Ariana Krasniqi zeigt ihre Kollektion beim CHIO in Aachen

Modewelt : Von der Fashion Week zum CHIO

Ariana Krasniqi träumt davon, ein eigenes Label zu haben. Die 23-Jährige hat in Düsseldorf ihr Diplom gemacht. Sie präsentiert ihre Abschlusskollektion in der kommenden Woche zunächst in der Modestadt Paris. Besonders freut sich die Aachenerin darauf, dass ihre Kleider beim diesjährigen Weltfest des Pferdesports in der Soers gezeigt werden.

Nach der Haute Couture Fashion Week ist vor dem CHIO. Zumindest für Ariana Krasniqi. Auf die 23-Jährige warten spannende Tage. Ab dem morgigen Sonntag werden auf den Laufstegen in Paris wieder die neuesten Kollektionen präsentiert. Von Chanel, Giorgio Armani – und Ariana. Die Aachenerin wird dabei sein, wenn Models ihre Kollektion Enigmë tragen und damit vor einem Fachpublikum auf und ab laufen. Knapp zwei Wochen später, am 16. Juli, werden dann auch die Besucher des Weltfests des Pferdesports in der Aachener Soers die Möglichkeit haben, einen Blick auf die acht Kleider zu werfen, die Ariana im Rahmen ihrer Diplom-Abschlussprüfung am Fashion Design Institut in Düsseldorf entworfen hat.

Für die Studentin ist speziell das zweite Event etwas ganz Besonderes. Als sie vor einem Monat erfahren hatte, dass ihr Institut durch eine Kooperation mit den CHIO-Organisatoren das diesjährige Partnerland Frankreich in der Soers vertreten wird, war für Ariana klar: „Du bist Aachenerin, da musst du dabei sein.“ Ihr sei bewusst, dass „viele beim CHIO wahrscheinlich keinen Bezug zu Fashion haben“. Trotzdem hoffe sie, dass einige „beim Anblick der Kollektion dann doch Interesse entwickeln“ und ihre Arbeit zu schätzen wissen.

Der Aufwand war groß. Knapp neun Monate hat Ariana für ihre acht Kleider gebraucht. Zeit ist ein hohes Gut in ihrem Studiengang. „Du arbeitest nicht nur an den Kollektionen. Du lernst für die Klausuren, bereitest Foto-Shootings oder Fashion Shows vor und hast Praktika“, sagt die 23-Jährige. Für die Abschlussprüfung habe sie bis Dezember 2018 an den Skizzen gearbeitet. In dieser Kreativphase sammelte und zeichnete sie erst mal in ihrer sogenannten Prozessmappe alles, was ihr zu dieser Zeit durch den Kopf ging und was sie inspirierte.

Anschließend begann die Suche nach den geeigneten Stoffen für die Kleider, für die sie auch in den Nachbarländern Belgien und Niederlande reiste.  „Viele fragen mich: Ariana, hast du überhaupt einen festen Wohnsitz?“, sagt die 23-Jährige und lacht. Ab Januar begann dann die „schwierigste Aufgabe“: Jedes der acht Kleider wurde mit der Hand genäht. Das bedeutet: Stress. „Während des Studiums kamen immer wieder Menschen auf mich zu und fragten mich, ob ich etwas für sie nähen könnte. Dazu bin ich nie gekommen. Für mich selbst habe ich noch nie etwas entworfen“, sagt Ariana. Nach der Kollektion ist vor der Kollektion. Doch die Aachenerin sagt auch über die Belastung: „Es ist auch positiver Stress, wenn du dann am Ende siehst, was da entstanden ist.“

Design und Fashion waren schon immer Arianas große Leidenschaft – und wurden ihr auch ein wenig in die Wiege gelegt. Ihre Oma war Schneiderin, ihre Mutter ebenfalls. Schon als Kind hatte sie einen eigenen Blick auf Mode. „Meine Eltern durften mir nie etwas kaufen, ich wollte immer selbst entscheiden. Oder es gab Ärger zu Hause“, sagt sie und schmunzelt dabei. Nachdem sie dann am Berufskolleg Aachen ihren Abschluss in Gestaltung und Technik gemacht hatte, stand für Ariana endgültig fest, dass es beruflich in Richtung Fashion und Design gehen sollte. „Du kannst dich bei Fashion voll austoben und dich von allem inspirieren lassen“, nennt Ariana als Hauptgrund für ihre Studienwahl.

Das Fashion Design Institut in Düsseldorf war in der Bewerbungsphase ihre erste Wahl, auch aufgrund der Nähe zu Aachen und ihrer hier lebenden Familie. Als Ariana dann direkt eine Zusage erhielt, war die Entscheidung schnell gefallen. In insgesamt sieben Semestern bekam die Studentin dann theoretisch und praktisch die Kunst des Nähens und Entwerfens vermittelt.  „Zuerst schauen sie, wie kreativ du bist, und danach geht es eigentlich erst an die Fashion-Sache. Mein erstes Outfit war total verrückt, das hatte nichts mit Mode zu tun, da konnte man überhaupt nicht drin sitzen“, sagt Ariana. Am Anfang sei es ihr eher wie ein Kunst-, und nicht wie ein Fashion-Studium vorgekommen.

Ein Studium, das seinen Preis hat. An der Privatschule zahlen die Studenten mehrere hundert Euro Studiengebühren – pro Monat. Dazu kommen weitere Kosten für Foto-Shootings, Reisen zu Modenschauen und für die Entwürfe von Kleidern, die die Studenten zum großen Teil selbst tragen müssen. Kein Wunder, dass viele Fashion-Design-Studenten das Studium vorzeitig abbrechen müssen, da sie es finanziell nicht mehr gestemmt bekommen. Auch Ariana hat miterlebt, wie einige ihrer Kommilitonen irgendwann nicht mehr dabei waren.

Finanzielle Unterstützung notwendig

Ohne BAföG und die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern könnte die 23-Jährige ihr Ziel, Modedesignerin zu werden, vermutlich nicht weiterverfolgen. „Meine Eltern sagen immer: Wenn du mit der Uni fertig bist, sind wir echt froh“, sagt Ariana. Dass sie nun ihren Diplom-Abschluss in Düsseldorf geschafft hat, wertet sie deshalb auch nicht nur als Erfolg für sich selbst: „Ich freue mich für mich, dass ich das Diplom habe. Und ich freue mich, dass meine Eltern sehen, dass ich damit fertig geworden bin, auch dank ihrer Unterstützung.“

Arianas Traum ist es, später einmal ein eigenes Label zu haben und selbstständig zu sein. Der Konkurrenzkampf ist aber groß in der Modewelt, sagt sie. Wichtig sind der Aachenerin vor allem zwei Dinge: Sie möchte auf jeden Fall „nicht wie H & M werden“. Das heißt: Keine Massenproduktion, sondern jeder Kunde soll etwas Einzigartiges bekommen. Auch von Kleidern, die mehrere tausend Euro kosten, hält sie nicht viel, auch wenn sie durch das Studium verstanden hat, wie solche astronomischen Preise zustande kommen.

Die acht Kleider von Arianas Abschlusskollektion, die beim CHIO präsentiert werden. Foto: Lars Voßen

Wurde doch der Verkaufswert ihres letzten Kleides der Abschlusskollektion von den Prüfern auf knapp 4000 Euro taxiert. Einzigartige Kleider für besondere Anlässe zu entwerfen, die sich nicht nur Superreiche leisten können, ist Arianas Idealvorstellung. Beispielsweise für Hochzeiten. Vielleicht findet die Aachenerin nach dem Studium nun sogar Zeit, hierfür an sich selbst zu üben. Im August zieht sie nach Schweden, wo ihr Verlobter bereits auf sie wartet. Ihr Hochzeitskleid selbst zu entwerfen, könne sie sich definitiv vorstellen, sagt Ariana und lacht dabei.

Vor dem Umzug stehen nun erst mal die Haute Couture Fashion Week in Paris und der CHIO in der Aachener Soers an. Ariana freut sich nach Abschluss ihres Studiums auch aus einem anderen Grund darauf: „Ich komme mir im Moment total blöd vor, nichts zu machen, weil ich dieses Gefühl überhaupt nicht kenne.“

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