Aachen/Monschau: „Wie wollen keine Schule missionieren”

Aachen/Monschau: „Wie wollen keine Schule missionieren”

Ob Fusionen oder neue Unterrichtsmodelle: Wenn eine Schule vor großen Umbrüchen steht, sehen sich die Betroffenen oft großen Aufgaben gegenüber. Um diese bewältigen zu können, kann Hilfe von außen sehr wichtige Impulse setzen.

So setzt das Bildungsbüro der Städteregion seit Beginn des Jahres sogenannte Schulentwicklungsbegleiter ein, um Schulen bei komplexen Prozessen zu begleiten. Derzeit befinden sich zwölf Personen in der Ausbildung zum Schulentwicklungsbegleiter.

Besonders groß ist der Umbruch, wenn die gesamte Schulstruktur verändert wird. Das geschieht derzeit in der vielerorts: Schulen werden aufgrund von niedrigen Anmeldezahlen zusammengelegt - wie etwa jetzt in Monschau. Dort fusionierten die Grundschulen Imgenbroich und Konzen. Die neue Schulleiterin Marion Wernerus hatte mit einer Menge praktischer Probleme zu kämpfen: Wie sollen die Zeugnisse aussehen? Welches Kind muss mit dem Bus fahren? Werden die dritte und die vierte Klasse getrennt oder gemeinsam unterrichtet? „Das war eine Fusion von zwei Schulen, die inhaltlich anders gearbeitet haben”, sagt Wernerus.

Schulrat Christoph Esser weiß, wie anstrengend der Prozess der Zusammenführung für Eltern, Schüler und Lehrerkollegium ist. „Es ist schnell beschlossen, zwei Schulen zusammenzulegen. Aber dann beginnt der Prozess des Zusammenwachsens erst.” Und das ist schwierig. „Eigentlich wollen die Lehrer und die Eltern keine Zusammenlegung. Aber es gibt die Notwendigkeit. Man muss Traditionen und Wertvorstellung der Menschen an beiden Schulen berücksichtigen”, sagt Esser.

Dabei hilft an der Grundschule Imgenbroich-Konzen Schulentwicklungsbegleiter Willi Beckers. Er leitet die gemeinsamen Schulkonferenzen, stimmt sich regelmäßig mit Schulleiterin Wernerus ab und würde bei großen Streitigkeiten auch eine Schlichterrolle übernehmen. „Ich unterstütze bei organisatorischen Dingen, wie Raumplanung oder dem Einsatz von Schulbussen”, erklärt Beckers. Viel wichtiger sei aber die inhaltliche Arbeit mit den Pädagogen. Die Schule brauche ein Leitbild. „Wir müssen immer von eine normativen Grundlage ausgehen.” Darauf könne man die Unterrichtskonzepte weiterentwickeln. „Der Unterricht ist ein hochsensibles Thema. Die Lehrer definieren sich darüber. Das ist schwierig den zur Disposition zu stellen.”

Dabei wollen die Schulentwicklungsbegleiter keine Vorgaben machen und keine Schule in eine bestimmte Richtung drängen. „Die Begleiter geben keine Lösungen vor, sondern unterstützen beim Umsetzen von Lösungen. Denn die Schulen wissen am besten was sie brauchen und wo sie in Zukunft hin wollen”, erklärt Gabriele
Roentgen vom städteregionalen Bildungsbüro.

Die Schulentwicklungsbegleiter nehmen die ablaufenden Prozesse unter die Lupe und suchen Wege diese zu verbessern. Für die rund 200 Schulen in der Städterregion werden derzeit zwölf Schulentwicklungsbegleiter weitegebildet. Zwar bringt jeder, der sich ausbilden lässt, eine Menge Erfahrung mit.

Doch bei den Dozenten des Aachener Bildungswerks Ada-Sophia Luthe und Alfons Döhler lernen sie noch eine Menge über Prozessbegleitung, Veränderungsmanagement, Organisationsentwicklung und Kommunikation. „Es ist wichtig, dass jeder seine Rolle kennt. Wir wollen keine Schule missionieren”, erklärt Luthe.

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