Kreis Düren: Wie sicher fühlen sich die Bürger?

Kreis Düren: Wie sicher fühlen sich die Bürger?

Das Thema Sicherheit und Ordnung wird in Düren heftig diskutiert. Die CDU hat angeregt, einen Ordnungs- und Servicedienst nach Düsseldorfer Vorbild zu gründen. Wie schätzt die Polizei die Situation in Düren ein? Wo setzt sie Schwerpunkte bei ihrer Arbeit? Im Interview mit unserer Zeitung spricht Polizeidirektor Jürgen Möller über die alltäglichen Herausforderungen der Polizeiarbeit.

Viele Dürener empfinden ihre Stadt offenbar als unsicher. Welche Rolle spielt das sogenannte subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger für die Polizei?

Möller: Das subjektive Sicherheitsempfinden ist ein bedeutender Faktor für unsere Aufgabenerfüllung.

Das bedeutet?

Möller: Angst mindert die Lebensqualität der Menschen. Wir nehmen die Ängste der Menschen ernst. Wir untersuchen, was an den zunächst subjektiven Ängsten der Bürger zählbar und real ist, also objektivierbar. Einige Deliktbereiche wie Wohnungseinbrüche und die Straßenkriminalität sind dabei klar wahrnehmbar. Sie sind deswegen auch Teil unseres Sicherheitsprogramms. Diese Bereiche sind Schwerpunkte unserer Arbeit. Wichtig ist es aber auch, subjektive Ängste zu rationalisieren.

Wie lässt sich ein Gefühl wie Angst versachlichen?

Möller: Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Eine ältere Dame hat große Angst, auf der Straße überfallen zu werden. Statistisch gesehen geschieht das aber nur sehr selten. Ein junger Mann hingegen fühlt sich stark, rechnet nicht mit einem Angriff oder Überfall. Dennoch werden junge Männer statistisch am häufigsten Opfer derartiger Straftaten. Es ist wichtig, dort entgegenzuwirken, wo es möglich ist. Irrationale Ängste dürfen sich nicht verstetigen, Angst führt zu Isolation. Die Botschaft lautet: Es ist sicher, vor die Tür zu gehen. Vielen objektiven Gefahren kann mit Prävention begegnet werden, natürlich und ganz besonders auch bei Wohnungseinbrüchen.

Würde nicht mehr Polizeipräsenz automatisch das Sicherheitsempfinden der Menschen stärken?

Möller: Ja, so weit es uns möglich ist, bringen wir uniformierte Kräfte sichtbar auf die Straße.

Wie umfassend kooperiert die Polizei beispielsweise beim Thema Sicherheit und Ordnung mit dem Ordnungsamt der Stadt Düren?

Möller: Rein rechtlich sind zunächst die Kommunen für die allgemeine Gefahrenabwehr zuständig. Die Polizei greift unterstützend ein, wenn dies erforderlich ist. Wir stehen derzeit mit der Stadt Düren im Gespräch, um über die weitere Zusammenarbeit zu reden. Dazu passt, dass die Stadt derzeit eine Aufstockung des Personals des Ordnungsamtes prüft.

Wie könnte eine verstärkte Zusammenarbeit aussehen? Wäre ein gemeinsamer Streifendienst denkbar?

Möller: Es gibt eine Menge Tätigkeitsfelder, auch ein gemeinsamer Streifendienst ist denkbar. Es ist nicht originäre Aufgabe der Polizei einzugreifen, wenn Menschen Müll auf den Boden werfen. Gleichwohl erwartet der Bürger das. Wir werden mit der Stadt auch darüber reden, wie wir die Arbeit optimal aufeinander abstimmen.

Im Sommer gab es vermehrt präventive Einsätze gegen Rocker-Gruppen Ist Düren ein Treffpunkt der Szene?

Möller: Viele dieser Gruppen sind im Rotlicht-Milieu aktiv, an Waffen- und Rauschgifthandel beteiligt. Wir sprechen von rockerähnlichen Gruppierungen, weil die traditionellen Strukturen mehr und mehr aufbrechen. Solche Gruppierungen gibt es beinahe in jeder Stadt. Es ist auch bekannt, dass phasenweise territoriale Expansion ein Thema ist. Zu den Rocker-Gruppen zählen die „Hells Angels“ und die „Bandidos“. Beide sind in Düren präsent.

Was kann die Polizei gegen Treffen dieser Gruppen beispielsweise auf dem Dürener Marktplatz tun?

Möller: Es ist keine Straftat, eine Lederjacke mit Logo zu tragen und sich in die Sonne zu setzen.

Also sind der Polizei die Hände gebunden?

Möller: Wir haben die Gruppen im Blick, wir kennen die Treffpunkte. Jede Streifenwagenbesatzung gibt ihre Beobachtungen durch, wir haben zivile Kräfte im Einsatz. Sobald jemand Ärger macht oder martialisches Verhalten an den Tag legt und andere Bürger verängstigt, greifen wir ein. Weitere Mittel sind die Kontrollen.

Sie wollen den Mitgliedern der Gruppen das Leben so ungemütlich machen wie möglich?

Möller: Das kann man so sagen.

Wieso werden die Gruppen nicht verboten?

Möller: Dafür müssen den einzelnen Gruppen konkret Straftaten nachgewiesen werden können.

Gerade haben Sie doch aufgelistet, womit diese Gruppen offenbar ihr Geld verdienen...

Möller: Für ein Verbot muss aber auch der Beweis geführt werden, dass die Straftaten nicht einzelnen Personen, sondern der Gruppe zugeordnet werden. Das ist ein langer Prozess. Was wir dazu beitragen können, tun wir: Wir observieren, wir ermitteln, wir sammeln Informationen und geben diese an das Polizeipräsidium Aachen als unsere Kriminalhauptstelle und das Landeskriminalamt weiter. Der Innenminister hat schon Gruppen verboten. Und diese Linie soll fortgeführt werden.

Welche Schwerpunkte setzt die Kreispolizeibehörde?

Möller: Wohnungseinbrüche, Betrug und die Verhinderung schwerer Verkehrsunfälle sind derzeit unsere Schwerpunkte. Wir schauen aber immer aufs Neue, ob wir Themen im Laufe des Jahres anders gewichten müssen. Sei es das Thema Rocker, sei es das Thema Motorradfahrer in der Eifel.

Reicht das Personal dafür aus?

Möller: Es liegt in der Natur der Dinge, dass man nicht beliebig viele Schwerpunkte setzen kann. Aber blicken wir beispielsweise auf das Thema Wohnungseinbrüche: Im vergangenen Jahr hatten wir eine gute Entwicklung. Auch in diesem Jahr sind wir auf einem guten Weg. Es ist gefährlich, sich für gute Zahlen zu feiern, weil es neben der polizeilichen Arbeit auch andere Einflussfaktoren gibt. Wir glauben aber schon, dass unsere Präventionsarbeit und unsere intensiven Ermittlungen Wirkung zeigen. Da dürfen wir nicht nachlassen. Und auch die Bürger müssen wachsam bleiben.

Die Aufklärungsquote ist nicht so gut...

Möller: Bei überregional und teilweise international agierenden Tätern ist dies auch nicht einfach. Aber gerade diesbezüglich haben wir uns in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Die Festnahmen von zwei Tätergruppen in den zurückliegenden Tagen sind ebenfalls Erfolge, die ihre Wirkung zeigen.

Worauf ich mit der Frage hinauswollte: Die Ausbildung der Kriminalpolizisten wird von Kritikern als unzureichend dargestellt. Es gebe zudem einen eklatanten Mangel an erfahrenen Ermittlern. Wie sieht die Lage in Düren aus?

Möller: Früher gab es in der Ausbildung eine frühe Aufspaltung in Kriminalpolizei und Schutzpolizei. Heute bilden wir mit den Kommissaren Polizisten aus, die alle Aufgaben beherrschen. Für den Dienst in der Kriminalpolizei werden die entsprechenden Kollegen sechs weitere Monate vorbereitet.

Offenbar wird diese Ausbildung nicht immer abgeschlossen, weil die Beamten im Einsatz benötigt werden.

Möller: In Düren achten wir darauf, dass alle Beamte, die bei der Direktion Kriminalität im Einsatz sind, dieses Ausbildungsprogramm durchführen und komplett abschließen.

Wie steht es um die Altersstruktur?

Möller: In zehn Jahren wird ein Großteil unseres Personals altersbedingt ausgetauscht worden sein. In vielen Bereichen droht viel Erfahrungswissen verloren zu gehen. Es muss uns gelingen, dieses Wissen an die jungen Kollegen weiterzugeben, damit die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt.

Die Gewerkschaft der Polizei hat vorgerechnet, dass es im Jahr 2024 im Land fast 4000 Polizisten weniger gibt. Welche Auswirkungen hat das?

Möller: Die Ausbildungszahlen im Land sind deutlich erhöht worden, auf 1500 Stellen gibt es mehr als 8000 Bewerber. Das ist ein gutes Zeichen, unser Beruf ist attraktiv. Ich bin seit 36 Jahren im Dienst und habe praktisch zwölf verschiedene Berufe in meiner Laufbahn gehabt. Wo gibt es sonst eine solche Vielfalt? In Zukunft werden wir eine weitere Spezialisierung von Aufgaben erleben. Auch die Technik muss eine gewisse Arbeitserleichterung bringen. Ziel muss es sein, dass künftig mehr Polizisten im Streifenwagen sitzen anstatt an Schreibtischen.

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