umgangssprachliches Wort für Furz sei.

Frank: Das wussten wir vorher nicht, aber das finden wir eigentlich auch ganz nett.

Jetzt seid ihr erst einmal auf Deutschlandtour. Wie sehen abgesehen davon eure Pläne aus?

Chris: Dieses Jahr war wirklich sehr ereignisreich für uns. Deshalb wollen wir nächstes Jahr ein bisschen runterschrauben und gucken, dass wir wieder für uns allein Musik machen.

David: Wir haben wieder Lust, Sachen zu Papier zu bringen. Ich mein: Wir sind Öcher Jungs, ganz klein, und wir durften dieses Jahr auf dem Highfield auf Rammsteins Bühne spielen! Drei Mann auf so einem Tennisplatz. Ich wusste gar nicht, wo ich hinlaufen soll, weil die Bühne einfach viel zu groß war. Das ist so surreal, das ist so weit weg. Da ist jetzt abkühlen angesagt.

Heute kehrt ihr in den Musikbunker Aachen zurück. Wird das für euch ein lockeres Heimspiel?

David: Du glaubst gar nicht, wie viel Respekt wir vor Aachen haben. Es ist unsere Heimatstadt, aber wir wissen auch, dass die Szene hier sehr viel kleiner ist als zum Beispiel in Köln oder Berlin. Für uns wäre es sehr schön, wenn wir dem Musikbunker was zurückgeben und als lokale Band den Laden vollmachen könnten.

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