Asta der RWTH Aachen informiert über Studium und Finanzierung

Bafög, Stipendium oder Nebenjob? : Das Problem mit der Finanzierung im Studium

Wer heutzutage studiert, muss zwar keine Studiengebühren mehr zahlen. Trotzdem ist es für viele Menschen immer noch schwierig, sich das Studium leisten zu können. Warum das so ist und welche Möglichkeiten es gibt, erklärt der Asta der RWTH Aachen.

Der Traum vom Studium mit lehrreichen Vorlesungen, tollen Partys und viel Freizeit ist nicht für jeden Realität. Für die meisten Menschen steht vor allem die Frage im Raum: Wie finanziere ich das alles? Denn neben der Miete müssen auch die Kosten für Essen und Bücher irgendwie gezahlt werden. Außerdem wünscht man sich auch mal die ein oder andere Aktivität mit Freunden. Wie schwierig die Finanzierung sein kann, wissen die Mitarbeiter des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Und sie wissen auch: Viele Studienanfänger unterschätzen diese Herausforderung.

„Man denkt zu Beginn gar nicht wirklich über Geld nach, weil das Studium so ein aufregender neuer Lebensabschnitt ist. Aber es ist schon ein großer Organisationsaufwand, den man leisten muss“, sagt Johann Vohn, Projektleiter im Sozialreferat. Vor allem Bafög und Stipendien müsse man mit Vorlaufzeit beantragen. Bei Studienbeginn sei es eigentlich schon zu spät, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Rund um die Vorabiklausuren ist eigentlich ein guter Zeitpunkt, um sich über solche Dinge zu informieren“, rät Marc Gschlössl, Vorsitzender des Asta.

Deshalb versuchen die Mitarbeiter, bereits an Schulen ein Bewusstsein zu schaffen und für das Thema zu sensibilisieren – auch die Eltern. Denn die könnten häufig Hilfestellung leisten, wenn es um die Organisation der Anträge geht. „Eltern können Angebote und Informationen sammeln“, sagt Aline Sylla und fügt hinzu: „Wichtig ist auch die Unterstützung auf emotionaler Ebene.“

Damit aber die Schüler überhaupt erst mal vom Thema Finanzierung erfahren, hat der Asta jetzt den Tag der Studienfinanzierung organisiert. Dieser richtet sich explizit an Schüler, die im kommenden Jahr ein Studium anstreben. Aber auch Studenten können sich informieren. Denn auch das stellen die Mitarbeiter immer wieder fest: Während des Studiums können noch einige finanzielle Herausforderungen hinzukommen. Und: Viele kennen die zahlreichen Möglichkeiten zur Finanzierung gar nicht.

Von Stipendien über Bafög bis zu Nebenjobs

Zum Beispiel ist da das Thema Stipendium. „Viele Stiftungen gucken nicht nur auf Noten, sie bewerten auch soziales Engagement oder Ehrenamt“, betont Sylla. Das sei vielen nicht bewusst, weshalb sie die Chance nicht wahrnehmen, sich für Stipendien zu bewerben. Syllas Appell: „Man sollte sich das auf jeden Fall zutrauen!“ Es sei zwar mit Aufwand verbunden, doch in vielen Fällen lohne es sich – vor allem finanziell.

Ein weiterer großer Themenkomplex, zu dem die Asta-Mitarbeiter in ihrer kostenlosen Erstberatung informieren, ist Bafög. Die Abkürzung steht für das sperrige Wort Bundesausbildungsförderungsgesetz, womit Studenten vom Staat unterstützt werden. Ähnlich umständlich wie das Wort ist häufig auch der Weg hin zum Geld.

„Bafög ist schon immer eine komplizierte Kiste gewesen“, sagt Johann Vohn. Häufig müsse man mehrfach Dokumente nachreichen, sodass sich der Prozess über eine lange Zeit hinziehe. Doch irgendwann werde das Geld knapp und das Thema dränge. „Bafög ist eine gute Sache, aber der Aufwand ist teilweise gigantisch. Da gibt es schon den Wunsch, das zugänglicher und weniger zeitintensiv zu machen.“

Zudem sei Bafög nicht immer wirklich ausreichend, sondern häufig eine Beihilfe. Der Bafög-Höchstsatz für das Jahr 2019 liegt bei 850 Euro inklusive Beitrag für die Krankenkasse (ohne sind es 735 Euro). „Davon kann man wohnen und essen, aber nicht wirklich viel leben“, sagt Aline Sylla. Der Ausgleich, den man brauche, um gut zu studieren, sei so meist nicht finanzierbar. Hobbys, Ehrenamt, soziales Leben – all das sei nur sehr eingeschränkt möglich.

Studenten, die dann auf die Idee kommen, sich neben dem Bafög noch einen Job zu suchen, müssen aber aufpassen. „Die Kombination ist ein schwieriges Konstrukt“, sagt Marc Gschlössl. Es gebe genaue Vorgaben, was neben dem Bafög noch alles erlaubt sei und wie viel Geld man selbst beisteuern dürfe.

Grundsätzlich ist ein Nebenjob als Student allerdings weit verbreitet. „Wenn man sich selbst finanziert, geht es ja meistens gar nicht ohne Arbeit“, sagt Gschlössl. Doch man müsse darauf achten, dass man Studium und Arbeit nicht gegeneinander ausspiele. Das Studium sei immer noch der Vollzeitjob. Johann Vohn betont: „Wenn man nicht aufpasst, löst man eine regelrechte Kettenreaktion aus, die dann nicht mehr so leicht gestoppt werden kann.“ Wenn man mehr arbeite, leide darunter eventuell das Studium, was wiederum dazu führt, dass man länger studiert, weswegen man auch länger auf den Nebenjob angewiesen ist.

Eine gute Möglichkeit seien studentische Hiwi-Jobs an der jeweiligen Hochschule. Sowohl die RWTH als auch die FH bieten zum Beispiel an Instituten Stellen an, die mit dem Studium vereinbar sind. Zudem könne man dort schon praktische Erfahrung in einem Feld sammeln, was auch in die Richtung des späteren Berufs gehe.

Grundsätzlich haben die Asta-Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gelernt, dass jeder mit seinem ganz persönlichen Schicksal zum Beratungsgespräch kommt. Kein Fall sei wie der andere, immer müssten individuelle Lösungen gefunden werden. Aber Johann Vohn ist sich in einem sehr sicher: „An der Finanzierung sollte ein Studium in Deutschland nie scheitern.“