Wir Hier: Freundschaft ist wichtig

Wir Hier : Warum unsere Freunde so wichtig sind

Sie begleiten uns oft über Jahre, kennen unsere intimsten Geheimnisse und haben die wildesten Partys mit uns gefeiert: unsere Freunde. Sie sind heute wichtiger denn je. Und das zu Recht.

„Ich liebe dich.“ Diesen Satz hat nicht etwa meine Mutter oder ein Partner zuletzt zu mir gesagt, sondern eine gute Freundin. Als wir in gemütlicher Runde zusammengesessen und uns darüber unterhalten haben, wie wichtig wir uns sind, war das die Antwort auf die Frage, was wir denn füreinander empfinden. Mag so eine offene Liebesbekundung unter Freunden zunächst auch ein wenig verwunderlich klingen, ist sie letztlich doch ganz logisch: Denn neben Familie und Partnerschaften zählen auch Freunde zu den zentralen und wichtigsten Menschen in unserem Leben.

Guten Freunden vertrauen wir unsere persönlichen Gedanken an, teilen einen großen Teil gemeinsamer Erlebnisse und somit auch ein Sammelsurium an Erinnerungen. Aber nicht nur für eine erlebnisreiche Freizeitgestaltung brauchen wir Freunde. Auch unsere Gesundheit profitiert von ihnen. Diplompsychologin Cornelia Balazs an der FH Aachen weiß: „Durch unsere Freunde erleben wir Nähe, Wertschätzung und haben das Gefühl, gebraucht zu werden.“

Ein größerer Stellenwert

Dadurch seien sie eine psychische Stütze für uns. Besonders in einer Gesellschaft, in der traditionelle Familienbilder nicht mehr zwangsläufig gelebt werden, nehmen Freunde einen immer größeren Stellenwert ein. So gaben in einer Statista-Studie aus dem Jahr 2016 etwa 62 Prozent von rund 2000 Befragten an, dass Freunde immer wichtiger werden, weil sich der Familienzusammenhalt lockert. Rund 42 Prozent sagten sogar, dass Freunde „wie ein Familienersatz“ für sie sind.

Je länger wir unsere Freunde dabei kennen, desto wahrscheinlicher ist es, dass uns ein inniges Verhältnis verbindet: Wir wissen etwa über die Macken des anderen Bescheid und haben eine Vertrauensbasis, die sich über Jahre entwickelt hat. Dennoch kann man laut Balazs auch im fortgeschrittenen Alter noch feste Freundschaften knüpfen: „Auch wenn es uns zunächst so vorkommt, als komme nichts an bestehende Freundschaften heran – neue Bekanntschaften, etwa durch gleiche Lebensumstände bedingt, haben auch das Potential, sich zu tiefen Verbindungen zu entwickeln.“ Wichtig sei es immer, viel Zeit miteinander zu verbringen, um sich gut kennenzulernen. So merke man etwa im gemeinsamen Urlaub, anders als bei kurzen Treffen im Café, ob man sich wirklich gut versteht.

Neben Sympathie sind noch eine Reihe anderer Dinge in einer Freundschaft für uns wichtig, wie das Sinus-Institut für Sozial- und Marktforschung im Juli diesen Jahres erforscht hat:  Von 2045 Befragten gaben 71 Prozent an, dass  der ehrliche Umgang miteinander eine gute Freundschaft auszeichnet; weiteren 70 Prozent war es wichtig, mit ihren Freunden über alles reden zu können, und füreinander da zu sein, wenn man sich braucht. Regelmäßiger Kontakt, gemeinsame Überzeugungen, sowie das Gefühl, den anderen richtig gut zu kennen, waren ebenfalls häufig genannte Antworten.

Freiraum ist wichtig

Bei allen Gemeinsamkeiten gilt es dennoch, dem Freund auch genügend Freiraum zu lassen, weiß Balazs: „Je nach Typ legt man auf unterschiedliche Dinge Wert. Dem einen kann es reichen, sich ab und an zum Sport zu treffen, während der andere erwartet, mehrmals in der Woche zu telefonieren.“ Auch durch andere Lebensumstände, etwa durch eine neue Partnerschaft des einen Freundes, kann sich die Qualität der Freundschaft ändern. „Es kann vorkommen, dass sich der andere zurückgelassen fühlt“, sagt Balazs. Dann sei es wichtig, gegenseitig Verständnis füreinander aufzubringen und die Bedürfnisse des anderen zu akzeptieren.

Denn wenn wir uns so annehmen, wie wir sind, können wir uns sicher sein, dass unsere Freunde gerne Zeit mit uns verbringen, sich vor uns öffnen und uns vertrauen. Und, dass sie uns lieben.