Region: Altenpfleger im Ausland: „In Spanien ist der Umgang mit den Menschen entspannter“

Region: Altenpfleger im Ausland: „In Spanien ist der Umgang mit den Menschen entspannter“

Andreas Scheider (30) aus Eschweiler macht eine Ausbildung zum Altenpfleger in der Pflegeeinrichtung Pro 8 in Würselen. Aktuell erlebt er als Erasmus-Praktikant den Alltag in einer Pflegeeinrichtung in Tàrrega bei Barcelona. Wir Hier hat mit ihm gesprochen.

Wir Hier: Sie arbeiten in Würselen mit demenzkranken Menschen. Wo sind sie in Spanien gelandet?

Schneider: Ich arbeite hier in einer regulären Seniorenresidenz. Die Menschen, die hier leben, sind wirklich sehr alt, viele zwischen 90 und 100 - die meisten sind aber noch sehr fit und nicht dement. Für mich ist es eine wahnsinnige Erfahrung, mit Menschen zu arbeiten, die kognitiv noch so fit sind.

Wir Hier: Erledigen Sie die gleichen Aufgaben wie in Würselen?

Schneider: Ich habe erst viel zugeguckt, dann versucht, mitzumachen und mich einzufügen. Je länger man das macht, desto mehr Routine kommt rein. Waschen und Anziehen ist natürlich überall das gleiche, die Verständigung ist aber manchmal schwierig. (lacht)

Wir Hier: Sie können ein bisschen Spanisch, in Tàrrega spricht man aber vor allem Katalanisch. Wie klappt das?

Schneider: Mit den Kollegen ist es oft eine Herausforderung, aber das macht es auch spannend. Wir nutzen Google Translate und verständigen uns irgendwie in vier Sprachen — Katalanisch, Castellano, Englisch, Deutsch. Mit den Bewohnern geht sehr viel Kommunikation über Mimik und Gestik. Die Menschen sind sehr liebevoll. Das gilt auch für den Umgang auf der Straße: Ich habe das Gefühl, Spanien ist voller Liebe!

Wir Hier: Was ist anders als im deutschen Pflegewesen?

Schneider: In Deutschland geht sehr viel Zeit für die Dokumentation drauf, gleichzeitig bleibt dann weniger Zeit für den Bewohner. In Spanien steht der Mensch mehr im Mittelpunkt, man beschäftigt sich sehr viel mit den Bewohnern. Der ganze Umgang ist irgendwie ruhiger und entspannter. Vom Pflegenotstand merkt man hier nichts.

Wir Hier: Wie ist es mit der Bezahlung?

Schneider: Die Menschen verdienen hier viel weniger als bei uns. Wenn sie ausgelernt sind, bekommen sie so viel wie wir in Deutschland im zweiten Ausbildungsjahr. In Deutschland kann man von einem Pflegegehalt leben, in Spanien arbeiten dagegen sehr viele Frauen als Zuverdiener in der Pflege.

Wir Hier: Können Sie sich vorstellen, für längere Zeit im Ausland zu arbeiten?

Schneider: Ich habe zu Hause eine Frau und zwei Kinder, also erst einmal nicht. Aber nach Abschluss des Praktikums bekomme ich den Europass, mit dem meine Ausbildung auch im Ausland anerkannt wird - damit bleibt die Option auf jeden Fall offen.

(kt)
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